Fremde Volksmusik

Der Zydeco hat eine erstaunliche Entwicklung hinter sich. Er ist so alt wie der Blues, gute 110 Jahre, wenn man bei der ersten geschriebenen Note zu zählen beginnt. Dass der Zydeco und die sich daraus gebildeten Stile wahrgenommen werden in Europa, ist ein Wunder.

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Der Zydeco hat eine erstaunliche Entwicklung hinter sich. Er ist so alt wie der Blues, gute 110 Jahre, wenn man bei der ersten geschriebenen Note zu zählen beginnt. Dass der Zydeco und die sich daraus gebildeten Stile wahrgenommen werden in Europa, ist ein Wunder. Zydeco ist die extrem emotional geladene Stimmungsmusik der ehemaligen «Acadiens», später «Cajuns» genannt, eine frankophonen Bevölkerungsgruppe, die 1755 von den Engländern aus Kanada vertrieben wurde. Eine neue Heimat fanden die Flüchtlinge im späteren US-Bundesstaat Louisiana.

Der Zydeco hielt sich in den Gehörgängen der Menschen am Mississippi und entwickelte sich weiter, switchte vom Französischen ins Englische und mischte sich mit dem Blues der Afroamerikaner, der Stimmungsmusik der Creolen, dem Folk der Amerikaner und schliesslich auch mit dem Rythm&Blues, der aus England herüber schwappte.

Rückexport

Der Rückexport fand im Lauf des 20. Jahrhunderts statt. Europäische Musikschaffende entdeckten in New Orleans und Baton Rouge unter dem vorherrschenden Blues und den Gospels den Zydeco der mittlerweile längst assimilierten Acadiens und brachten ihn auf den Alten Kontinent zurück. Zwei Interpreten des Zydeco hatte Programmchef Geni Scherrer ans 24. Jazzfestival geladen: «Swamp» aus Holland und «Yannick Monot & Nouvelle France» aus Frankreich und Deutschland. Zu sagen wäre noch: Das Akkordeon kannten die Acadiens noch nicht, dafür die Geige, es wurde von deutschen Einwanderern in den Süden der USA gebracht. Heute ist es nicht mehr wegzudenken aus dem Zydeco.

Michael Hug