Frisch geliftet ins Jubiläumsjahr

Vor 20 Jahren zog die Geschäftsstelle für Appenzeller Käse von St. Gallen nach Appenzell. Mit dem Haus Salesis konnten am Postplatz geeignete Räumlichkeiten für Büros und Laden gefunden werden. Ein kleiner Rückblick.

Karin Erni
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Das Haus Salesis wurde vor 20 Jahren komplett renoviert. (Bild: pd)

Das Haus Salesis wurde vor 20 Jahren komplett renoviert. (Bild: pd)

APPENZELL. Dass sich die Sortenorganisation für Appenzeller Käse heute nicht mehr in der Stadt St. Gallen, sondern in Appenzell befindet, hat nicht zuletzt mit der Einführung des Computers zu tun. Durch die neuen elektronischen Kommunikationsmittel fiel der letzte Vorteil des bestehenden Standortes dahin. Die Exportzeugnisse mussten nicht mehr mit der Post verschickt werden. «Mit dem Umzug von St. Gallen nach Appenzell haben sich für uns noch verschiedene andere Vorteile ergeben», sagt Direktor Christoph Holenstein. «Die Identifikation mit dem Produkt hat sich verbessert. Der Kunde erwartet, dass Appenzeller Käse aus Appenzell kommt. Im Gegenzug spüren wir hier oben die Kultur und die Mentalität des Appenzellerlandes besser.»

Historisches Gebäude

Christoph Holenstein war Marketingleiter, als die Geschäftsstelle 1996 mit damals sechs Angestellten vom Walhalla-Gebäude beim Bahnhof ins Haus Salesis am Postplatz zog. Eingefädelt hatte den Hauskauf der damalige Präsident Josef Inauen. Er erinnert sich noch gut an diese Zeit. «Ich war damals im Bankrat der Kantonalbank. Diese war Besitzerin der Liegenschaft Salesis. Das ziemlich heruntergekommene Haus beherbergte eine Drogerie, die oberen Stockwerke standen leer. Es sollte renoviert und Teil eines neuen Geschäftssitzes der Kantonalbank werden. Doch die Idee einer repräsentativen Kundenhalle zum Postplatz hin liess sich aus denkmalpflegerischen Gründen nicht realisieren. Dank Inauens Vermittlung konnte die Geschäftsstelle für Appenzeller Käse das Gebäude zu einem symbolischen Preis erstehen. Der Umbau des mit historischen Wand- und Deckenmalereien versehenen Gebäudes kostete 2,5 Millionen Franken. Die Finanzierung übernahm die Stiftung für Appenzeller Käse. In den letzten Monaten wurde das Haus Salesis für rund 100 000 Franken einem erneuten Facelifting unterzogen. Nicht ganz ohne Grund. Im kommenden Jahr steht wieder ein Jubiläum an: 2017 feiert die Geschäftsstelle ihr 75jähriges Bestehen.

Über 700jährige Geschichte

Dass der Geschäftssitz der Sortenorganisation bis vor 20 Jahren in St. Gallen lag, hatte historische Gründe. Schon vor über 700 Jahren lieferten gemäss alten Urkunden die Appenzeller ihren Käse dem Kloster St. Gallen ab. Später besorgten sogenannte Molkengrempler den Käsehandel in die Gallusstadt, den Thurgau, ins Rheintal und bis nach Schwaben. Zeitweise boomte der Handel derart, dass 1586 ein Artikel ins Innerrhoder Landbuch aufgenommen wurde, in dem die Grempler verpflichtet wurden, die Molken (Milchprodukte) auch auf dem Markt in Appenzell feilzubieten. Den Armen wurden diese sogar verbilligt abgegeben.

Um 1900 änderte sich die Situation. Der Appenzeller Käse war aus verschiedenen Gründen weniger gefragt. 1942 gründeten die damaligen Vertragspartner Zentralverband schweizerischer Milchproduzenten, Milchverband St. Gallen-Appenzell und der Appenzeller-Käse-Händlerverband die Geschäftsstelle für Appenzeller Käse. Ursprünglich als kriegswirtschaftliche Massnahme gedacht, sah die Geschäftsstelle ihre Aufgabe aber auch darin, die Verhältnisse «bezüglich Herstellung und Vermarktung von Appenzeller Käse zu ordnen und zu verbessern». Dies gelang und gelingt ihr noch immer. Trotz schwierigem Marktumfeld schafft es die Sortenorganisation für Appenzeller Käse regelmässig, die Umsätze zu steigern. Nicht ganz unschuldig am Erfolg dürfte die Werbung sein. Seit bald 50 Jahren arbeitet man erfolgreich mit der Berner Kommunikationsagentur Contexta zusammen. Ansonsten gilt auch in diesem Fall: Das Rezept bleibt geheim.

Im Hinblick auf die Jubiläumsfeierlichkeiten erfolgte kürzlich ein Facelifting. (Bild: ker)

Im Hinblick auf die Jubiläumsfeierlichkeiten erfolgte kürzlich ein Facelifting. (Bild: ker)

Christoph Holenstein Direktor der Sortenorganisation Appenzeller Käse. (Bild: pd)

Christoph Holenstein Direktor der Sortenorganisation Appenzeller Käse. (Bild: pd)