Foto und Gemälde

Die Weihnachts- und Neujahrsfeierlichkeiten sind vorüber, der üppig gedeckte Tisch macht wieder einfacheren Gerichten Platz. Weihnachten hat sich als emotionales Fest tief in unsere Seelen eingegraben. Alljährlich werden Rituale wiederholt: Balsam für unser Sein.

Erich Fässler
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Bild: Erich Fässler

Bild: Erich Fässler

Die Weihnachts- und Neujahrsfeierlichkeiten sind vorüber, der üppig gedeckte Tisch macht wieder einfacheren Gerichten Platz. Weihnachten hat sich als emotionales Fest tief in unsere Seelen eingegraben. Alljährlich werden Rituale wiederholt: Balsam für unser Sein.

Lockerer, jugendlicher und unbeschwerter wird der Jahreswechsel begangen. Zeit für Neues, Experimente oder Unkonventionelles.

Weihnachten ist das Fest der Fotos, Altjahrabend und Neujahr das Fest der Malerei. Warum? Ganz einfach: Die Fotografie erreicht uns stets in der Vergangenheitsform. Sie zeigt, was war. Sie hält Momente fest. Glänzende Kinderaugen vor dem Lichterbaum oder das Staunen vor der in mattes Licht getauchten Krippe. Das Foto zeigt einen Augenblick, der so nie wiederkehrt und generiert mit jedem neuen Betrachten Sehnsüchte nach Dauer des eingefangenen Moments. Fotos graben sich tief in unseren inneren Bilderschatz ein. Sie werden zu einer wesentlichen Quelle wiederkehrender Rituale.

Ganz anders die Malerei! Sie zeigt uns, was ist! Als Betrachter eines Bildes bin ich gefordert, es mit meiner Gegenwart und mit meiner Sicht der Zukunft in Verbindung zu bringen. In der Malerei muss ich mich erst zurechtfinden. Das fordert mich auf eine ganz andere Weise. Das Gemälde ist ein Angebot – nichts Fertiges. Mit dem Bild muss ich erst einen Umgang finden, mir eine Geschichte erdenken, die Bildelemente in mein Weltbild und meine Perspektiven integrieren. Da spielt es keine Rolle, ob die Malerei gegenständlich oder abstrakt ist, die Aufforderung zur Aktivität bleibt dieselbe. Gemälde animieren zu einem Erzählen mit Blick auf die Zukunft. Das Foto erzählt von einem vergangenen Augenblick und verleitet zur Verklärung.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein frohes und gesundes 2015, ein Jahr in dem Selfies einen schweren Stand haben, die Malerei ein Revival erlebt und Kunstfotografie die Schnappschüsse ersetzt und selber zum Gemälde wird...