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FREIBAD TEUFEN: Empörung über Sparrunde

Sparmassnahmen im Freibad: Eine Reduktion des Gastronomie-Angebots und reduzierte Öffnungszeiten haben Badegäste empört; sie lancierten eine Umfrage. Das Resultat ist bereits jetzt klar.
Margrith Widmer
Die meisten Befragten wünschen sich einen guten Gastrobetrieb und flexible Öffnungszeiten. (Bild: Karin Erni)

Die meisten Befragten wünschen sich einen guten Gastrobetrieb und flexible Öffnungszeiten. (Bild: Karin Erni)

Margrith Widmer

redaktion@appenzellerzeitung.ch

Zu Beginn der diesjährigen Badesaison war im Schwimmbad Teu-fen fast nichts mehr wie zuvor: Das täglich frische Mittagsmenu war gestrichen; statt dessen wurden Schnitzel und Pommes und Hamburger angeboten. Zum Kaffee gab’s keine Gipfeli mehr; Sandwiches fehlten im Angebot. Frühschwimmen ist nur noch Dienstag und Donnerstag ab 7 Uhr möglich und nicht mehr an allen Werktagen. Dafür mähten Angehörige des Bauamts nachmittags in Anwesenheit von Badegästen um 14 Uhr den Rasen. Regelmässige Gäste reagierten irritiert. Zwar hatte die Gemeinde vor Beginn der Badesaison verlauten lassen, sie habe den «Dienstleistungsumfang», «sicherheitstechnische Bedingungen» und «Massnahmen kontrolliert», Öffnungszeiten seien «optimiert» und die «Rahmenbedingungen für Schwimmer» verbessert worden. Neu werde ein Teil des Gastroangebots durch die Küche des Altersheims Gremm bereitgestellt. «Die Standardangebote» stünden auch weiterhin zur Verfügung – so die Mitteilung der Gemeinde.

Bisher war das Freibad ein beliebter Treffpunkt: Morgens trafen sich Nachbarn zu Kaffee und Gipfeli, Frühschwimmer stärkten sich mit Sandwiches. Arbeiter und Geschäftsleute trafen sich zum Znüni. Das reichhaltige gastronomische Angebot wurde rege genutzt.

Selten gewordene Kultur

Ein aufgebrachter Badegast reagierte: Er schrieb der zuständigen Gemeinderätin Katja Diethelm und dem Gemeindepräsidenten Reto Altherr einen Brief, in dem er seiner Entrüstung Ausdruck verlieh: Die Badi Teufen sei mehr als «ein Schwimmbecken mit Liegewiese und Spielplatz». Mit dem bisherigen Restaurant habe sie zu einer selten gewordenen Kultur beigetragen: zu spontanem Zusammensein unterschiedlicher Menschen, die «schwimmen, sich erholen und geniessen wollen». Es sei absolut nicht nachvollziehbar, wie es sich eine Freibadanlage dieser Grösse, Ausstattung und Qualität erlauben könne, ihren Gastrobetrieb derart drastisch zu reduzieren, dass nicht mal mehr Sandwiches im Angebot seien – und dies zu einem Zeitpunkt, da Freibäder wie Walzenhausen vermehrt auf Mittagsmenus und Znüni-Angebote setzten. Auf einem dem Gemeinderat ausgehändigten Beiblatt haben sechs weitere Bürger unterschrieben.

Sauer reagierten Schwimmer auch, als sie an schönen Tagen vor verschlossenen Türen standen, wie eine Frühschwimmerin empört berichtete, der diese Situation zwei Mal passiert sein soll. Das Wasser sei mit Folien abgedeckt gewesen – kein Hinweis, warum das Bad geschlossen war. Sandwiches und Gipfeli werden inzwischen wieder angeboten – allerdings erst, nachdem Gemeindepräsident Reto Altherr und Gemeinderätin Katja Diethelm sich mit der Unterzeichnerin des Briefes getroffen hatten.

Eine halbe Million Defizit

Ein Blick in Budgets und Rechnungen der vergangenen Jahre zeigt für 2017 für das Schwimmbad einen Aufwand von 535000 Franken und Erträge von 65000 Franken. Die Rechnung 2016 weist ein Defizit von 455961 Franken aus. Beim Restaurant resultierte ein Defizit von 72850 Franken. Das Budget 2017 sieht fürs Restaurant einen Aufwand von 185500 Franken und einen Ertrag von 97000 Franken vor. Die Gemeinde müsse arbeits- und sicherheitsrechtliche Auflagen und Bestimmungen erfüllen; erste Priorität hätten Sicherheit und Hygiene – so Altherr und Diethelm gemäss einem Gesprächsprotokoll. Zufrieden sind die «rebellierenden» Badegäste nicht: Die Reorganisation lasse die Mitarbeitenden ausser acht und sei technokratisch. Bei Gästen und Angestellten bleibe ein bitterer Nachgeschmack. Die Mitarbeitenden seien nicht in den Entscheidungsprozess mit einbezogen worden. Die Gemeindeverantwortlichen hätten Informieren mit Beteiligen verwechselt. Denn: Mitarbeitende hätten meist die besten Ideen, wenn’s ums Sparen gehe, schrieb die Abordnung den beiden Gemeinderäten.

Die Unzufriedenen stört es, dass der Gemeinderat, der sich um Strategie kümmern sollte, derart massiv ins operative Geschäft eingreift. Gemeindepräsident Altherr und Gemeinderätin Diethelm dazu in der «Tüüfner Poscht online»: Es gehöre «zu den Pflichten des Gemeinderats, dafür zu sorgen, dass mit Steuermitteln zur Erfüllung der Aufgaben sorgsam umgegangen wird». Bei der «Durchleuchtung der Prozesse» sei «höchste Priorität den Sicherheitsaspekten geschenkt» worden. «Der Gemeinderat ist bestrebt, mit den Veränderungen eine wirtschaftliche Verbesserung zu erzielen und trotzdem einen zeitgemässen und gut organisierten Badebetrieb anzubieten.»

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