Fonds stärkt Appenzeller Identität

Der Heimatschutz Appenzell Ausserrhoden verwaltet seit kurzem den privat eingerichteten Fonds «Appenzeller Haus». Alle zwei Jahre sollen mit 20 000 Franken Renovationen und Neubauten unterstützt werden. Ziel ist der Erhalt der Appenzeller Eigenart in Baustil, Form und Gestaltung.

Guido Berlinger-Bolt
Drucken
Teilen

SPEICHER. Die endgültige Höhe des Fonds ist noch nicht bekannt; und der Name des Ausserrhoder Bürgers, der ihn kürzlich einrichtete, soll nicht genannt werden. Fest steht aber, dass der Appenzell Ausserrhoder Heimatschutz seit kurzem einen Fonds verwaltet und damit die typische Appenzeller Bauart unterstützen wird. Die Rede ist von 20 000 Franken, die ab dem nächsten Jahr im Zweijahresrhythmus an ein Umbau- oder ein Neubauprojekt gesprochen werden sollen.

Keine Flachdächer

Heinz Naef, Obmann des Ausserrhoder Heimatschutzes, präzisiert im Gespräch die Kriterien für einen Beitrag aus dem Fonds «Appenzeller Haus»: «Die Auszeichnung kann auf mehrere Objekte aufgeteilt werden oder einer Siedlung zugesprochen werden. Ausgezeichnete Bauten sollen vorzugsweise im Siedlungsgebiet, also in der Bauzone, stehen. Vor allem aber sollen Bauten typische Eigenarten des Appenzellerhauses aufweisen und sie sollen im Erscheinungsbild klar als solches wahrgenommen werden.» Aber nicht nur spezielle Bauten, sondern auch Personen, die sich in der Diskussion um das Appenzeller Haus hervortun, könnten dereinst vom Fonds profitieren, so Naef.

Der Obmann des Ausserrhoder Heimatschutzes hat sich in den letzten Wochen in einem Schreiben an die Gemeindebehörden gewandt, die kommunalen Baubewilligungsorgane sollen dem Heimatschutz preisverdächtige Objekte und Vorhaben melden. Mit dem jetzigen Gang an die Öffentlichkeit will Heinz Naef auch private ermutigen, sich beim Heimatschutz um den Preis zu bewerben. Die Anmeldefrist für die erstmalige Vergabe dauert bis zum 28. Februar 2013 (siehe Kasten).

Wie Appenzeller Häuser konkret aussehen, wird seit längerem von Fachkreisen und mitunter auch unter Bauherrinnen und Bauherren diskutiert. Oftmals kontrovers. Kann etwa ein Haus mit einem Flachdach ein Appenzeller Haus sein? Ja sagen die einen. Der Ausserrhoder Bürger, der sich zur Schaffung des Fonds entschieden hat, jedoch sagt Nein. Zusammen mit der Regelung und den Kriterien des Fonds hat er dem Vorstand des Ausserrhoder Heimatschutzes zwei Bilderbogen überreicht, auf denen aus seiner Sicht gute und schlechte Beispiele exemplarisch gezeigt sind. «Diese Kriterien des Fondsstifters haben wir akzeptiert», sagt Heinz Naef. Nun ziehe sich dieser zurück und überlasse die Prämierung dem kleinen Vorstand des Heimatschutzes. Dem gehören im übrigen auch zwei Architekten an, Kantonsbaumeister Otto Hugentobler und Ueli Sonderegger. Die fachliche Qualifikation dieses Gremiums sei damit gesichert, so Heinz Naef. Dem kleinen Vorstand gehören danebst Ueli Rohner, Peter Schläpfer, Moritz Flury-Rova, Irene Hochreutener und Ernst Suhner an. Bei Bedarf, so Heinz Naef, werde man für die Prämierung eine zusätzliche Fachperson aus der Ortsbildschutzgruppe beiziehen.

Geschärftes Auge für Missstand

Eindrücklich klingt der erste Artikel der Vereinbarung über die Gründung und Führung des Fonds «Appenzeller Haus»: «Der Fonds bezweckt die Förderung von Bauten im Kanton Appenzell Ausserrhoden, welche die appenzellische Eigenart in Stil, Form und Gestaltung darstellen. Sie soll der Tendenz zu uniformen Bauten, welche sich nicht mehr von denjenigen in anderen Landesteilen unterscheiden, entgegenwirken. Die Originalität des Appenzeller Hauses soll in der Öffentlichkeit bewusst gemacht werden.» Und weiter: «Die Verbundenheit und Identität zum Wohnort und zum Appenzellerland gewinnt dadurch an Bedeutung.»

Der Fondsstifter muss ein geschärftes Auge für einen Missstand im Appenzellerland besitzen: Tatsächlich gleichen unsere Dörfer, vor allem die Ränder unserer Dörfer, je länger, je mehr anderen Schweizer Dörfern. Seit Anfang der 1990er-Jahre pflegte das Gruppe AR-chitektur die Diskussion ums Bauen im Appenzellerland; eine einprägsame Aktion lancierte sie mit dem «Roten Nagel» 2009. Der Fonds «Appenzeller Haus» kann in dieser Tradition gelesen werden: Als Beitrag zu einer öffentlichen Diskussion über die Appenzeller Häuser und Dörfer. Heinz Naef spricht denn auch von einem «neuen Versuch», den Diskurs vorwärtszubringen.

Appenzeller Identität stärken

Dazu fasst er immer wieder auch die Vernetzung mit anderen Akteuren auf diesem Feld ins Auge, etwa mit dem Forum Appenzellerhaus. Dort finden regelmässig Fachleute aus dem Bauwesen, aus kommunalen und kantonalen Verwaltungsstellen und aus Interessenverbände zusammen. Heinz Naef ist überzeugt: «An vielen Orten ist etwas in Bewegung.» Die Diskussion findet statt. Und das ist auch nötig. Naef: «Ausserrhoden rühmt sich immer seiner schönen Landschaft und seiner Dorfbilder. Aber wenn wir nichts für sie unternehmen würden, wären sie bald nur noch Fiktion.» Und er warnt: «Die Bauqualität unserer Dörfer ist ein Teil unserer Identität.» Der Fonds «Appenzeller Haus» soll helfen, diese Identität zu stärken. Ab 2013.

Aktuelle Nachrichten