Festivitäten allüberall

Das Appenzellerland gleicht einer einzigen Festhütte. An Grümpelturnieren wird gekickt, als ginge es um die WM. Musik gibt es wahlweise im Festzelt, im Bahndepot oder open air.

Mea Mc Ghee
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Bild: Mea Mc Ghee

Bild: Mea Mc Ghee

Das Appenzellerland gleicht einer einzigen Festhütte. An Grümpelturnieren wird gekickt, als ginge es um die WM. Musik gibt es wahlweise im Festzelt, im Bahndepot oder open air. Abends wird ein Dorf kurzerhand für den Verkehr gesperrt, schliesslich ist nur einmal im Jahr Dörflifest.

Auch andernorts wird im Sommer gefeiert. Doch andere Länder andere Feste: In Schottland – auf den westlichsten Inseln, wo nachher nichts als das Wasser des Atlantiks folgt – stolpere ich in solche Festivitäten hinein. Am Hirtenhunde-Contest zeigt ein Schafhirt, was sein treuer Freund, der Border Collie, draufhat: Mittels Pfiffen oder Kommandos dirigiert Herrchen den Hund über eine schier unendlich grosse Weide. Erst durch geduldiges Beobachten erschliesst sich mir die Aufgabe: Es gilt, vier Schafe zu holen, durch Tore zu treiben, in ein Gatter zu sperren, wieder rauszulassen und schliesslich in Zweiergruppen zu splitten. Je besser das Gespann harmoniert, desto mehr Punkto gibt's, umso grösser ist die Anerkennung des Publikums. Dieses hat es sich auf Campingstühlen bequem gemacht, verfolgt die Bemühungen von Mensch und Hund bei einer Tasse Tee. Wind und Wetter zum Trotz. Eindrücklich auch das Lifeboat-Festival. Es dreht sich alles ums Rettungsboot – den Stolz der Insulaner. Abgerundet wird das Spektakel mit Gumpischloss, Tombola, Kinderschminken und Flossrennen durch eine Show mit dem Lifeboat und einem Rettungshelikopter der Coastguard. Ach ja, selbst der bitterkalte Atlantik hält die Einheimischen nicht von einer Wasserschlacht ab.

Als Touristin staune ich also über allerlei festliche Traditionen und stelle mir vor, wie Gäste sich am 1. August wundern, weshalb die Schweiz plötzlich rot-weiss herausgeputzt wird. Sei es mit einer riesigen Schweizer Flagge an der Säntiswand oder mit Tausenden kleinen Fähnchen. Oder wie sie bei einer Wanderung im Alpstein fasziniert zuschauen, wie chäche Männer einander ins Sägemehl werfen oder wie bunt gekleidete Paare zu lüpfiger Musik im Kreis tanzen.

Es gilt: Auch wer die Qual der Wahl hat, soll die Feste feiern, wie sie fallen.