Feriengrüsse im digitalen Zeitalter

Es fiel mir in den letzten Tagen nicht immer einfach, konzentriert meiner journalistischen Tätigkeit nachzugehen. Dies lag aber nicht nur an der Sommerhitze, die unser Büro teilweise zur Sauna werden liess.

Jesko Calderara
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St. Gallen - Jesko Calderara Redaktion Appenzell (Bild: Jesko Calderara)

St. Gallen - Jesko Calderara Redaktion Appenzell (Bild: Jesko Calderara)

Es fiel mir in den letzten Tagen nicht immer einfach, konzentriert meiner journalistischen Tätigkeit nachzugehen. Dies lag aber nicht nur an der Sommerhitze, die unser Büro teilweise zur Sauna werden liess. Vielmehr hatte ich zuweilen den Eindruck, in meinem Umfeld der Einzige zu sein, der während der Sommerferien arbeiten musste. Überall wurde einem von den Schönheiten fremder Länder vorgeschwärmt und mehr oder weniger interessante Ferienanekdoten zum Besten gegeben.

Dies geschieht heutzutage nicht mehr wie früher, als Verwandte und Bekannte ihre Erzählung jeweils mit Dias, Fotoalben und gefühlten 1000 Bildern dokumentierten. Die jüngere Generation – aber nicht nur sie – nutzen für Ferienschnappschüsse die sozialen Medien. Hoch im Kurs stehen vor allem Facebook, Twitter und Instagram. Auf diese Weise lässt sich das Erlebte mit den Daheimgebliebenen teilen. An sich ist dagegen ja nichts einzuwenden. Selbst ein durchschnittlicher Nutzer sozialer Medien, erfreuen mich schöne Fotos durchaus. Manchmal kommt dabei sogar etwas Neid auf, gerade nicht selbst an diesem oder jenem Ort sein zu können.

Allerdings gibt es unter meinen Facebook-Freunden auch solche, die es mit ihren Feriengrüssen übertreiben. Dazu gehören beispielsweise jene, die überall ein Selfie machen. Sie halten sich für besonders cool, posieren mit einem Bier oder Cocktail in der Hand, während im Hintergrund das Meer zu sehen ist. Oft folgt dann der Standardspruch «So lässt es sich aushalten». Diese Selbstdarsteller fühlen sich bestätigt, wenn sie möglichst viele «Likes» und anerkennende Kommentare der Facebook-Community erhalten. Besonders nervig sind aber die Mitteilungsbedürftigen. Bereits vor ihrem Ferienbeginn lese ich Nachrichten wie: «Juhu, Urlaub gebucht», «nur noch zwei Tage arbeiten» oder «gerade am Flughafen angekommen». Jedes noch so unbedeutende Detail wird weitergegeben. Wen ich damit meine, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Sonst habe ich bald keine Freunde mehr. Zumindest in der digitalen Welt nicht…