Flüchtlingskrise
Wer bezahlt mir das Bahnbillett? – Geflüchtete erhalten im Zeughaus Teufen alle wichtigen Infos zur Integration

Sich im Appenzellerland zurechtzufinden, ist für all die ukrainischen Geflüchteten eine grosse Herausforderung. Um ihnen den Start zu erleichtern, lud das Amt für Soziales zu einem Abend, an welchem die Schutzbedürftigen alle Informationen erhielten, die sie benötigen.

Astrid Zysset
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An den verschiedenen Ständen konnten sich die ukrainischen Geflüchteten über die Gepflogenheiten in der Schweiz informieren.

An den verschiedenen Ständen konnten sich die ukrainischen Geflüchteten über die Gepflogenheiten in der Schweiz informieren.

Bild: Astrid Zysset

Ein roter Punkt auf dem Namenstäfelchen signalisierte, wer Deutsch spricht. Grün und blau standen für Russisch respektive Ukrainisch. Beim Gang am Mittwochabend durch das Zeughaus Teufen wurde denn auch schnell klar: Der Grossteil der Anwesenden spricht kein Deutsch. Übersetzerinnen und Übersetzer waren im Dauereinsatz.

Das Amt für Soziales, Abteilung Chancengleichheit, lud zum Informationsanlass. Zu diesem waren vor allem ukrainische Geflüchtete, Gastfamilien und Vertreter verschiedener Amtsstellen geladen. Das Ziel war es, den Schutzbedürftigen die notwendigen Angaben für den Alltag in ihrer neuen Heimat zu vermitteln. Wie funktioniert das Schulsystem? Wer übernimmt die Kosten für die Bahnbillette zu den Deutschkursen? Und wer darf eigenständig eine Wohnung mieten?

Deutschkurse an drei Standorten

Im März kamen die ersten ukrainischen Geflüchteten in die Schweiz. Erst jetzt aber organisierte das Amt für Soziales einen solchen Informationsanlass. Gemäss Isabelle Dubois, Leiterin der Abteilung Chancengleichheit, war dies dem Umstand geschuldet, dass vieles lange unklar war. So konnte Yvonne Varan, Leiterin Beratungsstelle für Flüchtlinge in Herisau, nun erst verkünden, dass sich die Deutschkurse auf drei Standorte konzentrieren: Im Hinterland werden sie in Herisau abgehalten, im Mittelland in Trogen und das Vorderland besucht den Unterricht an der Handels- und Dolmetscherschule in St.Gallen. Varan: «Ich ermutige Sie, sich von Siri und Google Translate zu lösen. Denn die deutsche Sprache ist der Schlüssel zum Kontakt, zur Integration.»

Gerhard Fiedler, Abteilungsleiter Asylwesen Soziale Dienste Appenzeller Mittelland, gab einen Einblick in seinen Arbeitsalltag. Und wollte gleich eine der Fragen klären, welche ihm seitens der Geflüchteten am meisten gestellt werde: Warum bekomme ich keine eigene Wohnung? Fiedler stellte klar, dass dies einerseits aus Kostengründen nicht gehe. Andererseits lasse das der Wohnungsmarkt in Appenzell Ausserrhoden nicht zu. Auf den 1. Juli haben die Sozialen Dienste Appenzeller Mittelland eine Liegenschaft in Speicher gemietet, welche eine Unterbringung für bis zu 40 Geflüchtete sicherstellt.

Grussbotschaft der Regierung

Die Podiumsdiskussion: Moderatorin Irina Wedlich, Alona Stoliarchuk kam mit ihrer Familie in die Schweiz, Natalia Reva flüchtete zusammen mit einer Freundin, Christian Goor, Vertreter der Gastfamilien, und Lesya Hryhorchuk, Übersetzerin.

Die Podiumsdiskussion: Moderatorin Irina Wedlich, Alona Stoliarchuk kam mit ihrer Familie in die Schweiz, Natalia Reva flüchtete zusammen mit einer Freundin, Christian Goor, Vertreter der Gastfamilien, und Lesya Hryhorchuk, Übersetzerin.

Bild: Astrid Zysset

Das RAV Herisau, das Amt für Wirtschaft, ein Fachspezialist für Regelpädagogik wie auch ein Asylkoordinator, welcher Auskunft zum Sozialhilfesystem gab, waren ebenfalls vor Ort. Und: Regierungsrat Yves Noël Balmer, Vorsteher Departement Gesundheit und Soziales. Er überbrachte den Geflüchteten einen Willkommensgruss der gesamten Regierung, stellte zugleich aber auch klar, dass in der Schweiz Regeln vorherrschen, die es nicht erlauben, allen Wünschen nachzukommen. Den Anlass im Zeughaus Teufen erachtete Balmer als ideal, damit die Geflüchteten die notwendigen Informationen erhalten, um ihnen die Integration zu erleichtern.

Eine Diskussionsrunde mit zwei Geflüchteten und einem Vertreter der Gastfamilien rundete das Programm ab. Anschliessend stellten die verschiedenen Organisationen und Amtsstellen kleine Marktstände auf, um auf individuelle Fragen einzugehen. Wie bei einem richtigen Markt, lockten denn auch Verpflegungsmöglichkeiten zum regen Austausch – auf Ukrainisch, Russisch oder eben auch das erste Mal ein bisschen auf Deutsch.