Feuerwehr – für Trinkwasser zu teuer

Auch wenn es wieder regnet: So schnell vergisst der Heiterswiler Landwirt Jakob Brunner den trockenen Frühling 2011 nicht. In seiner Wasserknappheit rief er die Feuerwehr Wattwil zu Hilfe. Diese brachte ihm dann auch zweimal Wasser. Die Rechnung aber war ihm zu versalzen.

Hansruedi Kugler
Drucken
Teilen
Jakob Brunner zeigt das 3000 Liter fassende Reservoir auf seinem Hof auf der Fürschwand. (Bild: Hansruedi Kugler)

Jakob Brunner zeigt das 3000 Liter fassende Reservoir auf seinem Hof auf der Fürschwand. (Bild: Hansruedi Kugler)

Wattwil. Kurz nach dem Restaurant Anker Heiterswil zweigt ein schmales Strässchen rechts ab zur Fürschwand. Den Berg hoch geht es bis auf 1022 Meter über Meer, dann ist der abgelegene Hof von Jakob Brunner erreicht. Hier oben ist die Aussicht prächtig. Im ausserordentlich trockenen Frühling dieses Jahres aber ging Jakob Brunner das Wasser aus. Wie manch anderer Bauer auch bezieht er das Trinkwasser für Haus und Tiere von der eigenen Quelle auf seinem 20 Hektar grossen Hof. Die Quelle speist das eigene Reservoir, das aber nur 3000 Liter fasst. Für seinen Hof eigentlich zu klein, denn die Quelle fliesst nicht kontinuierlich, sondern bringt mal viel mal wenig Wasser.

Er musste schnell handeln

Jeweils bis Ende Mai grasen hier 40 Stück Vieh und trinken zusammen bis zu 1500 Liter Wasser im Tag. Als seine Quelle Ende April längere Zeit kaum noch Wasser hergab, musste Jakob Brunner schnell handeln. Auch das Sparen beim eigenen Verbrauch brachte nichts mehr, die Waschmaschine war tagelang nicht mehr in Betrieb. Seine Frau Margrit hatte schon von früheren Einsätzen der Feuerwehr gehört, die in Notfällen Wasser auf Höfe gebracht hatte. Sie rief also den Feuerwehrkommandanten Daniel Rhiner an. Seine Auskunft lautete, es sei möglich, dass die Feuerwehr mit dem Tanklöschfahrzeug Wasser bringe. Aber es koste etwas: Das Auto 300 Franken und die Feuerwehrmänner je 60 Franken in der Stunde. Margrit Brunner sagte zu und tatsächlich kam das Tanklöschfahrzeug zwei Tage später am Samstag auf die Fürschwand auf 1022 Meter und liefert zwei Tankladungen mit je 1500 Liter Wasser ab. Mit dem Tanklöschfahrzeug konnte die Feuerwehr direkt an das Reservoir fahren und musste nicht erst Leitungen legen. Zwei Mann waren auf dem Fahrzeug.

«Betrag viel zu hoch»

Froh um die Notration Wasser machte sich Jakob Brunner vorerst weiter keine Gedanken. Erst als die Rechnung eintraf, sei er erschrocken: Für die 3000 Liter Wasser, die höchstens drei Tage lang ausreichten, hätte er 760 Franken bezahlen sollen. «Wir wollten ja nicht, dass die Feuerwehr uns gratis Wasser bringt. Aber dieser Betrag schien mir einfach viel zu hoch», meint Jakob Brunner heute. Stutzig machte ihn der Vermerk: «Gestützt auf die Richtlinien des AFS (des kantonalen Amtes für Feuerschutz) vom Juli 2005 und das Dienst- und Besoldungsreglement der Feuerwehr Wattwil-Lichtensteig vom 1. Januar 2007 verrechnen wir den Wassertransportdienst vom 23. April 2011.» Demzufolge kostet ein Tanklöschfahrzeug einen Pauschalbetrag von 300 Franken zuzüglich 80 Franken pro Stunde, ein Angehöriger der Feuerwehr wird mit 60 Franken die Stunde verrechnet.

Feuerwehr befolgt Reglement

Daniel Rhiner, der bis Ende Mai Wattwiler Feuerwehrkommandant war, hält es für richtig, die Kosten für solche Wassertransporte nach Reglement zu verrechnen. Denn die Richtlinien des Amtes für Feuerschutz sehen einen unentgeltlichen Einsatz der Feuerwehren nur bei Brandeinsätzen, Explosionen und Elementarereignissen wie Sturm, Hagel, Steinschlag oder Ähnlichem vor. Weitere Hilfeleistungen wie Katzenrettungen, Insektenbekämpfung bis hin zu Verkehrsregelungen sind hingegen entschädigungspflichtig.

Im Dienst- und Besoldungsreglement der Feuerwehr Wattwil-Lichtensteig ist ausdrücklich auch der Wassernachschub bei Trockenheit als entschädigungspflichtig aufgeführt.

«Warum nicht als Übung?»

Trotz dieser Erklärung erhoben die Brunners gegen diese Rechnung schriftlich Einspruch. «Die Feuerwehr hätte den Einsatz ja als Übung deklarieren können», meint Jakob Brunner. Dani Rhiner meint, das wäre schon möglich. Aber man müsse doch alle gleich behandeln. Wenn das Reglement schon vorsieht, dass solche Hilfsleistungen entschädigungspflichtig sind, dann wäre es Willkür oder Bevorteilung, im Einzelfall darauf zu verzichten. Einige Tage nach der Anfrage von Jakob Brunner seien weitere zwei Anfragen von Landwirten bei ihm eingegangen, die ebenfalls Wassertransporte brauchten, sagt Daniel Rhiner. Denen habe er auch gesagt, was dieser Einsatz koste. Beide hätten es sich daraufhin nochmals überlegt und sich anderweitig beholfen. Einige Zeit später kam dann eine zweite Rechnung. Der Betrag war in der Zwischenzeit von 760 auf 580 Franken gesunken. Aber auch dieser Betrag finden die Brunners zu hoch, weshalb sie die Rechnung noch immer nicht bezahlt haben und wieder Einsprache erhoben.

Reservoir wird vergrössert

Die 3000 Liter Notration Wasser war schnell verbraucht und Jakob Brunner hat einige Tage später vom Nachbarn Ueli Roth Wasser erhalten. Ihm kaufte er gleich noch einen fahrbaren Wassertank ab, den er nun für allfällige Wasserknappheiten einsetzt. Seit Ende Mai ist Jakob Brunners Vieh auf der Alp. Das Wasser reicht deshalb und weil der Regen wieder gefallen ist, hat sich die Lage ohnehin entspannt. Eine ähnliche Trockenheit hat Jakob Brunner in den vierzig Jahren, die er hier auf der Fürschwand lebt, nur einmal erlebt. Das war 2003. Damals fing die Trockenheit aber erst im Frühsommer an. Und weil das Vieh dann schon auf der Alp war, hatten sie für den Haushalt immer noch reichlich Wasser.

Eine Konsequenz der diesjährigen Wasserknappheit zieht Jakob Brunner unabhängig von der Wasser-Rechnung: Er wird das Reservoir auf das doppelte Volumen vergrössern und das Wasser einer etwas abseits gelegenen Quelle zum Reservoir hinleiten. Dann werde er wohl auch solche Trockenzeiten überstehen, meint er. Und seine Frau fügt an: «Ich hätte vielleicht zuerst meinen Nachbarn fragen sollen.»

Aktuelle Nachrichten