FESTIVALSOMMER: Lärm unter freiem Himmel

Wegen Lärmklagen muss das Weihern Open Air in St. Gallen umziehen. Im Appenzellerland sieht die Lage anders aus: Trotz einiger Reklamationen stehen die Gemeinden hinter den Organisatoren.

Elias Eggenberger Jonas Manser
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Das Postplatzfestival in Appenzell hat das prominenteste Programm. (Bild: Martin Birrer)

Das Postplatzfestival in Appenzell hat das prominenteste Programm. (Bild: Martin Birrer)

Elias Eggenberger Jonas Manser

redaktion@appenzellerzeitung.ch

Es ist wieder Open-Air-Zeit. Nicht nur in St. Gallen, sondern auch im Appenzellerland überzeugen die Veranstalter mit ihren Line-ups. Abfallberge und «Schnapsleichen» als Nachlass der Festivals scheinen hierzulande kein Problem zu sein. Im Gegenteil: Die Organisatoren geniessen breite Unterstützung seitens der Gemeinden und erfreuen sich vieler Besucher. Wir stellen einige Festivals vor.

Das Blues/Rock-Open-Air in Bühler ist bereits fester Bestandteil des Sommerprogramms der Gemeinde. «Wir hatten in den letzten zwölf Jahren keinerlei Reklamationen», sagt Andy Lehmann, Co-Präsident des Blues­clubs Bühler, welcher das Open Air organisiert. Dieses Jahr findet es am 15. Juli bei der Fabrik am Rotbach in Bühler zum 13. Mal statt. Mit rund 700 Besuchern sei es ein überschaubarer Event, so Lehmann. Die Musik würde ein reiferes Publikum anlocken, welches sich auch dementsprechend verhalte. Dank den 70 Helferinnen und Helfern würde auch das Aufräumen immer reibungslos verlaufen. Was Vorlagen angehe, so wären die Erlaubnis der Gemeinde, Bewilligungen für den Gastrobereich und die Sanitäts- und Sicherheitseinrichtungen am wichtigsten.

Ingeborg Schmid, Gemeinderatspräsidentin der Gemeinde Bühler, ist vom Open Air überzeugt: «Es ist ein gut organisierter, wiederkehrender Sommeranlass, welcher auch ausserhalb der Region guten Anklang findet.» Sie hätten bis jetzt nie Probleme gehabt. Wichtig sei, dass die Nachbarschaft informiert werde und feuerpolizeiliche Vorschriften erfüllt seien. «Ich versuche stets an Veranstaltungen in meiner Gemeinde teilzunehmen, dazu gehört auch das Blues Open Air», so Schmid.

Das «Rock the Wolves» in Wolfhalden werde auch von Familien besucht, sagt OK-Präsident Manfred Züst. Finanziert wird das Open Air einzig durch Sponsoren und die Festwirtschaft. Eintritt kostet es keinen, das Personal arbeitet unentgeltlich. Gemeindepräsident Gino Pauletti ist ein Fan des Festivals: «Es steigert den Bekanntheitsgrad von Wolfhalden. Wir hatten auch schon Gäste aus Deutschland.» Lärmreklamationen gebe es selten. «Früher, als die Konzerte noch mitten im Dorf stattfanden, gab es manchmal Reklamationen. Aber seit es ausserhalb ist, habe ich nichts mehr gehört.» Pauletti ist selber Open-Air-Gänger. Er versuche jeweils mindestens an einem Abend dabei zu sein. Auch den «Rock-Gottesdienst» am Festivalsonntag besuche er bei Gelegenheit.

Dass an Open Airs Abfall produziert wird, ist seit jeher bekannt. In Wolfhalden gibt es Helfer, die den Abfall laufend wegräumen. Auf dem Zeltplatz werden Abfallsäcke verteilt und die Camper aufgefordert, den Abfall zu entsorgen. «Das funktioniert eigentlich sehr gut», sagt Züst. Auch in Wolfhalden bleiben nach dem Festival vereinzelte Zelte liegen, ein grösseres Problem sei das aber nicht. «Wenn wir jemanden sehen, der sein Zelt nicht mitnimmt, fordern wir ihn auf, dies zu tun.» Der Suchtmittelkonsum sei nicht übermässig. «Es gibt vermutlich Leute, die gewisse Substanzen zu sich nehmen. Wenn wir etwas davon mitbekommen, schreiten wir ein», sagt Züst.

Am Postplatzfestival in Appenzell ist sogar ein Drogenbeauftragter vor Ort. «Wenn dieser Drogen entdeckt, beschlagnahmt er sie und weist die Leute vom Platz», sagt Pressesprecher Martin Birrer, «dass ab und zu ein ‹Räuchli› aufsteigt, ist mir aber bewusst.» Lärmreklamationen habe es früher oft gegeben, da das Festival direkt im Dorf steigt. «Mittlerweile hat sich das Fest etabliert und an Toleranz gewonnen.» Es gebe fixe Ruhezeiten, die eingehalten werden müssen, bestätigt auch Lydia Hörler-Koller, stillstehende Frau Hauptmann des Bezirks. Um gegen das Abfallproblem anzukämpfen, werden nur Plastikbecher verteilt. «Für Appenzell ist das Open Air wichtig, es führt ein anderes Publikum ins Dorf», so Hörler-Koller. Laut wird es in Appenzell am 9. und 10. Juni.

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