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Fingerabdrücke von Beziehungen

Im vergangenen Jahr wurden im Vorfeld des 6. Vätertags auf dem Herisauer Obstmarkt «Vätergeschichten» gesammelt. Inzwischen hat Corinne Bromundt ausgewählte Geschichten illustriert.
«Milch holen» – eine Geschichte aus der öffentlichen Schreibstube in Herisau, illustriert von Corinne Bromundt. (Bild: mr)

«Milch holen» – eine Geschichte aus der öffentlichen Schreibstube in Herisau, illustriert von Corinne Bromundt. (Bild: mr)

Im Vorfeld des Vätertags 2012 machte ein Projekt von FamOS (Familien Ost-Schweiz) und männer.ch (Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisation) Station auf dem Herisauer Obstmarkt. Männer, Frauen und Kinder erzählten in einer öffentlichen Schreibstube von ihren Erinnerungen an ihre Väter, Grossväter oder an ihr Vatersein. Entstanden ist ein «Archiv für Vätergeschichten», in dem 117 Szenen versammelt sind, die auf bildhafte, sinnliche und überraschende Weise zeigen, wie vielfältig Väterlichkeit ist. Corinne Bromundt hat einzelne Szenen in Bilder übersetzt. Ein Gespräch mit der Illustratorin.

Frau Bromundt, Sie haben ausgiebig im Archiv der Vätergeschichten gestöbert. Was haben Sie gefunden?

Corinne Bromundt: Ein Stimmungsgemälde aus unaufgeregten, alltäglichen Situationen, die Beziehungen zwischen Kindern und ihren Vätern beschreiben – eine Art Erinnerungsspuren oder anders ausgedrückt: Fingerabdrücke von Vater-Kind-Beziehungen. Die Geschichten werfen eine Optik auf diese Beziehungen, die selten zu lesen ist. Je länger ich die Geschichten drehe und wende, eine umso grössere Faszination üben sie auf mich aus. Es ist speziell, diese «Kleinigkeiten» in einer so dichten Sammlung zu lesen.

Was verstehen Sie unter «Kleinigkeiten»?

Bromundt: Mit «Kleinigkeiten» meine ich das Gegenteil von aussergewöhnlichen Vorkommnissen. Es sind alltägliche Begebenheiten, «Selbstverständlichkeiten», die eine so grosse «Erinnerungskraft» entfalten. Dass diese Unscheinbarkeiten mancherorts Jahre der Hektik, den Stress des Erwachsenwerdens oder den Einstieg in die Berufswelt überdauert haben, versetzt mich in Staunen. Die Geschichten sind so etwas wie die praktische Beweisführung des Satzes von Charles Dickens: «Ich fühle, dass Kleinigkeiten die Summe des Lebens ausmachen.»

Können Sie Ihre Gestaltungsidee am Beispiel einer Geschichte aus Herisau erläutern?

Bromundt: Die Szene «Milch holen» habe ich mit den Darstellungen der Weltbilder von Ptolemäus und Kopernikus verknüpft. Der beschriebene Grossvater und sein geistiger Vorvater Kopernikus sind Seelenverwandte im Mut, das Unendliche zu denken und sich davon berühren zu lassen. Der Schritt vom ptolemäischen zum kopernikanischen Weltbild setzte dieselbe Faszination am Sternenhimmel voraus, wie sie dem Grossvater beim Blick zum Himmel eigen war, und die in der Erinnerung des Enkels weiterlebt.

Was haben die Geschichten in Ihnen ausgelöst?

Bromundt: Eigene Geschichten. Ich wurde in die eigene Kindheit zurückversetzt und war verblüfft, dass ich einige vertraute Szenen entdeckte, von denen ich dachte, sie wären nur in unserer Familie zu finden. So kann auch ich mich erinnern, wie wir uns an Vaters Bein klammerten und uns von ihm wie von einem Riesen durchs Haus tragen liessen, als er von der Arbeit kam. Man könnte denken, die Geschichten seien auf der Spur eines gemeinsamen Kulturgutes, einer allgemeinen «Familienkultur».

Interview: Mark Riklin,

Begründer der Vätergeschichten

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