Flach ist auch schön

Der Mensch wird älter, sein Atem knapper – aber der Alpstein wird nicht flacher. Worauf will ich hinaus? Als passionierter Wanderer habe ich lange Zeit kaum je darauf geachtet, wie das Profil einer Route aussieht.

Martin Hüsler
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Bild: Martin Hüsler

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Der Mensch wird älter, sein Atem knapper – aber der Alpstein wird nicht flacher. Worauf will ich hinaus? Als passionierter Wanderer habe ich lange Zeit kaum je darauf geachtet, wie das Profil einer Route aussieht. Vor Anstiegen mit dem damit verbundenen Mehraufwand an Muskelkraft schreckte ich nie zurück, und in die Gelenke fahrende Abstiege nahm ich als gegeben hin. Deshalb führten Wanderungen oft auch in den Alpstein, wo man um ein stetes Auf und Ab ja schwerlich herumkommt. Man wird mich ganz gewiss auch weiterhin dort antreffen können. Mittlerweile aber sind mir Wege in Gegenden, in die der Begriff «stotzig» nicht hineinpasst, mindestens ebenso sympathisch geworden wie Bergpfade. Immer häufiger nehme ich beispielsweise die Thurgauer Wanderkarte zur Hand und suche mir Strecken aus, die ein mehr oder weniger geruhsames Ausschreiten erwarten lassen. Auf ihnen habe ich die dem Alter geschuldete, aber doch angenehme Erfahrung gemacht, dass flach auch schön sein kann. Und auf Berge muss ich gleichwohl nicht verzichten. Ottenberg, Immenberg, Hummelberg, Iselisberg – sie alle weisen zwar keine Brüeltobel-Dimensionen auf, vermitteln aber gleichwohl jenes gute Gefühl, das sich einstellt, wenn die Höhenmeter überwunden sind. So stimme ich denn – Appenzellerland Tourismus möge mir das verzeihen – ein Loblied auf den Thurgau und seine ebenfalls vorzüglich markierten Wanderwege an. Besonders angetan hat es mir das Seebachtal mit dem Hüttwiler-, dem Nussbaumer- und dem Hasensee. Es geht ins zürcherische Weinland über, das zu erwandern sich genauso lohnt. Wenn ich meine Entdeckungen noch weiter westwärts ausdehne, wird am Horizont bald einmal auch der Munot auftauchen. Und was vielleicht das Schönste ist: Von fast überall her hat man bei guter Sicht den Alpstein im Blickfeld.

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