Finanzloch trotz guter Saison

Trotz der sportlich guten Leistungen in der letzten Saison plagen den SC Herisau Schulden in der Höhe von 480 000 Franken. Sanierungsmassnahmen wurden eingeleitet. Präsident Markus Bachschmied gesteht Fehler ein.

Roman Hertler
Merken
Drucken
Teilen
Wenig Grund zum Jubeln hat der SCH in finanzieller Hinsicht. (Bild: pd)

Wenig Grund zum Jubeln hat der SCH in finanzieller Hinsicht. (Bild: pd)

HERISAU. Die Jahreshauptversammlung des SC Herisau vorgestern abend im kleinen Casino-Saal in Herisau verlief insgesamt ruhig. Nur gerade 30 Mitglieder waren anwesend. Dies mutet etwas eigenartig an, wäre doch angesichts der schwierigen Lage, in der sich der Schlittschuhclub im Moment befindet, ein regeres Interesse seitens der Mitglieder zu erwarten gewesen. Wie der Vereinspräsident Markus Bachschmied bekannt gab, hat der Verein rund 480 000 Franken Schulden und beendet das Rechnungsjahr mit einem Minus von 323 000 Franken. Wie konnte es so weit kommen?

Zu wenig Zuschauer

Bachschmied sah schon früh «dunkle Wolken am Finanzhimmel» aufziehen. Die leeren Plätze besonders bei den Heimspielen hinterliessen in der Vereinskasse ein grosses Loch. Bereits im November letzten Jahres sah sich der Vorstand aufgrund der unerwartet tiefen Zuschauereinnahmen gezwungen, mit Roman Dolana einen ersten Spieler zu verkaufen. Mit weiteren Korrekturen konnten zwar immerhin rund 100 000 Franken eingespart werden. Das Problem lag allerdings weniger auf der Ausgabenseite. «Das Defizit ist vor allem auf die schlechten Einnahmen zurückzuführen», wie Reto Suhner, Finanzchef des SCH, der Versammlung erklärte. Budgetiert waren Einnahmen von 990 000 Franken, tatsächlich erwirtschaftet hatte man 570 000 Franken. Dafür verantwortlich seien einerseits die gesunkenen Zuschauereinnahmen, so Suhner weiter. Andererseits habe man in der Vergangenheit Spendengelder, die zwar schon vor dem Stichtag gesprochen, aber noch nicht ausbezahlt wurden, in der Rechnung berücksichtigt. Ab diesem Jahr würden nur noch tatsächlich erhaltene Gelder verbucht.

Sanierungsmassnahmen

Ab der Saison 2012/2013 wird das Budget jährlich um 250 000 Franken gekürzt. Spätestens 2016 soll der Verein wieder schuldenfrei sein. Budgetiert werden neu 740 000 Franken auf der Einnahmenseite. Wenn der Spielbetrieb mindestens 160 000 Franken abwerfe, sei dies absolut realistisch, so Suhner. Die Werbeeinnahmen und die Spendengelder seien bereits gesichert. Die Sanierung in vier Jahren sei zwar ein ehrgeiziges Ziel, sagt Suhner, aber man müsse es nun «auf Biegen und Brechen» durchziehen. «Streuen wir uns Asche aufs Haupt», meint Bachschmied. «Sportliche Ziele müssen diesem Konzept unter allen Umständen untergeordnet werden.» Nebst den drastischen Sanierungsmassnahmen seien noch Zusatzaktionen geplant, die nicht budgetiert sind. So erhofft man sich, etwa durch die Einnahmen aus dem anstehenden 70-Jahr-Jubiläumsfest oder der Eisbrocken-Verkaufsaktion, die Liquidität des Vereins erhöhen zu können.

Sportlich ein gutes Jahr

Betrachtet man hingegen die sportlichen Leistungen des SC Herisau in der vergangenen Saison, ergibt sich ein Bild, das so gar nicht der aktuellen Finanzlage entspricht. «Die 1. Mannschaft hat mit dem Erreichen der Play-off-Halbfinals ihre Ziele übertroffen», sagt Präsident Markus Bachschmied, «Auch im Nachwuchs wurde sehr gut gearbeitet. Die Mitgliederzahlen konnten gehalten werden. Die Hockeyschule entwickelt sich weiter positiv.» Die 2. Mannschaft sei zwar in die 3. Liga abgestiegen, habe ihren Ausbildungszweck aber erfüllt, so Bachschmied weiter. Für die kommende Saison hat man mit Fabio Schumacher sogar einen neuen Nachwuchs-Cheftrainer engagiert. Damit soll der Nachwuchs nachhaltig gefördert und der Verein für die Zukunft gewappnet werden. Ausserdem gaben David Scarano und Markus Koller ihre Demission aus dem Vereinsvorstand bekannt. Sie werden laut Bachschmied dem Verein aber weiterhin unterstützend zur Verfügung stehen.