Fleisch kommt aus dem Supermarkt

Eigentlich wollte er Oberstufenlehrer werden, nun lernt er Metzger: Der 20jährige Andreas Matzenauer hat sich für einen Beruf entschieden, der bei Jugendlichen nicht mehr «in» ist. Er hingegen ist stolz auf seinen Beruf – und ärgert sich über Menschen, die keinen Bezug zur Natur haben.

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Andreas Matzenauer hat Berufsstolz: «Wenn wir Cervelats produzieren, machen wir etwas richtig Gutes.» (Bild: pd)

Andreas Matzenauer hat Berufsstolz: «Wenn wir Cervelats produzieren, machen wir etwas richtig Gutes.» (Bild: pd)

BAZENHEID. Kaum etwas bringt Andreas Matzenauer mehr in Rage als die Vorstellung, dass immer mehr Menschen denken, Milch und Fleisch kämen aus dem Supermarkt. «Viele haben scheinbar jeden Bezug zur Herkunft von Lebensmitteln verloren», bedauert der angehende Fleischfachmann. Essen ist für den Sohn eines Schweizer Vaters und einer spanischen Mutter etwas ganz Besonderes. Etwas, das es verdient, zelebriert, geschätzt und respektiert zu werden.

Metzger statt Lehrer

Eigentlich wollte Andreas Matzenauer Oberstufenlehrer werden. Dieses Ziel vor Augen, besuchte der Sirnacher zwei Jahre die Informatikmittelschule. Dabei wurde ihm klar, dass Oberstufenlehrer doch nicht sein Traumberuf ist. Zupacken wollte er, etwas bewegen, körperlich arbeiten. Nach einigen Schnupperlehren entschied er sich neu: «Ich werde Metzger.»

Etwas ganz Besonderes

«Während der Schnupperzeit ist mir klar geworden, dass ich gerne etwas mit Lebensmitteln machen wollte. Fleisch war für mich schon immer etwas ganz Besonderes, Edles, und Metzger – oder Fleischfachmann, wie man heute sagt – schien mir eine Tätigkeit, bei der man auch körperlich etwas leisten kann», sagt der 20-Jährige heute. Für seine Lehre wählte Matzenauer die Fachrichtung Fleischverarbeitung. Weitere Möglichkeiten wären die Richtungen Fleischgewinnung (Schlachtung) und Fleischveredelung (Charcuterie, Platten und Verkauf) gewesen. Fleischverarbeitung ist für ihn die interessanteste Richtung.

Obwohl das Schlachten von Tieren nicht Teil der Richtung Fleischverarbeitung ist, lernte er in der Metzgerei Koller in Sirnach, wo er das erste Jahr seiner dreijährigen Lehre absolvierte, auch diesen Teil des Berufs kennen. Die meisten Betriebe haben das Schlachten längst ausgelagert. Wie denkt er über das Schlachten? «Fleisch gehörte schon immer zu unserer Ernährung, deshalb werden seit jeher Tiere geschlachtet», sagt er. «So, wie wir das heute machen, ist das für mich absolut okay. Ich hatte mir das schlimmer vorgestellt.» Er betont: «Entscheidend ist für mich, einen direkten Bezug zu und Respekt vor den Tieren zu haben. Bei der Haltung wie bei der Schlachtung.»

Stolz auf den Beruf

Besonders beeindruckt ist er vom Metzgerstolz, den er am Arbeitsplatz kennengelernt hat. Metzger, oder eben Fleischfachleute, seien zupackende Charaktere, die ihren Job immer bestmöglich machten und bezüglich Qualität und Innovation laufend eins draufsetzten. «Wenn ich einen Cervelat frisch aus dem Rauch kommend geniesse, treibt mir das ein Lachen ins Gesicht», sagt er stolz. «Wenn ich das Endprodukt unserer Arbeit verspeise, weiss ich, dass wir nicht einfach Cervelat, sondern etwas richtig Gutes gemacht haben.»

Mangel an Wertschätzung

Andreas Matzenauer sieht die Wertschätzung von Fleisch durch die «Geiz ist geil»-Mentalität gefährdet. «Mit Fleisch ist es wie mit allem: Das Übel liegt in der Übertreibung», sagt er. Wenn man Lebensmittel, nur weil sie günstig seien, ohne jegliches Interesse für deren Qualität in sich hineinschaufle, gehe die Wertschätzung völlig verloren. «Was auf dem Teller ist, soll für die Konsumierenden edel und besonders sein», sagt er. Aus seiner Sicht sollten Fleisch und Fleischprodukte wieder zu dem werden, was sie einmal waren: «Etwas Spezielles, das man bewusst, mit Respekt und Freude bei besonderen Gelegenheiten geniesst.»

Zukunftspläne geschmiedet

Zurzeit absolviert Andreas Matzenauer das zweite Lehrjahr bei der Micarna SA in Bazenheid. Der 20-Jährige hat schon eine recht konkrete Vorstellung seiner beruflichen Zukunft: Im Anschluss an die Lehre will er die Berufsmittelschule absolvieren. Parallel dazu fasst er eine Zusatzlehre als Koch ins Auge. Er kann sich gut vorstellen, später einen Gastronomiebetrieb der neuen Art als Joint Venture mit Produzenten aus anderen Lebensmittelbereichen wie etwa einem Bäcker, Pastamacher und weiteren zu eröffnen. Zum Konzept gehört, dass die Herstellung von Fleischprodukten und anderen Lebensmitteln in einem «Foodtheater» für die Gäste transparent gemacht wird. (pd/red.)