Freiwillig den Wald aufräumen

Der Verein Naturpark Neckertal, das Landschaftskonzept Neckertal, der Service Civil International (SCI) und das Asylzentrum Neckermühle haben zusammen ein Workcamp organisiert. Freiwillige und Asylsuchende arbeiten zurzeit an der Auslichtung eines Waldstücks bei Hoffeld.

Jesko Calderara
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HOFFELD. Selbst das regnerische Wetter der vergangenen Tage konnte die Gruppe Freiwilliger aus verschiedenen europäischen Ländern nicht von ihrer Arbeit abhalten. Als Teil eines zweiwöchigen Workcamps, welches der Verein Naturpark Neckertal wie 2013 in Zusammenarbeit mit dem Service Civil International (SCI) und dem Landschaftskonzept Neckertal organisiert hat, lichten sie ein Waldstück im Gebiet Spitzmühletobel bei Hoffeld. Erstmals mit an Bord ist zudem das Zentrum für Asylsuchende Neckermühle. Am Montag stellten die Verantwortlichen das Projekt an einem Medienanlass vor.

Lebensraum aufwerten

«Ziel dieser Massnahmen ist es, ökologisch wertvolle Flächen wieder aufzuwerten», sagt Heiri Schiess, Projektleiter beim Landschaftskonzept Neckertal. Letztlich gehe es darum, die Vielfalt von Arten und besonderen Lebensräumen zu fördern. Dank der Waldauslichtung erhielten viele seltenere Baumarten, Sträucher und Pflanzen wieder mehr Licht zum Überleben, erläutert Heiri Schiess. Das betroffene Grundstück auf Neckertaler Gemeindegebiet war vor 30 Jahren ein Streuried. Weil Stroh jedoch zunehmend billiger wurde, lohne es sich für die Bauern nicht mehr, solche Flächen zu mähen, sagt Schiess. Die Teilnehmer des Freiwilligeneinsatzes sind nun dabei, das Unterholz von den Büschen und Gräsern zu befreien. Die Frauen und Männer im Alter von 20 bis 45 Jahren sammeln zudem das Holz ein, welches der Sturm umgerissen hat oder das nach dem kürzlich erfolgten Holzschlag liegengeblieben ist. Ein Streuried werde Aufgrund des zu hohen Arbeitsaufwands jedoch nicht mehr entstehen, sagt Heiri Schiess. «Wir wollen die Lichtung künftig einfach offen halten.» Dieses Jahr arbeiten erstmalig 10 Bewohner des Zentrums für Asylsuchende mit. Sie stammen aus Eritrea und Tibet. Bernard Hummel, Leiter des Asylheims Neckermühle betont die Bedeutung solcher Einsätze. «Wir erhalten viele solcher Anfragen.» Asylsuchende dürften jedoch nur Arbeiten ausführen, welche nicht in Konkurrenz zum Gewerbe stünden. An ähnlichen Umwelteinsätzen des Landschaftskonzepts Necker seien sie schon mehrmals beteiligt gewesen, erläutert Hummel. «Für uns sind sie von grosser Bedeutung.» Die Tätigkeit gebe den Menschen aus den fremden Ländern einen Wert und Würde.

Standbein des Naturparks

Damit ein Workcamp wie jenes im Neckertal von der SCI berücksichtigt wird, muss es gewisse Kriterien erfüllen. «Die Projekte dürfen nicht in Konkurrenz zur Wirtschaft stehen», sagt SCI-Workcampleiter Lorenz Schweizer. Weil sie nicht rentieren, würden ohne Freiwillige solche Massnahmen zur Landschaftsaufwertung gar nie realisiert werden können. Die Eigentümer der betroffenen Grundstücke, mit denen das Landschaftskonzept Neckertal zehnjährige Verträge abgeschlossen hat, erhielten auch keine Subventionen oder Direktzahlungen dafür. Im SCI steht gemäss Schweizer der Gedanke im Vordergrund, Menschen verschiedener Nationalitäten bei gemeinnützigen Aktivitäten zusammenzubringen und so das gegenseitige Verständnis zu fördern.

Im Toggenburg sind zurzeit Mitglieder aus Italien, Spanien, Bulgarien, Finnland, Deutschland und der Slowakei tätig. Umwelteinsätze sollen zum festen Standbein des Naturparks werden. «Die Natur aufwerten und gleichzeitig die Region bekannter machen, sind für uns zentrale Anliegen», sagt Adrian Steiner, Geschäftsführer des Trägervereins. Ihre Aufgabe sei es, die Vorhaben zu koordinieren. «Dafür braucht es professionelle Strukturen.» Für 2015 sind laut Adrian Steiner Umwelteinsätze im gleichen Umfang wie dieses Jahr vorgesehen. «Wir überlegen uns aber, vermehrt Firmen anzusprechen.» Diese gehörten nebst Freiwilligengruppen und Asylsuchenden zur wichtigsten Zielgruppe. Sandra Gerlach, Leiterin Bereiche Natur, Landschaft und Umweltbildung beim Verein Naturpark Neckertal, betont denn auch die Vorteile solcher Angebote. «Ökologische Massnahmen werden für den Grundbesitzer kostenfrei ausgeführt.» Dabei werde das Toggenburg bekannter, und die Teilnehmenden lernten Zusammenhänge in der Natur kennen.

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