FINANZEN: Immer weniger Schulden

Die Toggenburger Gemeinden reduzieren ihre Schulden von Jahr zu Jahr. Wie im ganzen Kanton St. Gallen geht diese Entwicklung tendenziell einher mit tiefen Investitionsanteilen.

Ruben Schönenberger
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Im Toggenburg am meisten Schulden weist Lichtensteig auf. (Bild: Hannes Thalmann)

Im Toggenburg am meisten Schulden weist Lichtensteig auf. (Bild: Hannes Thalmann)

Ruben Schönenberger

ruben.schoenenberger

@ toggenburgmedien.ch

1327 Franken pro Einwohner – so hoch war die durchschnittliche Verschuldung einer Toggenburger Gemeinde 2015. Oder genauer: Das Mittel der Pro-Kopf-Verschuldung pro Gemeinde. Das ist gleichbedeutend mit dem tiefsten Stand seit Jahren. Noch 2007 lag dieser Wert mit 5303 Franken über der Grenze, ab der eine Gemeinde als hoch verschuldet gilt. Zum tiefen Wert 2015 tragen die Gemeinden Lütisburg und Wildhaus-Alt St. Johann am meisten bei. Sie weisen sogar ein Nettovermögen auf. Bei Lütisburg beträgt dieses 2819 Franken pro Einwohner, bei Wildhaus-Alt St. Johann 679 Franken. Beide Gemeinden liegen damit auch kantonsweit auf Spitzenplätzen.

Aber selbst die am meisten verschuldete Gemeinde – Lichtensteig mit 4403 Franken pro Einwohner – ist damit gemäss Angaben des Kantons nur mittelmässig verschuldet. Obwohl das Städtchen damit kantonsweit den vierthöchsten Betrag aufweist. Interessant ist: Würde man die Nettoschulden auf Wahlkreisebene betrachten, also die Pro-Kopf-Verschuldung des Toggenburgs ausrechnen, fiele der Betrag auf rund 1140 Franken.

Geringe Investitionstätigkeit

Die Kehrseite dieser Entwicklungen: Grosse Investitionen scheinen im Toggenburg nicht getätigt zu werden. Das Thur- und Neckertal weist gesamthaft einen Investitionsanteil an den gesamten Ausgaben von rund 11,4 Prozent aus. Dieser Wert ist in etwa gleich hoch wie der kantonale, welcher 2015 so tief war wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1995. Das Mittel der Investitionsanteile der einzelnen Gemeinden liegt jedoch bei 13,7 Prozent und ist im Vergleich deutlich gestiegen. Es handelt sich gar um den höchsten Wert seit 2006.

Betrachtet man die Toggenburger Gemeinden aber im Detail, fällt schnell auf, dass bei solchen allgemeinen Aussagen Vorsicht geboten ist. Die Hälfte der Toggenburger Gemeinden weist für das Jahr 2015 einen Investitionsanteil zwischen 19,1 und 27,2 Prozent aus. Ab 20 Prozent spricht man von einer hohen Investitionstätigkeit. Spitzenreiter in der Region ist Neckertal, das sogar kantonsweit nur von der Gemeinde Muolen übertrumpft wird. Die andere Hälfte der Toggenburger Gemeinden liegt geschlossen unter zehn Prozent, weist also eine tiefe Investitionstätigkeit aus.

Nachholbedarf in Lichtensteig

Auffallend ist: Die Gemeinden mit einer höheren Investitionstätigkeit gehören tendenziell zu den Gemeinden mit einer höheren Pro-Kopf-Verschuldung. Das kann an einer einzelnen Ursache liegen. So sagt beispielsweise der Lichtensteiger Stadtpräsident Mathias Müller: «Viele Investitionen wurden jahrelang aufgeschoben, zum Beispiel die Sanierung von Strassen.» Der Nachholbedarf führt nun sowohl zu einem hohen Investitionsanteil von 21,9 Prozent als auch zu den erwähnten, im Vergleich hohen Schulden pro Einwohner. Auch der Bevölkerungsrückgang spiele dabei natürlich mit. Müller erwähnt aber auch, dass man dafür bei den restlichen Ausgaben zurückhaltend auftrete. In der Tat verfügt 2015 keine Toggenburger Gemeinde über einen tieferen Nettoaufwand pro Einwohner als das Städtchen.

«Sehr diszipliniert bei den Ausgaben»

Ein direkter Zusammenhang zwischen diesen beiden Grössen muss aber nicht zwingend sein. So schafft es die Gemeinde Ebnat-Kappel beispielsweise seit 2011, den Investitionsanteil zu erhöhen und gleichzeitig die Nettoschulden abzubauen. Für Gemeindepräsident Christian Spoerlé liegt das an verschiedenen Gründen. «In erster Linie ist die Ursache aber wohl darin zu suchen, dass wir bei den Ausgaben sehr diszipliniert sind.»

Ebenfalls diszipliniert scheint man in den vergangenen Jahren in Lütisburg mit den finanziellen Mitteln umgegangen zu sein. Seit 2007 reduzierten sich die Schulden der Gemeinde, 2013 konnte Gemeindepräsidentin Imelda Stadler erstmals ein Nettovermögen vermelden, das in den folgenden zwei Jahren gar noch ausgebaut wurde. Sie führt dies auf mehrere Gründe zurück, dazu gehöre beispielsweise der Verkauf der Elektra. «Es ist aber auch so, dass wir sehr wirtschaftlich mit unseren finanziellen Ressourcen umgehen», sagt Stadler weiter. Trotz der guten Finanzlage wird in der Gemeinde kaum investiert. Der Investitionsanteil liegt nur gerade bei 4,4 Prozent. Im Moment hätte die Gemeinde keine hohen Investitionen zu tätigen, sagt Stadler. Das könne sich aber schnell ändern, wenn beispielsweise bei den Schulbauten ein hoher Bedarf entstünde.