Ferner Osten als Belohnung

Mitte November holte die 25jährige Vera Eigenmann in Oberbüren mit Turnpartner Gabriel Sutter den Schweizer-Meister-Titel im Geräte- turnen in der Kategorie Sie und Er. Nun gönnt sich das Mitglied des Turnvereins Bazenheid-Lütisburg eine Auszeit von dreieinhalb Monaten.

Beat Lanzendorfer
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Mitte November holte Vera Eigenmann mit Turnpartner Gabriel Sutter den Schweizer-Meister-Titel in der Kategorie Sie und Er. (Bild: pd)

Mitte November holte Vera Eigenmann mit Turnpartner Gabriel Sutter den Schweizer-Meister-Titel in der Kategorie Sie und Er. (Bild: pd)

GERÄTETURNEN. Die sportliche Karriere der in Niederglatt wohnhaften und für den Turnverein Bazenheid-Lütisburg startenden Vera Eigenmann ist ungewöhnlich. Sie zeigt aber, dass Erfolge auch nach einem temporären Rücktritt und im für Turnerinnen etwas fortgeschrittenen Alter möglich sind.

Früh in der Turnhalle

Fünfeinhalb war Vera Eigenmann, als sie mit dem Kunstturnen in Kontakt kam und sofort vom Virus befallen war. «Es hat mich gleich gepackt. Über Jahre hinweg trainierte ich viermal wöchentlich, was in etwa die Summe zwischen 12 und 13 Stunden ergab.» Mit Elf hatte sie genug vom Leistungsdruck. «Mir wurde es einfach zu viel. Ich war am Trainieren, wenn meine Kolleginnen und Kollegen draussen spielten.» Ganz konnte sie es aber dann doch nicht lassen und schloss sich daher den Geräteturnern vom Getu Uzwil an. Dort blieb sie bis 16, dann war definitiv Schluss. Fortan wollte sie sich auf ihre berufliche Ausbildung konzentrieren. Heute arbeitet Vera Eigenmann als Pflegefachfrau Orthopädie am Kantonsspital St. Gallen.

Rückkehr mit 22

Der Ehrgeiz, noch einmal zum Turnsport zurückzukehren, kam vor drei Jahren. «Ein Leiter hat mich angefragt, ob ich Lust hätte, bei Getu Uzwil als Leiterin einzusteigen. Ich hatte Lust und zwei Monate später trainierte ich bereits selber wieder an den verschiedenen Geräten. Am Anfang musste ich zwar etwas an meiner Beweglichkeit arbeiten, trotzdem war es auch für mich erstaunlich, dass ich nach sechs Jahren Absenz wieder den Anschluss fand. Die Defizite waren schnell aufgeholt.» Ein Jahr nach ihrer Rückkehr holte sie bei den Schweizer Meisterschaften im Einzelgeräteturnen, die 2013 in Wil stattfanden, in der Kategorie D auf Anhieb Gold. Ein Jahr später fiel sie in Utzenstorf aus den Medaillenrängen und erreichte Platz 4. Vor zwei Wochen gelang in Oberbüren mit Rang 2 die Rückkehr aufs Podest. In der Kategorie Sie und Er kam mit ihrem Turnpartner Gabriel Sutter sogar ein ganzer Medaillensatz hinzu. Bronze in Wil, Silber in Utzenstorf und als Krönung Gold in Oberbüren. Darüber hinaus bewegt sich die frischgebackene Schweizer Meisterin auch gerne in der Natur: Biken, Wandern oder Joggen sieht sie als idealen Ausgleich zum Turnsport. Früher spielte sie sogar noch Unihockey bei den Flying Penguins in Niederwil, musste dies aber aus Zeitgründen aufgeben.

Abschied aus Bazenheid

Vera Eigenmann trainierte in den letzten Jahren bei Reinhard Hutter und Sybille Tschirky in Bazenheid. Reinhard Hutter wechselt jeweils nach sechs bis sieben Jahren den Verein, um neue Impulse setzen zu können. Für das Trainerpaar heisst die nächste Station Rehetobel. Mit ihnen ziehen auch Vera Eigenmann und weitere sechs Mitglieder des TV Bazenheid ins Appenzellische. Sie sind von den Fähigkeiten der beiden überzeugt und möchten weiterhin von ihnen profitieren. «Im Geräteturnen hängt viel von Vertrauen ab, unsere Gruppe ist von Reinhard Hutter und Sybille Tschirky überzeugt», begründet sie ihren Schritt. Das Duo Eigenmann/Sutter wird es in Zukunft nicht mehr geben. «Gabriel wird bald Vater und möchte sich in Zukunft auf seine junge Familie konzentrieren», meint Vera Eigenmann.

Ab in den Fernen Osten

Sie selber, die am Montag ihren letzten Arbeitstag am Kantonsspital hatte, nimmt sich eine Auszeit und fliegt heute abend mit einer Kollegin in den Fernen Osten. «Erste Station ist Singapur. Nach zwei Tagen geht es weiter nach Darwin. Nach einem Monat an der australischen Westküste fliegen wir nach Neuseeland, bevor wir nach einem weiteren Monat das Leben während zehn Tagen auf den Fidschi-Inseln geniessen. Den dritten Monat verbringen wir in Indonesien mit Schwerpunkt Bali.» Nach ihrer Rückkehr im März wird sie in den beruflichen Alltag zurückkehren. «Ich lasse alles auf mich zukommen und bin mir noch nicht ganz sicher, wo es mich beruflich hinzieht. Vorderhand verschwende ich dafür aber keine Gedanken, denn zuerst freue ich mich auf meinen längeren Auslandaufenthalt.» Auch dem Geräteturnen kehrt sie keineswegs den Rücken zu. Sie möchte in ihrem Hobby ab April 2016 durchaus noch das eine oder andere Ausrufezeichen setzen.

Heute fliegt Vera Eigenmann für dreieinhalb Monate in den Fernen Osten. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Heute fliegt Vera Eigenmann für dreieinhalb Monate in den Fernen Osten. (Bild: Beat Lanzendorfer)

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