FLEISCHWAREN: Spezialitäten kommen unter Schutz

Um Fleischspezialitäten in ihrer Qualität zu bewahren, werden Produkte vom Bund geschützt. Drei Appenzeller Spezialitäten gehören neu dazu. Eine Vorsorge für die nächsten Generationen sei dies.

Bruno Eisenhut
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Bruno Eisenhut

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@appenzellerzeitung.ch

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat gestern die Gesuche um Registrierung der geschützten geografischen Angabe (GGA/IGP) für Appenzeller Mostbröckli, Appenzeller Pantli und Appenzeller Siedwurst im Schweizerischen Handelsamtsblatt veröffentlicht. Mit der Registrierung als GGA sollen künftig Nachahmungen vermieden und sowohl der gute Ruf als auch die ausgezeichnete Qualität gesichert werden.

Bis diese drei Artikel nun unter Schutz gestellt wurden, sei ein langer Weg zu begehen gewesen, sagt Metzgermeister Franz Fässler aus Appenzell. Als Mitglied der Arbeitsgruppe die den Schutz initiiert hat, erklärt er, dass im Jahr 2003 ein erstes Gesuch gestellt wurde. Mehrmals wurde dies abgelehnt und auch bei den jüngsten Diskussionen hätten mehrere Einsprecher ihre Bedenken angemeldet. Bei den Einsprachen ging es fast immer um die Deklarationsfrage. «Aus welcher Region darf das Rohmaterial stammen?», «Wie darf sich das Produkt zusammensetzen?» oder «Wer darf dieses Produkt künftig noch verkaufen?», waren Fragen die geklärt werden mussten.

Vorsorge für die nächste Generation

Bei aller Erleichterung, dass diese drei Produkte unter Schutz stehen, erklärt Franz Fässler aber auch, dass die Mitbewerber im In- und Ausland noch nicht in die Produktion dieser Appenzeller Spezialitäten eingestiegen seien. Fässler verweist aber auf den Emmentaler Käse, der inzwischen nur noch zu geringen Anteilen im Emmental produziert werde. «Wir wollten verhindern, dass topografisch ähnliche Gegenden im nahen Ausland plötzlich unsere Produkte produzieren», so Fässler. So gesehen sei es eine Vorsorge für die kommenden Metzgergenerationen.

Die geschichtliche Entwicklung dieser drei Appenzeller Spezialitäten reicht weit in das 19. Jahrhundert zurück. Die drei Produkte zeichnen sich durch eine lange Tradition aus und verdanken ihre Namen dem Appenzellerland, der nachweislich ursprünglichen Heimat dieser Spezialitäten. Da im 19. Jahrhundert in dieser Region die Schweinezucht eine untergeordnete Rolle spielte, wurden die besten Rind-fleischstücke veredelt, um eine ähnlich gute Qualität wie «gräuchts Schwinigs» zu er­reichen und dadurch den Preis dem teureren Schweinefleisch anzugleichen. Die Metzger veredelten somit die guten Stücke der Rinder und Kühe zu Ap­penzeller Mostbröckli und kreierten aus den Abschnitten eine Roh- und eine Brühwurst: den Appenzeller Pantli und die Appenzeller Siedwurst. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das traditionelle Herstellungsverfahren weiter gepflegt und perfektioniert. Ihren Ruf verdanken sie einerseits ihren besonderen qualitativen Eigenschaften, andererseits aber auch ihrem Namen, welcher die Produkte eindeutig mit einer bestimmten Schweizer Region verbindet – dem Appenzellerland.

Ein kleine Unsicherheit bleibt noch

Um diese traditionellen Produkte vor Nachahmungen zu schützen, veröffentlicht das BLW heute die Gesuche um Eintragung als geschützte geografische Angaben im Schweizerischen Handelsamtsblatt. Kantone und Personen, die ein schutzwürdiges Interesse nachweisen, können innerhalb einer Frist von drei Monaten gegen die Eintragung Einsprache erheben.