Fernbus noch in weiter Ferne

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Wil Ende 2016 und Anfang 2017 hat das Busunternehmen «Domo Reisen» Konzessionsgesuche für Linienbusverbindungen auf den Strecken St. Gallen-Zürich-Flughafen-Genf (mit Halt in Wil), Flughafen-Zürich-Basel-Lugano und Chur-Zürich-Sitten eingereicht. Diese sollen je ein- bis zweimal täglich in beide Richtungen verkehren. Der Konzessionsentscheid des Bundesamts für Verkehr (BAV) soll bis zum Fahrplanwechsel im Dezember vorliegen.

In Wil ist man noch weit vom Fernbus entfernt. Der Stadtrat Daniel Stutz hat Domo Reisen in einem Schreiben mitgeteilt, dass Wil «kein Interesse an einem Testbetrieb der nationalen Fernbuslinie» hat und es deshalb keine Haltestelle an der Weststrasse beim Bahnhof Wil geben wird. Bis zum definitiven Konzessionsentscheid sehe man keinen Handlungsbedarf. Bei Domo Reisen stösst das auf Unverständnis. «Mit diesem Vorgehen verunmöglicht die Stadt Wil den Vollzug von übergeordnetem Bundesrecht, das besagt, dass die Zustimmung/Ablehnung vor einem Konzessionsentscheid vorliegen muss», bemängelt Patrick Angehrn von Domo Reisen. Insbesondere da der Bundesrat bereits entschieden habe, dass er Fernbus-Konzessionen erteilen wolle, mache die Argumentation «weder rechtlich noch prozessual oder inhaltlich Sinn». Er sehe auch nicht, wie der Stadtrat mit diesem Entscheid die Interessen seiner Bürger vertreten wolle, wenn er ein zusätzliches Verkehrsangebot zur Erschliessung der Stadt Wil de facto ablehne.

Einfache Anfrage soll mehr Klarheit bringen

In Unkenntnis des E-Mail-Verkehrs zwischen Stutz und Angehrn, jedoch in Sorge um den Anschluss Wils an das nationale Fernbusnetz und die damit verbundene Standortattraktivität, reichte der Wiler SVP-Kantonsrat Erwin Böhi gestern eine Einfache Anfrage an die St. Galler Regierung ein. «Gerade für Wil mit seinem grossen Einzugsgebiet ist es unabdingbar, dass es ergänzende Angebote zum Schienenverkehr gibt», schreibt Böhi. Er stellt folgende Fragen:

1. Teilt die Regierung die Ansicht, dass die Anbindung des Kantons an ein nationales Fernbusnetz ein wichtiger Faktor für die Standortattraktivität ist?

2. Für welche Destinationen innerhalb des Kantons St. Gallen sind Anschlüsse an das Fernbusnetz geplant oder wurden Konzessionsgesuche eingereicht?

3. Inwieweit sind Anhörungen, die das Bundesamt für Verkehr bei den Kantonen durchführt, für die Bewilligung der Konzessionsgesuche entscheidend?

4. Welche Rolle kommt den Gemeinden bei der Prüfung der Konzessionsgesuche zu?

Stadtrat sieht den Lead beim Kanton

Daniel Stutz kommen diese Fragen entgegen. «Ich sehe den Lead beim Kanton, er muss eine Strategie aufzeigen, nach der sich die Gemeinden richten können.» Für den Stadtrat sind die Auswirkungen der nationalen Fernbusse noch nicht abschätzbar. «Wenn täglich ein oder zwei Busse Wil anfahren, dürfte das kaum ein Problem sein. Wenn es aber auf einmal acht oder mehr sind, sieht es anders aus.» (hs/anh)