Flüssigfleisch und kastriertes Brot

Nachdem ich mich in der letzten Kolumne bereits den seltsamen Essgewohnheiten im Bobsport gewidmet habe, geht die kulinarische Seifenoper hiermit in die zweite Staffel.

Alex Baumann
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Bild: Alex Baumann

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Nachdem ich mich in der letzten Kolumne bereits den seltsamen Essgewohnheiten im Bobsport gewidmet habe, geht die kulinarische Seifenoper hiermit in die zweite Staffel. Ein Footballer, der sich neu als Anschieber versuchte, vertrat die interessante These, dass seine Muskeln alle sechs Stunden mit einem Steak gefüttert werden müssen. Da er aber in der Nacht keine Musse zum Grillieren fand, pürierte er zur Freude seines Zimmerkollegen um 3 Uhr nachts kurzerhand das Fleisch im Mixer zu einem trinkfertigen Caipirindia. Betty Bossy hätte an diesem Rezept wohl mässig Freude, aber allenfalls die Leute in Sachsen-Anhalt. Als wir uns dort nach einem Ort für ein gutes Stück Fleisch erkundigten, erklärte uns der Befragte ausführlich den Weg zu einer «richtig leckeren Kebab-Bude». An gleicher Stelle entnahm der Grillmeister die Bratwurst wie selbstverständlich der Fritteuse, um auf dem Grill die Pommes Frites warm zu halten. Als wir ihm zum Trost einen Schnaps anboten, winkte er ab mit den Worten «nee, ich bin trocken», um dann etwas später nachzuschieben «seit zwei Wochen». Lebensschicksale im Harz. Wenn wir uns auf Weltcup-Tour in Nordamerika befinden, vermissen wir als erstes immer ein Brot mit herrlich knuspriger Rinde. Um eben diese herrlich knusprige Rinde beschneiden die Amerikaner dann aber das arme Brot bei ihren Besuchen in Europa, um nur das pampige Innere zu essen. Die Kastration von Brot sollte unter Strafe stehen. Ebenso das Trinken von grausigen Säften aus Spinat und anderen Grünpflanzen, mit denen diese Nordamerikaner bereits beim Frühstück aufkreuzen. Es würde mich nicht erstaunen, wenn bei der Autopsie der Bobfahrer aus Übersee plötzlich Pansen zum Vorschein kämen. Dies würde auch erklären, warum die USA solche Mühe bei der Einhaltung des Kyoto-Protokolls haben.