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Freud herrscht

Der grösste Feind des Journalisten ist und bleibt der Fehlerteufel. Meine Berufskollegen und ich unternehmen tagtäglich alles Mögliche, um dem heimtückischen Gesellen das Handwerk zu legen. Doch das Unterfangen ist zum Scheitern verurteilt.
Kari Erni
Bild: Kari Erni

Bild: Kari Erni

Der grösste Feind des Journalisten ist und bleibt der Fehlerteufel. Meine Berufskollegen und ich unternehmen tagtäglich alles Mögliche, um dem heimtückischen Gesellen das Handwerk zu legen. Doch das Unterfangen ist zum Scheitern verurteilt. Das menschliche Hirn ist einfach zu anfällig für Fehlleistungen. Das hat der Wiener Psychoanalytiker Sigmund Freud schon vor 112 Jahren herausgefunden und in seinem erfolgreichen Buch «Zur Psychopathologie des Alltagslebens» dargelegt. Freud vertritt darin die These, dass ein Grossteil alltäglicher Fehlleistungen wie das Versprechen, Vergessen, Verschreiben oder das Verlegen von Gegenständen Ausdruck unbewusster Absichten sei. Diese seien nur auf den ersten Blick zufällig, es handle sich um sinnvolle Mechanismen des Unbewussten. Beim Verlesen verführe uns der Wunsch, in einen Text etwas anderes hineinzulesen, erklärt der Vater der Psychoanalyse. Als Beispiel erzählt er die Geschichte eines Mannes, der bei einem Weg durch die Stadt dringend einen Abort sucht und dann bei der Aufschrift «Klosetthaus» Hoffnung schöpft, bis er erkennen muss, dass auf dem Schild in Wahrheit «Korsetthaus» steht. Das erklärt vielleicht, warum ich, als ich noch in St. Gallen arbeitete, den Stadtrat namens Fredy Brunner mit schöner Regelmässigkeit ungewollt in Fredy Brummer umbenamselte.

Wenn Freuds Theorie stimmt, muss meine Mutter eine besondere Beziehung zum Geld haben, denn sie macht aus der Ortschaft Bazenheid beim Schreiben jeweils eine Batzenhedi. Ganz schlimm muss es um meine eigene Psyche bestellt sein. Ich lese in der Zeitung regelmässig «Vergewaltigungsrat» statt «Verwaltungsrat». Vollends peinlich wird es, wenn der Finger auf der Tastatur beim Schreiben des Wortes Hose statt des «s» immer wieder auf das nebenan liegende «d» drücken will und damit Etwas zwar örtlich Naheliegendes, aber komplett anderes dabei herauskommt.

Doch das Ende aller redaktionellen Fehlleistungen ist in Sicht. Bereits werden für bestimmte Aufgaben Roboterjournalisten eingesetzt. Diese erledigen in Zukunft unsere Arbeit – fehlerfrei und ohne zu murren. Wir Schreiberlinge können uns derweil bei einem Jünger von Herrn Freud auf die Couch legen.

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