Freie Fahrt ins Flachland

SPEERSPITZ Plötzlich spielte die Zeit für mich keine Rolle mehr. Theoretisch konnte ich während zweier Wochen Anfang des Monats unter der Woche Feierabend machen, wann es mich gelüstete. Ohne berechnenden Blick auf den Minutenzeiger.

Liska Meier
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Kopfsalat vom Toggenburger Liska Meier (Wattwil, Tel. 071 987 48 45)
21.04.2014
Bild: Urs Jaudas (Bild: Liska Meier)

Kopfsalat vom Toggenburger Liska Meier (Wattwil, Tel. 071 987 48 45) 21.04.2014 Bild: Urs Jaudas (Bild: Liska Meier)

SPEERSPITZ

Plötzlich spielte die Zeit für mich keine Rolle mehr. Theoretisch konnte ich während zweier Wochen Anfang des Monats unter der Woche Feierabend machen, wann es mich gelüstete. Ohne berechnenden Blick auf den Minutenzeiger. Ohne Fahrplan im Hinterkopf. Schloss sich die Bürotüre am Nachmittag hinter mir, so atmete meine Seele auf: Frei! Ich kann mit dem Auto losfahren, wann und wohin ich will. Bahn frei. Habe ich Wattwil flussabwärts inklusive Baustelle an der Wilerstrasse hinter mir gelassen, nehme ich nach der Umfahrung von Lichtensteig das Dietfurter Brüggli-S in einem Schwung und ohne Stau. «Suuberi Liniefüehrig», würde Bernhard Russi kommentieren. Flüssig geht die Fahrt am Chästrückli vorbei, ohne den Fahrtwind drosselnde Bremslichter des Vordermannes. Im Nu vorbei geht die Fahrt auch an der ersten Einheit der vier rot-weissen Bahnschranken. Ganz egal, wo der Minutenzeiger steht. Auch die zweite Einheit der Schranken am anderen Ende des Dorfes Bütschwil wird ohne Zwangsstop passiert. Während des Heimfahrens fällt mir ein, dass ich während dieser zwei Wochen, in denen die Züge nicht fuhren, weil die SBB Unterhaltsarbeiten an den Gleisen und Bahnübergängen zwischen Bazenheid und Wattwil durchführten und Ersatzbusse zum Einsatz kamen, ausser Nerven ja auch viel Geld sparte. Denn die Überlegung, ob ich lieber vor dem zweiten Bahnübergang in der Reihe stehen oder die Kurve nach links drehen will und dafür dem Lädeli einen Besuch abstatte, ist müssig. Na ja. Es kam, wie es sein musste. Die SBB wurden mit den Arbeiten fertig. Die Pünktlichkeit siegte und wird weiterhin siegen. Mir fallen in regelmässigen Abständen wieder die Schranken vor der Nase zu.

Allerdings, da haben Sie recht. Ich habe die Wahl: Ich könnte für den Arbeitsweg den Zug nehmen und pro Tag viermal zwischen den Schranken hindurchlachen. Oder: Ich freue mich schon jetzt auf die Eröffnung der Bütschwiler Umfahrung.

liska.meier@toggenburgmedien.ch