Fischereiverein unter neuer Führung

Walter Fischbacher ist als Präsident des Fischereivereins Neckertal zurückgetreten. Zu seinem Nachfolger haben die Mitglieder Reto Brüllmann gewählt. Der Necker gehört zu den Äschengebieten von nationaler Bedeutung, was das Thema der Fisch fressenden Vögel aufs Tapet brachte.

Matthias Giger
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Hemberg-Bächli. Walter Fischbacher hat am Samstag im Restaurant Rössli, Bächli speditiv durch die Traktanden geführt. Die 95. Versammlung war zugleich seine letzte als Präsident des Fischereivereins Neckertal. Der Hemberger Gemeindepräsident betonte, dass er das Amt vor drei Jahren bewusst auf Zeit übernommen habe – unter der Bedingung, dass aktiv an einer Nachfolgelösung gearbeitet wird. «Mir war es wichtig, dass die Kontinuität im Verein gewahrt bleibt und das Vereinsschiff nicht führungslos wird. Ich werde ihm als Mitglied sicher weiterhin die Treue halten», sagte er. Fischbacher sagte, dass er sich seine Sporen im Vorstand bereits abverdient habe. Von 1986 bis 2000 sei er Kassier gewesen. Die 39 stimmberechtigten Mitglieder wählten einstimmig Reto Brüllmann zum neuen Präsidenten. Er wollte zunächst ein Jahr im Vorstand mitarbeiten, um sich ein Bild zu machen. Seine Ziele seien, die Frauenquote um 100 Prozent zu erhöhen (derzeit zählt der Verein ein weibliches Mitglied) und sich für die Jungfischerei stark zu machen. Den Schwerpunkt sehe er aber im Hauptzweck des Fischereivereins, der Hege und Pflege der Fischerei. Zudem gelte es, sich Gedanken zum 100-Jahr-Jubiläum des Vereins zu machen. Reto Brüllmann betonte überdies, dass der Vorstand auf kritische Fragen der Mitglieder angewiesen sei. «Damit helft ihr uns, den Verein weiterzuentwickeln.»

Fondsgelder zweckgebunden?

Ein Mitglied fragte, ob es in Ordnung sei, dass man für die Sanierung der Fischerhütte Aachsäge und des Aussenbereichs Geld aus dem Fisch-Schadenfonds genommen hat. Er frage sich, ob das Geld denn nicht zweckgebunden sei. Walter Fischbacher meinte, dass für den Fonds kein Reglement bestehe. Zudem habe man das Geld nicht aus dem Fenster geworfen, sondern für eine gute Sache verwendet. Es sei klüger, den Fonds aufzulösen und das Geld dem Eigenkapital zuzuteilen, meinte Walter Fischbacher.

Der Votant, der bereits nach der Verwendung der Fondsgelder für die Sanierung fragte, wollte wissen, wie es um die Zukunft des Fäh-Weihers steht. Er frage sich nämlich, ob man das Geld nicht besser zur Rettung dieses Weihers verwendet hätte. Der Fäh-Weiher dient dem Fischereiverein Neckertal zur Hälterung von Muttertieren. «Die Zukunft des Fäh-Weihers sehe ich nicht gerade rosig», sagte Walter Fischbacher. Er meinte, dass sich mit dem Fischereiverein Thur eine mögliche Zusammenarbeit anbiete. Der Fischereiverein Thur erstellt beim Kraftwerk Mühlau in Bazenheid eine Hälterungsanlage. Der Votant gab sich mit dieser Antwort zufrieden und betonte, er begrüsse es, die Fonds aufzulösen und dem Eigenkapital zuzurechnen.

Der scheidende Vereinspräsident Walter Fischbacher dankte den vier Vereinsmitglieder Ueli von Aarburg, Beat Nef, Valentin Raschle und Jack Ehrbar mit je drei Flaschen Wein. Sie haben in Frondienst rund 240 Stunden an der Sanierung der Fischerhütte Aachsäge gearbeitet.

Fisch fressende Vögel

Michael Kugler, Bereichsleiter Bewirtschaftung beim kantonalen Amt für Natur, Jagd und Fischerei, informierte die Mitglieder, dass der Necker gemeinsam mit der Thur eines der drei Äschengebiete von nationaler Bedeutung im Kanton St. Gallen ist. Die Äschen sind die Sorgenkinder, da diese Fischart vom Aussterben bedroht sei. Hier hakte Beat Nef ein, der im Fischereiverein Neckertal für die Bewirtschaftung zuständig ist. «Ich habe den Verdacht, dass die Graureiher und Gänsesäger wesentlich für den Rückgang der Äschen verantwortlich sind», sagte er. Michael Kugler relativierte. Die Fisch fressenden Vögel seien sicher mit ein Grund. Doch auch Gewässerverschmutzungen und Wasserkraftwerke hätten stark zum Rückgang der Äsche beigetragen. Dies wollte Beat Nef nur bedingt gelten lassen. Er zitierte eine Studie aus Bayern. Diese zeigte, dass der Äschenbestand auf einer Strecke mit Vergrämungsmassnahmen fünf Mal höher war, als auf der Strecke, auf welcher keine Vergrämungsmassnahmen stattgefunden haben. Michael Kugler sagte, dass ihnen die Hände gebunden seien. Für Gänsesäger und Graureiher bestehe auf Bundesebene noch kein Konzept. Zwar könne man für einzelne problematische Graureiher oder Gänsesäger eine Abschussbewilligung beantragen. Dagegen könne aber jeder Einsprache erheben. Christoph Birrer vom kantonalen Amt für Natur, Jagd und Fischerei wies auf den Widerspruch dieser Handhabe hin: «Auf der einen Seite gehören die Thur und der Necker zu den drei Äschengebieten von nationaler Bedeutung im Kanton. Das beisst sich mit dem Vogelschutz.» Er motivierte die Vereinsmitglieder sich für die Äsche stark zu machen.

Der Fischereiverein Neckertal zählt diese Saison 70 statt 71 Mitglieder. Ein Kandidat blieb der HV unentschuldigt fern und wurde daher nicht aufgenommen.