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Fisch sucht Wasser

Neulich habe ich Post von einem meiner inoffiziellen ostwestfälischen Informanten bekommen.
Lars Syring
Bild: Lars Syring

Bild: Lars Syring

Neulich habe ich Post von einem meiner inoffiziellen ostwestfälischen Informanten bekommen. Dem Bericht mit den neuesten Neuigkeiten hatte er ein Transkript einer alten Klosterhandschrift beigelegt, die auf geheimnisvollen Wegen in seine Hände gelangt war, und die ich, nachdem ich sie mit grossen Mühen entziffert hatte, dem geneigten Lesenden nicht vorenthalten will.

Auf vergilbten Blättern stand folgende Parabel zu lesen: Die Fische, die in einem Schwarm zusammenlebten, diskutierten heftig, weil einer gehört hatte, dass die Menschen, die draussen am Ufer nach ihnen angelten, behauptet hätten, dass das ganze Leben der Fische vom Wasser abhänge. «Wasser! Dass ich nicht lache», sagte der schlaueste der Fische. «Genau. Ich hab noch nie Wasser gesehen», sagte ein anderer. «Richtig. Da könnte ja einer kommen und behaupten, wir brauchten Luft zum Atmen. So ein Quatsch.» «Lasst uns doch mal gucken», sagte der Dümmste von allen. «Vielleicht gibt es einen Fisch, der mehr weiss als wir.» «Ja, nun, du schon wieder», sagte der Schlaueste. Nach einigem Hin und Her machten sich einige Fische auf den Weg. Sie hatten nämlich von einem älteren Fisch gehört, der draussen bei der grossen Röhre lebte, und der gerüchteweise noch schlauer sein könnte als der schlaueste Fisch in ihrem Schwarm. Der Schlaueste selbst wollte nämlich nicht mit. Wozu auch? Er wusste ja schon alles. Die Fische kamen bald zu dem Fisch in den besten Jahren und legten ihm ihre Frage vor. «Nun», sagte er da. «Wie soll ich euch das Wasser zeigen? Also: Ihr bewegt euch darin, ihr könnt es aber nicht sehen. Ihr lebt im Wasser und wisst es nicht. Alles, was euch umgibt, ist Wasser. Das Wasser hält euch, und das Wasser trägt euch. Es nährt euch auch. Ihr habt es in euch, ihr besteht sogar daraus. Aus dem Wasser kommt ihr und zu Wasser werdet ihr wieder werden.»

Mein Informant schrieb dazu: «Wie die Fische reagiert haben, steht nicht mehr in der Fabel. Aber das ist doch sicher was für dich und deine Appenzeller und Appenzellerinnen.»

Bild: Lars Syring

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