Freiräume für die Abstraktion

WATTWIL. Die Ebnat-Kapplerin Rosmarie Abderhalden zeigt zum ersten Mal ihre Bilder und Skulpturen in einer Einzelausstellung. Heute Freitag, um 19 Uhr, ist die Vernissage von «Zeit-Räume» in Albert Zellwegers Art-Galerie an der Poststrasse 20 in Wattwil.

Hansruedi Kugler
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Abstrakt und dennoch stimmungsstark: Die Serie «Licht-Räume» von Rosmarie Abderhalden. (Bilder: Hansruedi Kugler)

Abstrakt und dennoch stimmungsstark: Die Serie «Licht-Räume» von Rosmarie Abderhalden. (Bilder: Hansruedi Kugler)

WATTWIL. Eine Einladung zum Verweilen in den eigenen Räumen und Träumen – so kündigt Rosmarie Abderhalden ihre erste Einzelausstellung an. Der Betrachter bemerkt sofort: Starke Farben, intensive Stimmungen. Seinen Weg in die Bilder muss aber jeder selbst finden. Eindeutigkeit und Naturalismus meidet die Ebnat-Kapplerin in ihren Bildern. Rosmarie Abderhalden mag besonders das Abstrakte, das dem Betrachter einen spannungsgeladenen Freiraum offen lässt – falls die Abstraktion mehr ist als blosse Farbspielerei.

«Freiräume, Lebensräume»

Rosmarie Abderhalden malt schon seit bald zwanzig Jahren, und zu Beginn hat sie auch die Churfirsten ganz realitätsnah abgezeichnet. Spricht sie über ihre Malerei, so hört man ihre grosse Nähe zum Impressionismus. Naturstudien betreibt sie zwar immer noch. Heute aber interessiere sie das reine Abbild der Natur nicht mehr, sagt sie. Vielmehr konzentriert sie sich auf die Farben, das Licht und die Stimmungen, die sie in der Natur findet. Mal streng geometrisch, mal mit dramatischem Pinselstrich entwirft Rosmarie Abderhalden in ihren Gemälden Gefühls- und Stimmungswelten – oder in ihren eigenen Worten: «Räume, Freiräume, Lebensräume.»

Experimentierfreudig

Vor vier Jahren ist Rosmarie Abderhalden aus Ennetbühl nach Ebnat-Kappel gezogen und hat im ehemaligen Volg ihr Atelier. Die 47-Jährige arbeitet als Sozialpädagogin in einem Chupferhammer-Heim für Erwachsene mit einer geistigen Behinderung in Teufen. Auch dort arbeitet sie mit den Bewohnern vor allem gestalterisch und stellt aus Stein und Erde eigene Farben her. Ihre gestalterische Laufbahn hat sie in der Schule für Gestaltung und in vielen Einzelkursen begonnen. Über all die Jahre hinweg hat sie im eigenen Atelier aber auch immer experimentiert: Mit Farben, Maltechniken und Materialien. Für ihre Gemälde hat sie mit Ölkreide, Eitempera und Pastellkreide gearbeitet. Daneben findet man auch eine fragile Skulpturengruppen in der Ausstellung: Rosmarie Abderhalden hat sie in Feinarbeit aus Flachspapier über einer Sandform hergestellt.

Verborgenes und Leuchtendes

Im Mittelpunkt ihrer Ausstellung stehen aber eindeutig ihre Gemälde. So einfach die Komposition, so stark kann man das Verborgene oder Suggestive in ihren Bildern wahrnehmen. Ein leuchtendes Rechteck auf dunklem Grund: eine Schublade, die man aus dem Erdreich ziehen kann? Woher kommt das geheimnisvolle Licht in den Bildern der abstrakten Serie «Licht-Räume»? Und jeder kann sich selbst einen Reim machen auf die durchscheinenden Menschen, die als Schemen einige Bilder von Rosmarie Abderhalden bevölkern.

«Zeit-Räume» Rosmarie Abderhalden Art Galerie Poststrasse 20, Wattwil bis 31. Dezember.