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Da sie sich alleine fühlte: Gret Zellweger malte in Polen viele Bilder

Die Teufenerin Gret Zellweger verbrachte im Rahmen eines Artist-in-Residence-Stipendiums vier Monate in Zakopane. Die in Polen entstandenen Arbeiten zeigt die Künstlerin nun in einer Ausstellung im Brauchtumsmuseum Urnäsch.
Astrid Zysset
Künstlerin Gret Zellweger mit einem der Bilder, das in Polen entstand. Bild: Astrid Zysset

Künstlerin Gret Zellweger mit einem der Bilder, das in Polen entstand. Bild: Astrid Zysset

Das war knapp. Ende September durfte die Künstlerin Gret Zellweger im Rahmen einer Projektwoche zusammen mit einer Klasse der A. Kenar Art School aus Zakopane an den Morskie Oko See (im deutschsprachigen Raum auch als Meerauge bekannt) reisen, um Bilder zu malen. Da sie aber bei der Arbeitsplatzsuche das Seil mit den Fähnchen dran nicht als Absperrung verstand, stellte die Teufenerin ihre Staffelei irrtümlicherweise auf dem Helikopterlandeplatz auf. Dieser wurde am dritten Abend prompt für einen Krankentransport genutzt.«Ich konnte aber alles noch rechtzeitig räumen», erinnert sich die Künstlerin lächelnd. «Es ist glimpflich ausgegangen.»

Im Rahmen eines Artist-in-Residence-Stipendiums der Ausserrhoder Kulturstiftung verbrachte Zellweger vergangenen Juli bis Oktober in Zakopane, Polen. Dieser Ort liegt am Fusse der hohen Tatra, ist ein Zentrum handwerklicher Kunst und beherbergt eine Aussenstelle der Jan Matejko Academy von Krakau, der ältesten Kunstuniversität des Landes.

Werke reichen für eine eigene Ausstellung

Die Anfangszeit in Polen sei nicht ganz einfach gewesen, erinnert sich Zellweger. Angekommen Anfang Juli in ihrem Atelier und der kleinen Wohnung in der Jan Matejko Academy realisierte sie, dass alle Studierenden bereits die Sommerpause angetreten hatten. «Ich dachte, hier würden sicher einige Sommerkurse stattfinden. Aber da hatte ich mich getäuscht», so die Teufenerin. Sie war alleine auf dem Universitätsareal, in den Gängen und Räumen des Gebäudes. Auf ihre Ansprechperson vor Ort konnte sie nicht zurückgreifen. «Die hat mich weitgehend meinem Schicksal überlassen», meint Zellweger. Also begann sie auf eigene Faust die Stadt Zakopane zu erkunden, fand Restaurants und ein Verkaufsgeschäft, wo sie ihren kleinen Haushalt optimieren konnte.

Am zweiten Tag richtete sich Zellweger ihr Atelier ein. Dieses sei schön und gross gewesen. Und sogleich begann sie zu arbeiten, stellte als Erstes einen Holzschnitt über ihre zweitägige Autofahrt nach Polen her. Auf diesem ist zu sehen, wie es vor Innsbruck zu regnen begann oder auch wie sie sich zwischen Wien und Bratislava verfahren hatte. Insgesamt rund ein Dutzend Holzschnitte und über 20 Bilder, Zeichnungen wie auch drei grosse Bronzegussarbeiten – eine Idee eines Professors der A. Kenar Art School – sind während ihres vier Monate dauernden Aufenthalts in Polen entstanden. «Wenn ich anfangs bessere Kontakte gehabt hätte und schöneres Wetter gewesen wäre, könnte ich nun wohl nicht so viele Arbeiten vorweisen», sagt Zellweger lachend. «Jetzt reicht es gleich für eine ganze Ausstellung.»

Wollte nicht in eine Grossstadt

Insgesamt hat sie die Zeit in Zakopane in guter Erinnerung behalten. Bei schönem Wetter ging Zellweger in die Berge, malte die durch die vielen Regenfälle über die Ufer getretenen Bäche und Flüsse. Beeindruckt zeigte sich die 73-Jährige von der regionalen Handwerkskunst und der Landschaft. Diese sei wunderschön und erinnerte sie ein wenig an das heimische Appenzellerland. «Ich bin kein Stadtmensch», sagt Zellweger. Darum wäre für sie ein Aufenthalt in den grossen Kunstmetropolen wie Rom oder Paris nicht in Frage gekommen. Die Idee, nach Polen zu gehen, hatte der Leiter des Museums Appenzell, Roland Inauen. Ihn hatte Zellweger angerufen, als sie die Artist-in-Residence-Bewerbung ausfüllte. Und schnell war die Teufenerin Feuer und Flamme. «Ich wollte die Tatra-Berge sehen, die Kultur kennen lernen. Und in puncto Gegenwartskunst läuft dort auch einiges.» Nach dem positiven Entscheid der Ausserrhoder Kulturstiftung kaufte Zellweger umgehend Bücher und bereitete sich so auf das Land vor. Und tatsächlich: «Der Entscheid war richtig. In Polen hat es mir sehr gefallen.» Die Einsamkeit und die Verständigungsprobleme bekam sie schnell in den Griff. Die Schwägerin des Schweizer Künstlers Roman Signer lebt in Polen. Für Gret Zellweger wurde Danuta zur wichtigsten Bezugsperson. Jene war es auch, die den Kontakt zur A. Kenar Art School herstellte. Einige Male konnte Zellweger dort das Appenzellerland vorstellen und gar eine eigene Ausstellung durchführen, die einen lobenden Artikel in der Tagespresse zur Folge hatte. Diese Schule war es auch, welche Zellweger einlud, zum Morskie Oko See 1400 Meter über dem Meer zu fahren, und mit den Schülern eine Woche in einer Hütte des polnischen Alpenclubs zu verbringen und Bilder zu malen.

Alle Werke, die in Polen entstanden, werden nun im Rahmen einer Ausstellung gezeigt. Darunter auch Bilder über den Alpstein – allerdings anders dargestellt. «In der Schweiz hätte ich das nicht gemacht. Aber in einem fremden Land wird man experimentierfreudig.»

Hinweis

Die Arbeiten Gret Zellwegers werden im Rahmen einer Sonderausstellung vom 29. Juni bis zum 29. September im Brauchtumsmuseum Urnäsch gezeigt. Die öffentliche Vernissage findet am Freitag um 18.30 Uhr statt.

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