Französische Meister interpretiert

Chorkonzerte sind am Bettag beliebt und werden jeweils auch sehr gut besucht. Die Kantorei Toggenburg stellte mit diesem hervorragenden Vokalkonzert seine Qualität und Vielseitigkeit unter Beweis und gab Einblick in das Schaffen von Gabriel Fauré und César Franck.

Vreni Neher
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Nesslau. Die spätromantischen Werke lösten beim Publikum ein begeistertes Echo aus. Als Solisten wirkten mit: Kimberly Brockmann, Sopran; Valentin J. Gloor, Tenor; Samuel Zünd, Bariton/Bass; Isabelle Steinbrüchel, Harfe; Max Heinz, Orgel, ein Ad-hoc-Orchester und Markus Leimgruber, der zum ersten Mal diesen Chor leitete. Der chorisch gesehen sehr abwechslungsreiche Abend begann mit dem «Cantiques de Jean Racine» von Gabriel Fauré. Racine, der französische Bühnendichter, lebte von 1639–1699.

Neben seinen alttestamentarischen Tragödien verfasste er auch geistliche Lyrik, wie seine vertonten «Cantiques».

Meister des Anmutigen

Gabriel Fauré war ein Meister des Anmutigen und gilt bedeutendster Liedkomponist seiner Zeit. «Verbe égal au Très-Haut», Wort des Höchsten, steht am Beginn der Cantiques, und ist ein vielstimmiges Lob- und Preisgebet voll Hoffnung und Dank eines treuen Volkes.

Racine liess in seinen religiösen Werken und Betrachtungen die Menschlichkeit des Herzens zu Wort kommen in einer Sprache voll Klangzauber. Warm klingend und menschlich anrührend vertonte Fauré diese Worte, die vom Chor und den Solisten in einer fast schwelgerischen Farbpalette dargeboten wurden. César Francks Messe in A-Dur ist eine sehr schöne, aber eigenwillige Komposition.

Sie beginnt mit dem «Kyrie eleison», Herr erbarme dich, interpretiert vom Tenor Valentin Gloor mit verhaltener Ausdruckskraft.

Erlesene klangliche Feinabstufungen und energievolle Steigerung folgten im vielstimmigen Chorgesang, der im zweiten «Kyrie» von der Harfe begleitet wurde. Die perlenden Töne dieses Instruments erinnerten an Wellenbewegungen; die Instrumentalistin liess dabei sehr schön die einzelnen Motive erklingen, bis der Chor einsetzte und die klangfarblichen Töne durch das «Gloria» auflösten.

Dieser Messe-Abschnitt, «Ehre sei Gott in der Höhe», wurde abwechselnd von Solisten und Chor übernommen und einer Fuge ähnlich als Zwiegespräch intoniert. Das von melodischer Klangpracht beinahe überbordende «Gloria» endete mit einem jubelnden «cum sancto spiritu in gloria Dei patris». Das «Tantum ergo» erklang in der katholischen Messe immer vor dem Segen mit der Monstranz.

Das Volk lobte bei diesem Kirchenlied «Darum lasst uns tief verehren ein so grosses Sakrament» die Dreifaltigkeit das César Franck für Tenor-Solo, Chor, Harfe und Orgel komponierte. Valentin Gloor intonierte mit seinem schlanken Tenor diese Lobeshymne mit schlichter Gestaltungskraft.

Höchst kultivierter Sopran

Einen absoluten Höhepunkt erlebten die Zuhörenden beim ergreifenden «Panis Angelicus», einem der bekanntesten Werke von César Frank.

Kimberly Brockmann begeisterte mit ihrem höchst kultivierten Sopran, der filigran bis in die hohen Lagen vom sängerischen Potenzial geprägt war. Sopran und Tenor-Solo prägten auch anfangs das «Agnus Dei», Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt, das am Schluss vom ganzen Chor feierlich übernommen wurde. Sehr zu Herzen gehend, beschwichtigend und tröstlich klang das vielstimmige «Dona nobis pacem», eine Friedensbotschaft für die ganze Menschheit.

Starker Chorklang

Für Sopran-Solo und Harfe folgte ein kurzes, inniges Gebet, vertont von Gabriel Fauré: «Si la voix d'un enfant peut monter jusqu'à vous mon père», wobei die hochbegabte Sängerin das Publikum erneut mit ihrem leuchtenden Sopran begeisterte. Für Chor, Streicher, Harfe und Orgel ertönte zum Schluss der «Psalm 150» von César Franck mit einem bereits zu Beginn mehrstimmigen «Alleluja», der Lobpreisung Gottes, wobei sich Klarheit, Gestaltungskraft und Dynamik steigerten bis zum prächtigen, brillanten Finale: «Laudet, laudet Dominum, omnis spiritus, Amen!».

Das war ein unglaublicher Chorklang, ausdrucksstark und intensiv. Das Publikum erlebte ein Vokalkonzert von ausserordentlicher stimmlicher Intensität und bedankte sich bei den Ausführenden mit minutenlangen Ovationen.

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