Freud und Leid am Muttertag

Am kommenden Sonntag ist Muttertag. Selbstverständlich gehört für mich als liebender Sohn der obligate Blumenstrauss zum Ehrentag dazu. Zugegeben, sehr einfallsreich ist das nicht.

Jesko Calderara
Drucken
Teilen
St. Gallen - Jesko Calderara Redaktion Appenzell (Bild: Jesko Calderara)

St. Gallen - Jesko Calderara Redaktion Appenzell (Bild: Jesko Calderara)

Am kommenden Sonntag ist Muttertag. Selbstverständlich gehört für mich als liebender Sohn der obligate Blumenstrauss zum Ehrentag dazu. Zugegeben, sehr einfallsreich ist das nicht. Vorbei sind die Zeiten, als ich während der Kindergartenzeit meine Mutter mit etwas Selbstgebasteltem überraschte. Glücklicherweise hat sie sich aber nie viel aus dem Tag gemacht. So gab es für mich und meine zwei Brüder auch nie dezente Hinweise oder gar vorwurfsvolle Bemerkungen, wenn das Datum dummerweise mal vergessen ging. Andere Mütter mögen da höhere Erwartungen haben.

Die Meinungen über Sinn und Zweck des 1917 in der Schweiz eingeführten und ursprünglich aus den USA stammenden Brauchs gehen auseinander. Es gibt Bewegungen, die ihn gar abschaffen wollen. Immerhin lenkt der Gedenktag zumindest für 24 Stunden auf den Mutterjob. Und dieser ist ja wahrlich nicht immer ein Zuckerschlecken. Allerdings übernehmen heute auch viele Väter Aufgaben in der Familie. Ein Elterntag wäre vor diesem Hintergrund wohl zeitgemässer. Die Gegner des Muttertags stören sich insbesondere an dessen steigender Kommerzialisierung. Tatsächlich dürfen sich nächsten Sonntag zumindest die Floristen über gute Geschäfte und Rekordumsätze freuen.

Der Muttertag wird international zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten gefeiert. Amüsant finde ich einzelne Bräuche. In Äthiopien etwa kehren die Kinder im Herbst ins Elternhaus zurück und feiern gleich mehrere Tage bei Speis und Musik. Die Mütter schmieren sich das ganze Gesicht mit einer pflegenden Buttermischung ein, während die Väter ein Ständchen für die ganze Familie halten. Heftiger geht es in Serbien zu und her. Dort schleichen sich die Kinder ins Schlafzimmer der Mutter und binden ihr die Füsse zusammen. Um wieder freizukommen, muss die Mama ihren Nachwuchs mit Süssigkeiten bestechen. Solches Ungemach bleibt den Schweizer Müttern zum Glück erspart. Dafür dürfen sie ruhig etwas mehr Dankbarkeit über den Blumenstrauss zeigen…

Aktuelle Nachrichten