Fleischskandale streng verboten

An der Generalversammlung der Nutz- und Schlachtviehgenossenschaft (NSG) stand das Thema Fleischkonsum im Mittelpunkt. Dabei wurde ganz klar betont, dass Konsumenten auf Qualität setzten und sich die Branche keinen Skandal leisten darf.

Adi Lippuner
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Eugen Schläpfer, Präsident der Schlacht- und Nutzviehgenossenschaft (links), und Geschäftsführer Ernst Rutz. (Bild: Adi Lippuner)

Eugen Schläpfer, Präsident der Schlacht- und Nutzviehgenossenschaft (links), und Geschäftsführer Ernst Rutz. (Bild: Adi Lippuner)

WATTWIL. Das Restaurant der Markthalle Toggenburg war am Donnerstagabend bis auf den letzten Platz besetzt. Der Grossaufmarsch zur 66. GV der NSG zeigte einmal mehr das Interesse, welches der Fleischbranche entgegengebracht wird. Die Genossenschaft mit ihren 350 Mitgliedern aus dem Kanton St. Gallen und beider Appenzell steht im Dienste der Schlachtviehvermarktung. Wie Präsident Eugen Schläpfer, Wolfhalden, in seinem Jahresbericht ausführte, hat sich die Strategie zur Erhaltung der öffentlichen Schlachtviehmärkte bewährt.

14 Millionen Franken pro Jahr

Dazu ein paar Zahlen: 1997, als der Bund die Viehannahmen mit Beiträgen förderte, konnten im NSG-Gebiet 10 861 Stück Grossvieh, das sind Kühe, Rinder und Stiere, an den öffentlichen Märkten abgesetzt werden. Zwei Jahre später, nach der Streichung der Bundesbeiträge sank die Zahl auf 5138 Stück und 2001 wurde mit nur noch 2972 Tieren an den öffentlichen Märkten der Tiefpunkt erreicht. «Dann hat die NSG ihre Anstrengungen verstärkt, Partner gesucht und erreicht, dass letztes Jahr wieder über 7000 Tiere an den Marktorten Wattwil, Sargans, Herisau und Appenzell versteigert wurden», blickte Eugen Schläpfer zurück. Die NSG erwirtschaftet einen Jahresumsatz von gegen 14 Millionen Franken und ist damit eine nicht mehr wegzudenkende Institution für Produzenten und Abnehmer. Dank straffer Organisation erhalten die Bauern, wie an der GV betont wurde, ihr Geld innerhalb von rund zehn Tagen. Ein Blick auf die Jahresrechnung zeigt, dass der Gewinn – im Vergleich zu Aufwendungen und Erträgen in zweistelliger Millionenhöhe – mit 357 Franken äusserst bescheiden ausfällt. «Wir mussten Rückstellungen von 11 000 Franken für die Mehrwertsteuer machen und sind deshalb mit dem erzielten Resultat zufrieden», so Geschäftsführer Ernst Rutz, Hemberg.

Vertrauen ist wichtig

Für Ernst Rutz ist zentral, dass die Konsumenten Vertrauen in die einheimische Fleischbranche haben. «Skandale sind streng verboten», so seine klare Botschaft an die Produzenten und Verarbeiter. «Anfang 2013 hat ein Teil der Schweizer Konsumenten – ausgelöst durch den <Pferdefleischskandal> – das Vertrauen ins Importfleisch verloren. Seither steht ein kleiner gewordener Tierbestand einer immer grösseren Nachfrage gegenüber und deshalb sind Schweizer Verarbeitungstiere gesucht.» Durch die Abnahme des Schweizer Milchkuhbestandes im letzten Jahr gebe es allerdings immer weniger Tiere auf dem Markt.

Für die Konsumenten bedeutet dies: Einheimisches Rindfleisch ist begehrt und hat seinen Preis. Die Produzenten setzen sich aber für eine hohe Qualität ein und dürfen im Gegenzug auf eine faire Entschädigung zählen. Oder anders ausgedrückt: Der inländische Bedarf von Rindfleisch kann nicht zu 100 Prozent aus eigenen Produktionen gedeckt werden. Importe sind also nötig, doch immer mehr Konsumenten schauen genau hin. Und damit eröffnen sich, wie in Wattwil betont wurde, neue Chancen für die Schlachtviehproduzenten. «Wer Fleisch, vor allem Rindfleisch produziert, steht aktuell, im Vergleich zu den Milchbauern gut da», so Eugen Schläpfer. Er ist überzeugt, dass bäuerliche Betriebe, unabhängig von ihrer Grösse, Zukunft haben. «Die Konsumenten wollen Fleisch essen und eine immer grösser werdende Zahl setzt dabei auf einheimische Qualität.»