Figaros Balltanz

Es soll, scheint's, ein toller Match gewesen sein, der Final in der Fussball-Champions-League zwischen dem FC Barcelona und Juventus Turin, der am vergangenen Samstagabend die TV-Kanäle dominierte.

Martin Hüsler
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Bild: Martin Hüsler

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Es soll, scheint's, ein toller Match gewesen sein, der Final in der Fussball-Champions-League zwischen dem FC Barcelona und Juventus Turin, der am vergangenen Samstagabend die TV-Kanäle dominierte. Die Presse war jedenfalls des Lobes voll über die technischen Feinheiten und über das hohe Spieltempo. Und auch im Bekanntenkreis war man allgemein der Ansicht, in den Genuss eines ausserordentlichen Spektakels gekommen zu sein. Bei mir zu Hause lieferte der Fernseher das katalanisch-piemontesische Duell ebenfalls in die Stube. Aber ich muss gestehen, dass ich vom fussballerischen Gehalt der Begegnung kaum etwas mitgekriegt habe. Die Feinheiten in der Ballführung beispielsweise eines Lionel Messi oder die effiziente Verteidigungsarbeit eines Stephan Lichtsteiner sind mir praktisch völlig entgangen. Zu sehr war ich abgelenkt durch die Frisurenshow, die im Berliner Olympiastadion parallel zur sportlichen Komponente geboten wurde. Was haben sie uns nicht alles an Haarpracht präsentiert, die Neymar da Silva Santos Júnior, Dani Alves, Paul Pogba, Arturo Vidal, Javier Mascherano, Jordi Alba, Roberto Pereyra, Kingsley Coman und wie sie alle heissen! An Verwegenheit und Abenteuerlichkeit waren die barbieresken Konstrukte kaum noch zu überbieten. Ob sie nun die Schädel der Spieler veredelt oder verunstaltet haben, muss dahingestellt bleiben, kann doch Coiffeurkunst sehr wohl unterschiedlich beurteilt werden. Es scheint einfach, dass bei Fussballern die Frisuren einen ständig wachsenden Stellenwert einnehmen. Wenn dieses Zurschaustellen noch absurdere Blüten treibt, wird eines Tages jeder Kicker auf seinem Trikot auch noch seinen Figaro vermerkt haben.