Förderung möglichst früh beginnen

Kleine Kinder, die sich nicht altersgerecht entwickeln, erhalten durch die Heilpädagogische Früherziehung Unterstützung. Elf Jahre lang war dies der Beruf und die Berufung der Wattwiler Lehrerin und Heilpädagogin Veronika Zemp. Nun geht sie in Pension.

Sabine Schmid
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Mit dem Nilpferd Nili begrüsst Veronika Zemp den kleinen Kilian.

Mit dem Nilpferd Nili begrüsst Veronika Zemp den kleinen Kilian.

Wattwil. So wie es auf einer Wiese verschiedene Blumen gibt, gibt es verschiedene Kinder und ihre Familien. Diesen Vergleich macht Veronika Zemp, die seit elf Jahren im Toggenburg in der Heilpädagogischen Früherziehung arbeitet. Für die Mutter von vier Töchtern und zwei Pflegetöchtern, ausgebildete Lehrerin und Heilpädagogin, war dies eine Berufung. «Ich habe viel Erfüllung und Befriedigung gehabt», zieht sie Bilanz. Sie wird von den Kindern und ihren Eltern Abschied nehmen, denn sie wird Ende Juli pensioniert. Marlies Rohner wird die Heilpädagogische Früherziehung im Toggenburg übernehmen, gemeinsam mit Christine Kündig, die vor allem in den unteren Gemeinden des Toggenburgs tätig ist. Die Übergabe geschehe fliessend, erklärt Veronika Zemp. Sie wird «ihre» Kinder gemeinsam mit ihrer Nachfolgerin besuchen und sich dann nach und nach zurückziehen.

Förderung vor Einschulung

Die Heilpädagogische Früherziehung kümmert sich um die Förderung von Kindern mit einer beeinträchtigten Lernfähigkeit, mit Sinnesschädigungen oder Bewegungsstörungen und um Kinder, die sich nicht altersgerecht entwickeln. «Diese Kinder fallen auf, wenn sie eine Spielgruppe besuchen», erklärt Veronika Zemp. Sie würden nicht gleich sprechen wie die gleichaltrigen Kinder, spielen nicht, nehmen keinen Kontakt auf mit den anderen Kindern und seien in einem Teil ihrer Leistungen beeinträchtigt, beschreibt die Heilpädagogin die Merkmale. Es komme aber vor, dass sich Eltern über den Kinderarzt schon früher beim Heilpädagogischen Dienst melden. Dieser klärt die Kinder ab und entscheidet, ob eine Heilpädagogische Früherziehung angebracht ist. «Wir zeigen den Eltern auf, wo das Kind in seiner Entwicklung steht und können miteinander weitere Schritte machen», sagt sie. Die Therapiestunden gestaltet Veronika Zemp abwechslungsreich und individuell der Entwicklung des Kindes entsprechend. Dabei ist sie nahe beim Kind und dessen Mutter und in deren Umfeld eingebettet. Nach Möglichkeit bezieht sie die Eltern und die Geschwister ein. Die Zusammenarbeit mit anderen Fachpersonen ist ebenfalls sehr wichtig. «Das Ziel soll sein, dass das Kind durch die heilpädagogische Früherziehung möglichst selbständig wird und weitere Entwicklungsschritte macht», erklärt Veronika Zemp. Kosten für die Eltern entstehen weder bei der Abklärung noch bei den Therapiestunden, diese werden vom Kanton getragen.

Früh Entwicklung fördern

Einige von ihnen bereitet die Heilpädagogin auf den Übertritt vom Kindergarten in die Schule vor. Viele davon können eine Regelklasse besuchen. Die meisten von ihnen werden in der Schule weiter durch eine schulische Heilpädagogin und/oder Logopädie weiter unterstützt, sagt Veronika Zemp. Kinder mit einer Mehrfachbehinderung werden in einer Sonderschule wie der Heilpädagogische Schule eingeschult. Gerade bei Kindern mit Migrationshintergrund sei es oftmals schwierig festzustellen, ob fehlende Sprachkenntnisse oder eine langsamere Entwicklung die Ursache von Schwierigkeiten seien. Kinder von fremdsprachigen Eltern würden daher oftmals erst im Kindergarten abgeklärt und an eine Heilpädagogin verwiesen. Bei Kindern ab vier Jahren übernimmt der Schulpsychologische Dienst die Abklärung .

«Nicht der einfachste Weg»

Für Veronika Zemp ist wichtig, dass Kinder möglichst früh die Chance bekommen, dank der Heilpädagogischen Früherziehung die nötigen Entwicklungsschritte zu machen. «Diese Kinder haben vielleicht nicht den einfachsten, aber einen besonderen Weg gemacht. Und das macht sie zu besonderen Menschen», ist die Heilpädagogin überzeugt.

Kilian mag es sehr, wenn Veronika Zemp ihn eincremt.

Kilian mag es sehr, wenn Veronika Zemp ihn eincremt.

Mit verschiedenen Kugeln lehrt Veronika Zemp Kilian die Farben.

Mit verschiedenen Kugeln lehrt Veronika Zemp Kilian die Farben.