«Festhalten an einer Ausrede»

Die Ablehnung des Postulats zur Aktualisierung der Sportstätten durch den Herisauer Einwohnerrat löst bei den betroffenen Sportinstitutionen Enttäuschung aus. Aufgeben wollen sie dennoch nicht.

Alexa Scherrer
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HERISAU. Für die IG Sport Region Herisau ist der Sachverhalt klar: Die Herisauer Sportvereine leiden unter einem akuten Mangel an Trainingsmöglichkeiten. Aufgrund der zu knappen Hallenkapazitäten hat die IG Sport deswegen vergangene Woche dem Gemeinderat die Petition für eine neue Dreifachsporthalle mit über 1100 Stimmen übergeben. Fast zeitgleich lehnte der Herisauer Einwohnerrat vergangenen Mittwoch das Postulat zur Sportstätten-Revision ab.

Peter Schmid, Präsident der IG Sport Herisau, betont, dass der politische Entscheid nichts am ursprünglichen Bedürfnis ändere. Er habe Verständnis dafür, dass der Antrag nicht von Anfang an auf fruchtbaren Boden gefallen sei. «Dieses Zufalls-Nein von 14 zu 13 Stimmen darf nicht als Negierung des Bedürfnisses einer Aktualisierung der Sportstättenplanung gesehen werden», so Schmid. Er sei froh, dass das Postulat ernst genommen wurde.

Keine Verbindlichkeit

Anders sieht das der Präsident des Unihockeyclubs UHC Herisau, Urs Baumer. Dass der Gemeinderat darauf verwies, die Sportstättenplanung sowieso innerhalb des Legislaturplanung bis 2015 zu überarbeiten, drücke für ihn keine Verbindlichkeit aus, sondern sei vielmehr das «Festhalten an einer Ausrede». Um die gleiche Metapher zu benutzen, wie es Gemeindepräsident Paul Signer an der Einwohnerratssitzung vom vergangenen Mittwoch tat («Die Postulanten werfen sich mutig hinter den fahrenden Zug»), meinte Urs Baumer: «Dieser Zug fährt knapp Schritttempo.»

Für ihn stehe die Dringlichkeit einer höheren Hallenkapazität ausser Frage. Die Trainingseinheiten könnten nicht wie notwendig angeboten werden: «Wenn die Spieler der U18 während vier Monaten nur einmal statt zweimal wöchentlich trainieren können, verlieren sie nicht nur die Spiele, sondern auch den Spass und hören schliesslich auf.» Mit diesem Szenario male er zwar den Teufel an die Wand, und der UHC werde nicht untergehen, trotzdem seien die Folgen nicht zu unterschätzen. «So kann unser Verein nicht wachsen», ist Baumer überzeugt.

Kontinuierlicher Druck

Ähnlich schätzt die Situation der Präsident des Turnvereins Herisau, Thomas Rohrer, ein. «Es ist enttäuschend, dass die Revision der Sportstätten im Keim erstickt wurden. Es ging uns ja nicht zwingend um die Dreifachsporthalle, sondern darum, dass aus der Planung nicht ein langwieriges, mehrjähriges Unterfangen wird.» Rohrer zeigt sich aber zuversichtlich, dass die Aktualisierung bis 2015 auf dem Tisch sei: «Wir werden den Druck aufrechterhalten.» Nur schon deshalb, damit nicht noch mehr Mannschaften in andere Vereine wechseln würden, in welchen das Training auf dem entsprechenden Niveau angeboten werden könne.

«Kein Horizont in Sicht»

Skeptischer zeigt sich indes Unihockeyclub-Präsident Urs Baumer: «Nachdem das Postulat nicht überwiesen wurde, sieht man jetzt keinen Horizont mehr. Vor dem Jahr 2020 wird sich konkret sowieso nichts ändern.» Herisau wolle immer mehr Leute anlocken, ansiedeln und Neubauten realisieren; dann müsste aber auch die entsprechende Infrastruktur zur Verfügung gestellt werden. Hallensport sei nicht nur für die Jugend, sondern auch für die älteren Generationen enorm wichtig. «Die Senioren wollen vermutlich nicht alle Nordic Walking betreiben – die brauchen auch Platz in einer Halle.» Ans Aufgeben denkt er allerdings nicht: «Es ist eine Niederlage – wie es sie im Sport auch zu akzeptieren gilt.»

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