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Wie sauber sind die Ausserrhoder Fliessgewässer? Die Fische kennen die Antwort

Wie sauber ein Bach ist, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass sich viele Fische darin tummeln. Eine Untersuchung zeigt Unerwartetes.
Karin Erni
Im Hundwilertobel wird der Fischbestand wissenschaftlich untersucht. (Bild: ker)

Im Hundwilertobel wird der Fischbestand wissenschaftlich untersucht. (Bild: ker)

Um den Zustand der Schweizer Fliessgewässer zu beurteilen, wird schweizweit ein modular aufgebautes Untersuchungskonzept angewendet. Ein Indikator ist der Fischbestand. Um diesen zu überprüfen, werden nach den Vorgaben des Bafu, bestimmte Bachabschnitte in regelmässigen Abständen abgefischt und untersucht. Der Monat September ist dafür ideal, weil im allgemeinen Niederwassersituationen vorherrschen, keine Laichzeit ist und die diesjährigen Jungfische schon gut entwickelt sind. Letztmals wurde diese Erhebung im Kanton Appenzell Ausserrhoden im Jahr 2013 gemacht. In diesen Tagen ist es wieder so weit.

Untersucht wird in der Urnäsch, in der Glatt, im Rotbach und im Klusbach. Mit der Ausführung betraut ist Biologe Alexandre Gouskov vom Ökobüro Fornat AG in Zürich. Er wird unterstützt durch Mitarbeiter des kantonalen Amts für Umwelt. Appenzell Innerrhoden ist von dieser fischbiologischen Erhebung ausgenommen, da der Kanton seit 1997 über ein eigenes Fischmonitoring verfügt.

Für die Wissenschaft darf mit Strom gefischt werden

Um eine solche Untersuchung effizient und fischschonend durchzuführen, sind einige Personen notwendig. Die Gruppe begibt sich am Freitag ins Hundwilertobel, wo oberhalb und unterhalb des SAK-Wehres Proben genommen werden. Mit dabei ist der Urnäscher Christoph Mehr. Er ist beim Kanton St.Gallen als Fischereiaufseher angestellt. «Wir helfen uns bei diesen Arbeiten gegenseitig. Das macht Sinn, denn die Bäche fliessen ja durch beide Kantone», so Mehr. Er erweist sich als sehr geübt im Umgang mit dem Elektrofanggerät, das den mit einem Generator erzeugten Strom ins Wasser leitet. Die im Stromkreis befindlichen Fische bewegen sich zur Anode hin, wo sie mit dem Netz leicht eingesammelt werden können. Auf einer Länge von circa 200 Metern wird so der Fischbestand abgefischt. Damit quantitative Aussagen gemacht werden können, wird der Vorgang zweimal durchgeführt.

Für den Laien ist es kaum zu glauben, wie viele zuvor nicht sichtbare Bachforellen im Abschnitt tatsächlich vorhanden sind. Auch zahlreiche Groppen kommen zum Vorschein. «Der nachtaktive Fisch stellt grosse Ansprüche an die Wasserqualität, benötigt eine hohe Sauerstoffkonzentration, niedrige Wassertemperaturen und findet sich vorwiegend auf steinigem Grund. Im Gegensatz zur Bachforelle ist sie ein schlechter Schwimmer. Sie verfügt über keine Schwimmblase und kann sich daher nur ruckartig auf dem Bachgrund fortbewegen», sagt der Ausserrhoder Fischereiaufseher Mario Rova.

Mehr Fische als erwartet gefangen

In einem wassergefüllten Kübel werden die gefangenen Fische zur Vermessungsstelle transportiert. Alexandre Gouskov betäubt die Tiere wenn nötig mit Nelkenöl, das ins Wasser gegeben wird. «So halten sie still, damit sie exakt vermessen werden können», so der Biologe. Die Länge jedes Fischs wird von einem Kollegen in eine Liste eingetragen. Sobald das geschehen ist, kommen die Tiere zur Erholung schnellstmöglich in einen Behälter, durch den frisches Bachwasser fliesst. Am Schluss der Abfischaktion werden alle Tiere wieder freigelassen.

Besonders zahlreich sind die etwa fingerlangen, knapp halbjährigen Bachforellen. «Der Sömmerlingsbestand ist sehr gut, obwohl in diesem Gebiet dieses Jahr keine Jungfische ausgesetzt wurden», freut sich Christoph Mehr. Das deute auf eine gute natürliche Reproduktion der vorhandenen Fische hin. «Das ist besonders erstaunlich, weil wir in der Laich- und Entwicklungszeit mehrere Hochwasser zu verzeichnen hatten.» Auch sein Ausserrhoder Kollege Mario Rova ist positiv überrascht vom guten Resultat. «Dass wir in der Restwasserstrecke unterhalb des Wehrs einen solchen Fischbestand finden würden, hätte ich nicht erwartet.»

Nicht in allen untersuchten Bächen sehen die Fangzahlen gleich positiv aus. Die genauen Ergebnisse der aktuellen Untersuchungen werden voraussichtlich Ende Jahr in Form eines Berichtes veröffentlicht.

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