Forellen machen keinen Winterschlaf

Die Tage werden kühler und der erste Schnee ist sogar schon gefallen. Die Wassertemperatur in der Thur beträgt zurzeit etwa acht Grad Celsius, Tendenz sinkend. Wie halten es die Bachforellen da aus? Betten sie sich weich ins Flussbett und machen sie einen Winterschlaf?

Drucken
Teilen

Die Tage werden kühler und der erste Schnee ist sogar schon gefallen. Die Wassertemperatur in der Thur beträgt zurzeit etwa acht Grad Celsius, Tendenz sinkend. Wie halten es die Bachforellen da aus? Betten sie sich weich ins Flussbett und machen sie einen Winterschlaf?

«Nein», lacht der kantonale Fischereiaufseher Christoph Birrer. «Anders als Säugetiere oder wir Menschen passt die Bachforelle ihre Körpertemperatur dem Wasser an». Je kälter es wird, desto weniger Nahrung nimmt sie zu sich und desto haushälterischer geht sie mit ihrer Energie um.

Der Fisch steht meistens ruhig im Wasser, den Kopf gegen die Strömung gerichtet, und bewegt sich kaum sichtbar.

Wo ich bin, bleibe ich

Nach Möglichkeit ziehen sich die Bachforellen in ein tiefes Wasserloch zurück. Weil sie aber keine Schwarmfische seien, seien die besten Plätze bald einmal von den stärkeren Tieren belegt und die kleineren müssen sich anderweitig umsehen, sagt Christoph Birrer.

Beliebt bei den jüngeren Fischen sind Stellen hinter Steinen. Den Platz, den der Fisch im Spätherbst einnimmt, verlässt er ohne Störung bis im Frühling kaum. Dass der Fluss im Winter weniger Wasser führt, stört die Forelle wenig. «Kälteres Wasser enthält mehr Sauerstoff. Darum fühlen sich die Fische auch bei tiefem Wasserstand nicht unwohl», erklärt Christoph Birrer. Und weil das Wasser in einem Fliessgewässer nie gänzlich durch gefriert, haben die Bachforellen keine Probleme.

Bitte nicht stören!

Anders sieht es bei stehenden Gewässern aus. «Wobei die Seeforellen im Bodensee auch gut überwintern können», präzisiert der kantonale Fischereiaufseher Fredi Fehr. Auch dann, wenn die Seeoberfläche von einer Eisschicht bedeckt ist. Heikler wird es bei kleinen Weihern, denn es braucht einen Gasaustausch, damit Sauerstoff für die Fische unter die Eisschicht gelangen kann und Faulgase entweichen können.

«Das ist beispielsweise dort gegeben, wo Schilf oder Totholz aus dem Eis ragt», erklärt Christoph Birrer.

Ähnlich wie Wildtiere, die im Winter ihre Ruhe brauchen, sind auch Fische sehr empfindlich auf Störungen. Eine solche kann Schlittschuhlaufen auf einem gefrorenen Weiher sein. «Die Fische beginnen sich zu sehr zu bewegen, was sich fatal auswirken kann», sagt Fredi Fehr. Der Energiebedarf steigt, doch im Winter findet der Fisch weniger Nahrung als im Sommer. (sas)