Frau Hanselmann darf nicht verhungern

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Wil Einen humorvollen Sonntagmorgen bescherte die Volkshochschule Wil dem Publikum am «Persönlich»-Talk. Zu Gast waren Regierungsrätin Heidi Hanselmann und Clown Pic. Es war schon nach wenigen Minuten klar, dass dies nicht einfach ein trockenes Interview werden würde – schliesslich hatten die beiden Gäste von Moderator Roland P. Poschung gemeinsames Lieblingsthema ausgemacht: den Fussball. Heidi Hanselmann erklärte, dass sie früher in St. Gallen zwar mit den Buben habe mittrainieren dürfen, doch beim Match draussen stehen musste. «Das war unfair», doch hat die spätere Logopädin dann den Weg in den Firmensport gefunden, wo sie als Rechtsaussen die Männer «aufgemischt» habe. «Ich war schnell, ich war wendig und wurde stets unterschätzt.» Den Weg in die Politik habe sie nie gesucht – und deshalb auch zuerst abgelehnt, als Parteilose auf eine SP-Nationalratsliste zu kommen, sagte die Vorsteherin des St. Galler Gesundheitsdepartements. Doch ihr Freund habe ihr die Leviten gelesen: «Er sagte, dass ich nicht anderen Frauen sagen könne, dass sie sich mehr in der Öffentlichkeit engagieren sollten, wenn ich selbst nichts machen würde. Das hat mich dann schon getroffen», erklärte die Tochter eines Polizisten.

Sein Talent an Unterhaltungsabenden entdeckt

Dass Pic ein Clown wurde, war in seiner Jugend keine ausgemachte Sache. Jedoch sei der Umgang mit Humor vielleicht ein Ventil gewesen, das ihm und der Familie erlaubte, durch den Alltag zu kommen, sei der Vater oft krank gewesen. Sein Talent – er trat als Teenager an Unterhaltungsabenden auf – wurde zwar früh erkannt, konnte jedoch nicht gefördert werden, sodass er zuerst Lehrer wurde. Mit 19 Jahren folgte der erste Auftritt in der St. Galler Kellerbühne. Dass Jugend und Schönheit vergänglich seien, habe er erfahren müssen, als er bei der Badi Dreiweihern an einer betagten Frau vorbeieilen wollte, die im Badeanzug auf der Treppe sass. «Ich dachte mir: Was macht diese alte Frau da? Da schaut sie mich an und fragt, ob ich der Pic sei. Als ich bejahte, erklärte sie mir strahlend, dass wir zusammen das Lehrerseminar besucht hatten», erzählte Pic.

Angst um die Klassenlehrerin gehabt

Eine Anekdote wusste Hanselmann aus ihrer Zeit als Primarlehrerin zu erzählen. Sie hatte den Kindern den Wert guten Essens erklärt. Zur Mittagspause fragte ein Bub, was sie denn heute essen werde. Sie deutete auf ihr Pausenbrot und sagte: «Ich habe es nicht so gut wie du, da niemand für mich zu Hause kocht. Ich bin hier am Verhungern.» Eine Stunde später stand der Junge schniefend mit einem Teller Schnipo im Klassenzimmer. «Das war mir echt peinlich. Ich wollte ja dem Jungen nur erklären, wie gut er es hat, dass seine Mutter täglich für ihn kocht.» Ein Gespräch mit der Mutter des Kindes förderte dann zu Tage, dass der Mutter dies schon klar gewesen sei, der Junge jedoch nicht aufgehört habe zu drängen, denn Frau Hanselmann dürfe doch nicht verhungern. (art)