NACH KAMPFWAHLEN
«Fehlendes Vertrauen»: Wäldler Gemeinderat entzieht Jakob Egli per sofort sein Ressort

Der Gemeinderat Wald greift zu drastischen Schritten: Er hat seinem Mitglied Jakob Egli das Ressort Technische Kommission entzogen. Eine weitere Zusammenarbeit scheint unmöglich. Zudem habe man ihn entlasten wollen, heisst es von offizieller Seite.

Astrid Zysset
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Ab dem 1. Juni ist ein Sitz im Wäldler Gemeinderat vakant. Noch ist keine Nachfolge in Sicht.

Ab dem 1. Juni ist ein Sitz im Wäldler Gemeinderat vakant. Noch ist keine Nachfolge in Sicht.

Bild: APZ

Eigentlich hatte sich Jakob Egli seinen Rückzug aus dem Gemeinderat Wald anders vorgestellt. Im Rücktrittsschreiben, das er verfasste, und welches er online veröffentlichte, ist nachzulesen, dass er gerne bis Ende des Amtsjahres 2021 beziehungsweise bis Ende Mai als Gemeinderat im Einsatz gewesen wäre. Doch gekommen ist es anders. Sein Ressort Technische Kommission wurde ihm kurzerhand entzogen. Einen Tag später übernahm dieses bereits sein Stellvertreter Christian Frehner.

Warum sich der Gemeinderat zu diesem drastischen Schritt veranlasst sah, weiss Egli nicht. «Sie sprachen von fehlendem Vertrauen, das in der Zusammenarbeit mit mir bestünde.» Ein Vorwurf, den der 73-Jährige nicht nachvollziehen kann. Doch einer, den Gemeindepräsidentin Edith Beeler auf Nachfrage hin bestätigt. Sie verweist auf das Rücktrittsschreiben Eglis. Darin ist nachzulesen, dass «eine weitere Mitarbeit in diesem Gemeinderat für ihn aus politischen und ethischen Gründen nicht mehr zu vertreten sei».

Rücktritt stand für ihn schon lange fest

Worauf Jakob Egli unter anderem anspielt, sind die vergangenen Kampfwahlen ums Gemeindepräsidium in Wald vom 11. April. Damals trat er gegen GPK-Mitglied Marlis Hörler Böhi an – und verlor. Ab Juni hätte er somit unter ihrer Führung im Gemeinderat weiter arbeiten sollen. «Jeder, der meine Wortmeldungen am Podium oder im Gemeindeblatt verfolgt hat, weiss, dass diese Konstellation für mich nie in Frage gekommen wäre», so Egli. Im Falle einer Niederlage stand für ihn schon früh fest, dass er den Rücktritt einreichen wird.

Jakob Egli wollte nicht unter Marlis Hörler Böhi im Gemeinderat tätig sein und hat darum seinen Rücktritt eingereicht.

Jakob Egli wollte nicht unter Marlis Hörler Böhi im Gemeinderat tätig sein und hat darum seinen Rücktritt eingereicht.

Bild: Astrid Zysset

Beeler führt aber noch einen anderen Grund an, warum der Gemeinderat sich dazu veranlasst sah, Egli das Ressort per sofort zu entziehen. Man habe ihn entlasten wollen, führt die Gemeindepräsidentin aus. Der 73-Jährige habe das zeitintensive Ressort immer wieder zur Sprache gebracht. Tatsächlich bezeichnet er in seinem Rücktrittsschreiben die Arbeit in der Technischen Kommission als «intensiv».

Seit Jahren politisch aktiv

Mit seiner Meinung hat Jakob Egli nie hinter dem Berg gehalten. Während des Wahlkampfs kritisierte er mehrfach die GPK wie auch das Kommunikationsverhalten des Gemeinderates. Egli war in der Vergangenheit während 14 Jahren bis 2015 Gemeindepräsident, 2020 gelang ihm die Wahl in den Gemeinderat. Sein politisches Comeback wurde nicht von allen gerne gesehen. Edith Beeler selbst gab als Grund für ihren Rücktritt unter anderem an, dass die Zusammenarbeit im Gremium schwierig geworden sei.

Diese Zusammenarbeit wird Ende Mai endgültig beendet. Noch ist Egli von seinen Pflichten nicht gänzlich entbunden. Wie Edith Beeler betont, ist der Entzug des Ressorts nicht gleichzusetzen mit einem Rauswurf aus dem Gemeinderat. Als solcher ist Egli bis Ende Mai gewählt. Er müsse somit zu den Sitzungen erscheinen. Der 73-Jährige führt aus, dass er danach aber seine Freizeit geniessen werde; beim Holzhacken und beim Spielen mit seinen Enkeln. In der Technischen Kommission gehe es beispielsweise mit den Gebühren für den AVA-Anschluss derzeit um sehr viel, fügt er an. «Aber mir kann das egal sein. Ich hätte mich noch engagiert. Aber wenn das nicht gewünscht ist, müssen jetzt andere schauen, wie es weiter geht.»

Nachfolge für Jakob Egli noch nicht in Sicht

Mit Eglis Rücktritt entsteht im Wäldler Gemeinderat eine Vakanz. Per 1. Juni wird die Technische Kommission im Co-Präsidium von Marlis Hörler Böhi und Christian Frehner geführt. Das wurde an der vergangenen Schlegelsitzung beschlossen. Eine Nachfolge für Jakob Egli ist noch nicht in Sicht. Gemäss Beeler eilt dies aber auch nicht. Man sei derzeit gut aufgestellt. Mögliche Kandidaten könnten sich jedoch bereits melden. Finden sich solche, wird ein Wahltermin festgelegt.