Folk statt Blut in den Adern

Hardpolka mit Banjo, Mandoline und Akkordeon macht Lust auf mehr: Die deutschen The Shanes verwandelten das Kraftwerk Krummenau mit Gute-Laune-Sound in ein Tanzlokal.

Olivia Hug
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krummenau. «Don't be afraid, it's a polka party tonight», lautet der Partyslogan an diesem Abend im Kraftwerk – keine Angst, es ist eine Polka-Party. Hardpolka, genau genommen. Zumindest nennen The Shanes ihren Musikstil so. Im Grunde spielt es keine Rolle, bei welchem Namen man das Kind nennt, Hauptsache, das Kind kann tanzen. Und so verwandelte die deutsche Gute-Laune-Formation den Kraftwerk Club vergangenen Samstag zum Tanzlokal.

Ein Hai in Krummenau

Nicht weniger Mühen scheute das Kraftwerk-Team, das den Club in eine karibische Kneipe umgestaltete. Fischernetze, Schatztruhen, Rettungsringe, ja sogar ein Hai soll gesichtet worden sein. Statt einer Bande Rum trinkender Piraten stürmten jedoch sechs talentierte Musiker die Bühne und garantierten während zweier Stunden Abwechslung und Tanzbarkeit. Bei einem instrumentalen Angebot von Mandoline, Banjo, Akkordeon oder Violine war dies kein Kunststück. Nicht zu vergessen der singende Zwei-Meter-Mann, dem statt Blut Folk in den Adern fliesst.

Aufgelöst – wieder vereint

Ein Abend, der entfernt an die guten alten Zeiten erinnerte, da man noch unbeschwert Coton Eye Joe von Rednex hörte. Oder an einen, der einem in eine irische Kneipe versetzte, wo der Barkeeper gerade das kühle dunkle Bier serviert.

Dabei gaben The Shanes noch vor knapp zwei Jahren die Auflösung der Band bekannt. Nach zwanzig Jahren Musik, acht Alben und etlichen Auswechslungen der Bandmitglieder, ist von den ursprünglichen 1991 gegründeten Shanes nur noch Sänger Kornelius Flowers geblieben. Mit der letztjährigen Abschiedstour durch Deutschland kamen dann wohl doch wieder Konzertgelüste auf. Und so folgte im Dezember 2010 bereits die Reunion der Vollblutmusiker. Das Kraftwerk Krummenau war erst die zweite Station nach dem erneuten Zusammenschluss.

Auf grössere Bühnen und Festivals wolle man sich konzentrieren, erklärte die Band auf ihrer Homepage, schöne und exklusive Konzerte geben. Grund für die «Kraftwerkler», sich geehrt zu fühlen. «Wir haben bei vielen Künstlern einen guten Eindruck hinterlassen», erklärte Clubpräsident Edgar Sterzing, «und so wussten The Shanes durch andere Musiker, worauf sie sich bei einem Konzert im Kraftwerk einlassen.» Zwar könne man nicht immer mit einem gewaltigen Publikum punkten, dafür in Sachen Management, Betreuung und Catering. Die Verpflichtung der Band war eine Win-Win-Situation für Musiker und Gäste.