Feste feiern, wie sie fallen

Erst kürzlich war ich mit einem befreundeten Engländer an einem Strassenfestival in Bern. Während wir durch die mit Menschen und Musik gefüllten Gassen flanierten, meinte Chris, dass solche Feste in der Schweiz schon etwas Spezielles seien.

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Erst kürzlich war ich mit einem befreundeten Engländer an einem Strassenfestival in Bern. Während wir durch die mit Menschen und Musik gefüllten Gassen flanierten, meinte Chris, dass solche Feste in der Schweiz schon etwas Spezielles seien. In England gäbe es solche Veranstaltungen im Freien fast nicht. Überhaupt finde das Leben in der Schweiz mehr draussen statt als in seiner Heimat. Als er das erste Mal habe Menschen in der Aare schwimmen sehen, habe er gedacht, sie seien am Ertrinken. Der Schweizer Sommer bringt wahrhaftig viele Freiluftveranstaltungen mit sich. Neben den zahllosen Open Airs gibt es Strassenfeste, Open-Air-Kinos und Theater im Freien – wie das jüngst zu Ende gegangene Festspiel «Der dreizehnte Ort». Der Sommer ist die Zeit des «Draussenseins». Das wurde mir schon als Kind weisgemacht, wenn ich bei schönstem Sonnenschein lieber von meiner Lego-Raketenstation ein Shuttle in den Luftraum des Wohnzimmers starten liess, als mich im Garten zu beschäftigen. Doch der Sommer neigt sich unaufhaltsam dem Ende zu. Auch bei einem schönen Spätsommer werden die Abende schnell kühl. Unweigerlich werden wir unsere Liegestühle aus dem Garten räumen, den Grill ein letztes Mal reinigen und unsere Freizeit wieder mehr drinnen verbringen. In den Flüssen schwimmen dann nur noch die ganz harten Schwimmer, tatsächlich Ertrinkende und heruntergefallenes Herbstlaub. Unsere Festlaune soll unter dem kommenden Herbst nicht leiden – man soll die Feste feiern, wie sie fallen.

Silvan Heuberger