Flaue Migros-Kasse, genial-böse Stimmparodien

UNTERWASSER. «Ähm, ähm» lautet die richtige Antwort – nicht etwa «Sozialdemokrat». Gefragt war am letzten Freitag das Lieblingswort von Ex-Bundesrat Moritz Leuenberger. Das war ein Saisonstart nach Mass.

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Auch mit Papageien-Rock schafft es Fabian Unteregger nicht, die Mister-Schweiz-Wahl zu gewinnen. (Bilder: Hansruedi Kugler)

Auch mit Papageien-Rock schafft es Fabian Unteregger nicht, die Mister-Schweiz-Wahl zu gewinnen. (Bilder: Hansruedi Kugler)

UNTERWASSER. «Ähm, ähm» lautet die richtige Antwort – nicht etwa «Sozialdemokrat». Gefragt war am letzten Freitag das Lieblingswort von Ex-Bundesrat Moritz Leuenberger. Das war ein Saisonstart nach Mass. Martin Sailer hat seinen Zeltainer am letzten Freitagabend mit Fabian Unteregger, einem Shooting-Star der Schweizer Comedy-Szene, restlos gefüllt. 31 Vorstellungen wird Martin Sailer dieses Jahr im Zeltainer auf die Bühne holen – diejenige am Montag, 26. September, ist schon ausverkauft: dann ist Emil Steinberger zu Gast im Zeltainer. Es ist bereits die achte Saison des Kleintheaters in Unterwasser, und die Unterstützung kommt unterdessen von allen Seiten: private und öffentliche Sponsorengelder fliessen, das Dorf hilft, wo es kann, das Publikum hält Martin Sailer die Treue und füllt vor allem bei bekannteren Namen im Nu das Theaterzelt.

Dünner Handlungsfaden

Saisonstart also mit Fabian Unteregger als Moderator, Stimmenimitator, Musiker, Comedian. Vor der Pause plätschert das Programm am etwas gar naheliegenden, abgegriffenen und leider auch harmlos aufgesponnenen roten Faden der Migros-Kasse. Fabian Unteregger blödelt sich als Regal-Auffüller und Migros-Kassier von Kalauer zu Kalauer. Eigentlich habe er ja Pilot werden wollen, erzählt er. Der Job an der Migros-Kasse komme dem recht nahe, die Kasse wird zum Cockpit: «Plastiksäcke – ist gecheckt; Nanos sind genug an Lager; ready for take off.» Für die Frauen-Anmache sei der Migros-Kassen-Job zudem prima: «Die meisten Lebensmittel kommen in Begleitung einer Frau. Und die stehen auf Uniformen.» Fabian Unteregger zieht seit zwei Jahren mit seinem Programm «Showbiss» durchs Land, mit anhaltendem Erfolg. Er vergleiche die Dramaturgie des Programms gerne ein wenig mit einem Pornofilm, sagte er im Interview mit Art-TV: «Der Faden der Handlung ist dünn. Aber die einzelnen Nummern haben es in sich.» Da muss man ihm recht geben: Als Senegalese Jean-Baptiste singt er «Oh sans-papiers», nach der Melodie von «Champs-Elysées», veralbert die SP-Nationalrätin Chantale Galladé mit einem Sprechfehler: Weil diese statt s immer f sagt, tönt ihre Partei halt vulgär «Fozialdemokratie».

Geniale Stimmparodien

Nach der Pause kehrt Unteregger zu seinem eigentlichen Metier zurück – zur sarkastischen Stimm-Maskerade. Die Christoph-Mörgeli-Imitation ist schlicht genial: sprachlich und mimisch präzis und mit sarkastischer Schärfe.

Mörgelis hämische Polit-Kommentare werden von Unteregger noch getoppt: «Bundesrat Couchepain – coucher und pain, das ist sein Profil, denn das Verschlafen von wichtigen Dossiers war schon immer sein tägliches Brot.» Als eitles Sensibelchen mit säuerlicher Miene verheddert sich Moritz Leuenberger am Telefon, als er sein Cablecom-Abo kündigen will: Eine Nummer, die wie César Keisers legendäre Telefon-Nummer, ein Klassiker werden könnte.

Bester Peach-Weber-Ersatz

Unteregger parodiert in rascher Folge den depressiven Witzbold Peach Weber, den naiven Optimisten Othmar Hitzfeld, den dumpfen Nachdenker Christian Gross und natürlich Moritz Leuenberger, eine seiner Paraderollen – hier sitzen die Pointen einiges tiefer unter der Haut.

Den Peach Weber mit dessen Minimalkomik könnte Unteregger glatt einen Abend lang ersetzen: Zur Mister-Schweiz-Wahl fällt diesem gleich ein Kalauer ein: «Für d'Nummer eis isch vor em Start die Wahl bereits vorbi, das sieht er spätestens bim Blick in den Spiegel selber i.» Dann wird Ex-Bundesrat Moritz Leuenberger zu jenem blasierten, eitlen Selbstdarsteller, zu dem ihn die nationale Presse längst abgestempelt hat – Unteregger lässt Leuenberger aber in der allgemein menschlichen Suppe köcheln – politisch wird die Parodie leider nicht.

Die Abwechslung macht's

Trotzdem ist der Unteregger-Abend abwechslungsreich und wenigstens nach der Pause auch wirklich lustig. Neben den bösen, treffenden Parodien albert Fabian Unteregger mit Allerwelts-Figuren herum: So mimt er Pirmin, den Mister-Schweiz-Kandidaten aus dem Wallis, der ausser Mondo-Punkte sammeln und «Wollisser Ditsch» zu reden nicht viel kann, haut einen Papageien-Rock à la AC/DC in die Elektrogitarre und parodiert das Promi-Getue der nationalen Medien.

Da wird Ex-Mister Schweiz Renzo zum reichlich dumpfen Blumentopf degradiert, als «Deutschland sucht den Superstar»-Juror Bruce Darnell kreischt er «Ah, ik kriege die Migräne, wenn ik dik so auf dem Laufsteg sehe.» Am Ende gibt Unteregger jedem Besucher zum Abschied die Hand. Gefallen hat's offenbar ziemlich allen.

Hansruedi Kugler