Fit für die Arbeitswelt

HERISAU. 2016 feiert der Verein Mensch-Natur in Herisau sein 20jähriges Bestehen. Die Institution versucht mit Coaching, Einsatzprogrammen und Weiterbildungen Stellensuchende zu vermitteln. In der Hälfte der Fälle gelingt dies.

Jesko Calderara
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In der Holzwerkstatt stellen die Teilnehmer Wildbienen-Nisthilfen und andere Produkte her. (Bild: cal)

In der Holzwerkstatt stellen die Teilnehmer Wildbienen-Nisthilfen und andere Produkte her. (Bild: cal)

Der 1996 gegründete Verein Mensch-Natur in Herisau bietet Stellensuchenden verschiedene Massnahmen zur Integration in den Arbeitsmarkt an. 35 Personen aus den RAV-Gebieten St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden können an den Einsatzprogrammen teilnehmen. Zudem sind acht Plätze für Teilnehmer reserviert, welche durch die Invalidenversicherung zugewiesen werden. «Zu uns kommen Menschen, für deren Eingliederung in die Arbeitswelt ein höherer Aufwand notwendig ist», sagt Petra Schwab, Geschäftsführerin des Vereins Mensch-Natur. Viele von ihnen seien aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nicht in der Lage, einer Vollzeittätigkeit nachzugehen. Sie würden oftmals unter psychischen oder physischen Problemen leiden, sagt Schwab. «Aus diesen Gründen ist eine Umschulung notwendig.»

Gefragte Handwerker

Ein Einsatz in einem Programm des Vereins Mensch-Natur dauert höchstens vier Monate, wird aber gelegentlich verlängert. Ungefähr 50 Prozent der Teilnehmenden finden während dieser Zeit eine Anstellung. Dabei gibt es je nach Situation auf dem Arbeitsmarkt Unterschiede. Laut Petra Schwab sind zurzeit kaufmännische Stellen rar gesät, während Personen mit einer handwerklichen Ausbildung die grössten Chancen haben.

Den Hauptgrund für die Erfolgsquote sieht sie im Jobcoaching. Dabei gehe es darum, als erstes eine Standortbestimmung vorzunehmen. «Wir unterstützen die Kandidaten bei der Suche nach Lösungen für allfällige Probleme und arbeiten gemeinsam ihre Stärken heraus.»

Netzwerk mit Unternehmen

Ein weiterer, bei der Vermittlung hilfreicher Faktor ist das enge Netzwerk mit regionalen Unternehmen. Die Arbeitgeber würden die offene und transparente Kommunikation schätzen, sagt Schwab. «Wir sagen ihnen ehrlich, was ein Kandidat kann und wo seine Defizite liegen.» Die Qualifikationen der Betreffenden fördern sollen auch die angebotenen Persönlichkeits- und Kommunikationskurse sowie andere Weiterbildungen. Zudem erhalten die Stellensuchenden Hilfe beim Bewerbungsprozess. Ungefähr die Hälfte von ihnen steht nach der Teilnahme an einem Einsatzprogramm noch ohne Stelle da. Einige davon würden erst später fündig werden, sagt Schwab. «Bei anderen Personen wiederum sind weitere Massnahmen zur Arbeitsvermittlung notwendig.»

Kein Konkurrent des Gewerbes

Der Verein Mensch-Natur verfügt über interne Arbeitsplätze in den Bereichen Landschaftspflege, Nähatelier, Administration und Schreinerei. Dabei werden Produkte wie Nisthilfen oder Taschen hergestellt, welche im eigenen Laden zu kaufen sind. Danebst führt die Institution Kundenaufträge für Drittfirmen aus. Deren Akquisition stellt für die Verantwortlichen allerdings eine Herausforderung dar. Denn die Leistungsvereinbarung mit dem Amt für Arbeit und Wirtschaft des Kantons St. Gallen verbietet die Konkurrenzierung des einheimischen Gewerbes. «Die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft ist uns ein Anliegen», betont Schwab. Dies sei aber eine Gratwanderung. Zwar senkten lukrative Aufträge die Kosten für den Staat, sagt die Geschäftsführerin des Vereins Mensch-Natur. Es dürfe jedoch nicht sein, dass deswegen bei Firmen Mitarbeiter entlassen würden.

Petra Schwab Geschäftsführerin Verein Mensch-Natur (Bild: apz)

Petra Schwab Geschäftsführerin Verein Mensch-Natur (Bild: apz)

Petra Schwab Geschäftsführerin Verein Mensch-Natur (Bild: apz)

Petra Schwab Geschäftsführerin Verein Mensch-Natur (Bild: apz)