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Interview

Freeskier Colin Wili aus Appenzell: «Normales Skifahren ist mir zu langweilig»

Vor drei Jahren fuhr er sein erstes Weltcup-Rennen, heute gehört Colin Wili aus Appenzell in seiner Paradedisziplin Slopestyle zu den Besten der Welt. Ein Rückblick auf den Beginn einer Erfolgskarriere.
Claudio Weder
Kunststücke in der Luft: Colin Wili beim FIS-Weltcup-Rennen in Mammoth Mountain (USA). (Bild: PD)

Kunststücke in der Luft: Colin Wili beim FIS-Weltcup-Rennen in Mammoth Mountain (USA). (Bild: PD)

Colin Wili, 2016/17 starteten Sie in Ihre allererste Weltcup-Saison, drei Jahre später fahren Sie bereits ganz vorne mit. Wie erklären Sie sich diese Erfolgskurve?

Ich habe in der Vergangenheit viele Wettkämpfe bestritten. Dies hat mir geholfen, besser und vor allem konstanter zu werden. Durch die guten Resultate, die ich erzielte, bin ich selbstbewusster geworden – ich weiss, dass ich es auch im Weltcup ganz nach vorne schaffen kann. Zudem habe ich gelernt, mit Erfolg und Misserfolg umzugehen.

Diese Woche haben waren Sie in Flachau, wo Sie Ihren ersten Weltcup-Sieg der Saison errungen haben. Vergangene Woche nahmen Sie am FIS-Freeski-Weltcup in Mammoth Mountain (USA) teil. Wie ist das für Sie, ständig unterwegs zu sein?

Am Anfang war das Neuland für mich; doch mittlerweile habe ich mich ans Reisen gewöhnt. Ich bin von Natur aus ein Mensch, der immer auf Trab ist und nicht lange Zeit am gleichen Ort bleiben kann. Aus diesem Grund gefällt mir das Reisen sehr. Es gibt mir die Gelegenheit, neue Orte und neue Leute kennen zu lernen. Diese Möglichkeit hätte ich nicht, wenn ich nicht diesen Sport ausüben würde.

Wie viel Freizeit bleibt Ihnen da?

Nicht wirklich viel – gerade in der Wintersaison, wo ich fast permanent mit dem Swiss Freeski Team unterwegs bin. Das stört mich aber nicht, weil ich ja das machen kann, was ich liebe; selbst wenn ich zwischendurch mal frei habe, stehe ich am liebsten auf den Brettern. Nur die Kollegen und meine Familie habe ich manchmal zu kurz.

Vor drei Jahren übten Sie noch am dreifachen Salto. Beherrschen Sie diesen mittlerweile?

Ja – sowohl vorwärts als auch rückwärts angefahren. (lacht) Ich habe diesen Sprung allerdings noch nie an einem Rennen gezeigt.

Warum nicht?

Beim Freeskiing gibt es drei Disziplinen: Halfpipe, Big Air und Slopestyle. Meine Paradedisziplin ist Slopestyle – eine Art Parcourslauf, bei dem man über verschiedene Hindernisse, etwa Schanzen und Geländer, fahren muss. Beim Slopestyle ist es schwieriger, komplizierte Tricks zu zeigen als beim Sprung über die grosse Schanze (Big Air). Mein Lieblingstrick – den «Switch double misty 1260», ein rückwärtsangefahrener Doppelsalto kombiniert mit dreieinhalb Schrauben – zeige ich aber an jedem Weltcup.

Colin Wili, Freeskier aus Appenzell (Bild: Claudio Weder)

Colin Wili, Freeskier aus Appenzell (Bild: Claudio Weder)

Wie trainieren Sie Ihre Tricks?

Einen neuen Trick übe ich zunächst immer auf dem Trampolin, später mithilfe von Air-Bags. Erst wenn er zu hundert Prozent sitzt, übe ich ihn auf dem Schnee. Denn der Schnee verzeiht nichts.

Haben Sie sich schon oft verletzt?

Es kommt häufig vor, dass man in der Luft merkt, dass man etwas falsch gemacht hat und dann realisiert, dass man nicht perfekt auf die Füsse kommen wird. Mit zunehmender Erfahrung lernt man aber, wie man sich aus solchen Situationen retten kann, ohne sich zu verletzen. Aber es gibt natürlich auch Momente, in denen ein Sprung wirklich schiefgeht. Verletzungen gehören zum Sport dazu. Abgesehen von einer ausgekugelten Schulter und einem gebrochenen Daumen bin ich bisher aber immer glimpflich davon gekommen.

Gott sei Dank. Wie sind Sie Freeskier geworden?

Ich war schon als Kind sehr aktiv. Seit ich drei Jahre alt bin, wohne ich in Appenzell. Im Winter habe ich jede freie Minute auf der Eben­alp verbracht. Normal Ski zu fahren, wurde mir aber schnell zu langweilig, weshalb ich gemeinsam mit meinen Kollegen begonnen habe, Schanzen zu bauen und darauf Tricks zu üben.

Wie schafften Sie den Sprung ins Professionelle?

Ich wollte schon immer Freeski-Profi werden. Nachdem ich das Skigebiet auf der Ebenalp in- und auswendig kannte, reiste ich mit meinen Kollegen fast jedes Wochenende nach Laax, wo es für uns Freeskier viel mehr Möglichkeiten gibt. Ich habe begonnen, regionale Contests zu fahren. Im Jahr 2015 wurde ich dann von den Kadertrainern des Swiss-Freeski- Teams entdeckt.

Die grössten Erfolge

2016/17 bestritt Colin Wili seine erste Weltcup-Saison, die er sogleich als Dritter in der Gesamtwertung abschloss. 2017 holte er sich am Slopestyle Weltcup auf der Seiser­ Alm Silber, 2018 an der «Excellent Soldiers Big Air» in Tschechien Gold. An der diesjährigen Freestyle-WM in Park City (USA) war Wili bester Schweizer im Slopestyle. Der jüngste Erfolg: Am Spring Battle in Flachau gelang dem 20-Jährigen diese Woche der erste Saisonsieg. (wec)

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