Fläche nutzen in Einklang mit Natur

WILDHAUS-ALT ST.JOHANN. 2004 lancierten Bauern in den damaligen Gemeinden Wildhaus und Alt St. Johann ein Vernetzungsprojekt. Sie bewirtschaften ihre landwirtschaftliche Nutzfläche ökologischer, um so zusätzlichen Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten zu schaffen. Erste Erfolge sind schon sichtbar.

Sabine Schmid
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Das Gebiet rund um die Schwendiseen bietet einen Lebensraum für zahlreiche Tiere. Im Rahmen des Vernetzungsprojektes wird dieser durch spezielle Massnahmen erhalten. (Bild: Sabine Schmid)

Das Gebiet rund um die Schwendiseen bietet einen Lebensraum für zahlreiche Tiere. Im Rahmen des Vernetzungsprojektes wird dieser durch spezielle Massnahmen erhalten. (Bild: Sabine Schmid)

Mit dem Vernetzungsprojekt wollten Landwirte aus Starkenbach bestehende Ökoflächen miteinander vernetzen und neue Ökoflächen schaffen. Sie beauftragten im Jahr 2004 Markus Wortmann vom Ingenieurbüro Scherrer in Nesslau damit, eine Bestandsliste zu erstellen. «Im Projektgebiet gibt es Flächen, die unter einer Schutzverordnung stehen. Daneben gibt es Ausgleichsflächen und solche, die in einem nationalen Inventar aufgeführt sind», erklärt Markus Wortmann.

Alt St. Johann und Wildhaus

Schnell haben er und die Landwirte gemerkt, dass ein solches Vernetzungsprojekt nicht auf das Gebiet Starkenbach beschränkt werden kann. «Viele von uns haben auch Ökoflächen in Wildhaus, die wir ins Vernetzungsprojekt aufnehmen wollten», erklärt Ernst Abderhalden, einer der treibenden Landwirte. Daher wurde eine Vernetzungsgruppe gegründet, in welcher nebst Landwirten auch Vertreter der Gemeinde sowie von kantonalen Stellen einsitzen.

In einem zweiten Schritt definierte die Vernetzungsgruppe die Situation, wie sie sechs Jahre nach dem Start sein sollte. «Wir legten fest, welche Tiere und Pflanzen wir als Leitarten und welche wir als Zielarten fördern wollen», führt Markus Wortmann aus. Mit diesen Grundlagen galt es dann, die Bauern zum Mitmachen zu motivieren. Mit einem Vertrag wurde geregelt, welche Massnahmen die Bewirtschafter auf ihren angemeldeten Flächen zu treffen haben, um den Lebensraum der Leit- und Zielarten (siehe Texte unten) zu bewahren.

Für die Einhaltung dieser Verträge gibt es für die Bewirtschafter zusätzliche Beiträge.

Ausgleichsfläche vergrössert

Nach den ersten sechs Jahren wurde überprüft, ob das Projekt gefruchtet hat. Mindestens 80 Prozent der vorgeschriebenen Massnahmen müssen umgesetzt sein, zudem braucht es einen bestimmten Anteil an Ökofläche in der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche. Der Bericht sei zwar noch in Bearbeitung, sagt Markus Wortmann. Dennoch kann er sagen, dass die Vorgaben erfüllt werden.

«In der heutigen Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann sind rund 1400 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche von rund 100 Betrieben vernetzt», führt der Ökologe aus. Konkret heisst dies, dass die einzelnen Biotope maximal 200 Meter voneinander entfernt sind. Über diese Distanz sei ein Austausch möglich, sagt Markus Wortmann weiter.

Es werden am Rande intensiver Nutzungen neue Vernetzungsflächen vorgeschlagen, damit für die Tier- und Pflanzenarten über so genannte Korridore der genetische Austausch noch möglich ist. Gerade entlang der Waldränder wird versucht, die Vernetzung zu optimieren. «Diese Übergangslebensräume sind nämlich sehr wichtig für die Artenvielfalt», attestiert Markus Wortmann.

Lukrativ für Bewirtschafter

Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass die Bewirtschafter durchaus bereit sind, beim Vernetzungsprojekt mitzumachen. Auf den meisten angemeldeten Flächen können sie den Ist-Zustand bewahren und zusätzliches Nutzland extensiv bewirtschaften. Ernst Abderhalden kann dies verstehen. Er gibt zu, dass auf der einen Seite der Aufwand für die Landwirte grösser ist. Auf der anderen Seite gibt es aber höhere Beiträge.

Ernst Abderhalden meint sogar, dass es für Bewirtschafter lukrativ sei, beim Vernetzungsprojekt mitzumachen.

«Die Basis für den Erfolg in Wildhaus-Alt St. Johann ist gelegt», sind sich Markus Wortmann und Ernst Abderhalden einig. Trotzdem muss das Engagement weitergehen und das Projekt langfristig gewährleistet werden. Zum Schutz und zur Förderung der Biodiversität.