Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

FECHTEN: Seine Anfänge liegen im Ballett

Der Cheftrainer beim «anderen FCSG» wohnt in Appenzell. Romeo und Julia haben seine Karriere beeinflusst. Und nebenberuflich poliert Edwin Lachica aus den Philippinen Trachtenschmuck von Hand.
Lukas Pfiffner
Edwin Lachica instruiert einen seiner Schützlinge, Nevio Fux aus Niederteufen. (Bild: PF)

Edwin Lachica instruiert einen seiner Schützlinge, Nevio Fux aus Niederteufen. (Bild: PF)

Lukas Pfiffner

lukas.pfiffner@appenzellerzeitung.ch

Manchmal berichte er nach einer Wanderung von «Wedegehnte». Dann würden viele nicht merken, dass damit Muskelkater gemeint sei. Edwin Lachica steht in der Volksbadturnhalle St. Gallen und lacht. Der 40-Jährige, 2005 aus den Philippinen nach Appenzell gekommen, ist Cheftrainer des Fechtclubs St. Gallen.

60 Prozent beträgt seine Anstellung. Drei Abende pro Woche steht er in der Trainingshalle, dazu kommen Wettkämpfe und administrative Aufgaben. Zu 40 Prozent arbeitet Lachica bei einem Juwelier in Appenzell. «Wir sind eines der wenigen Geschäfte, das Trachtenschmuck von Hand poliert.» Ursprünglich hatte er vor, sich nur ferienhalber in Appenzell aufzuhalten. In seiner Heimat war er einst in der Werbebranche tätig gewesen, hatte für eine grosse Firma gearbeitet und dann einen eigenen Betrieb geführt. «Nun fühle ich mich als Appenzeller und sehr wohl.»

Herausgefordert nach dem Début

Fechten sei körperliches Schach; es gelte die eigenen und gegnerischen Züge vorauszusehen. Mit dem Start zu seiner Fechtkarriere hat es eine spezielle Bewandtnis. Parallel zu seinem Universitätsstudium war Lachica in Ausbildung zum Balletttänzer. Das Stück «Romeo und Julia» wurde erarbeitet. «Mein Ballettmeister hat gesagt: Um in den Gefechtsszenen zu brillieren, lerne diesen Sport!» Der erste Fechtlehrer stufte ihn allerdings als unbegabt ein. Da habe er sich herausge­fordert gefühlt. «Nach drei ­Monaten war ich Mitglied in der ersten Fechtmannschaft der Uni.» In der Heimat hat er nicht nur ­gefochten, sondern auch bald Verantwortung in einem Verein übernommen. Nach dem Wechsel ins Appenzellerland hörte er vorübergehend auf zu fechten. «Da legte ich aber an Gewicht zu. Jetzt habe ich wieder meine ursprüngliche Konfektionsgrösse.»

Etwa 20 Erwachsene und 60 Junioren

Fechten sei eine offene Sportart, sagt Lachica. Man könne Nachteile egalisieren. «Wer klein ist, muss schneller sein.» Wer ein bisschen schwerer sei, müsse mehr mit dem Kopf arbeiten. Organisiertes Fechten findet in St. Gallen seit 1936 statt; damals wurde der Militär-Fechtclub gegründet. 1952 erfolgte die Namensänderung in Fechtclub St. Gallen. Beim FCSG üben Leistungssportler, Hobbyfechter, Anfänger. «Wir haben vor ein paar Jahren beschlossen, den Verein neu aufzustellen.» Wir: Das sind vor allem Till Ferst und Edwin Lachica. Zuerst war Lachica Präsident, nun übt Ferst dieses Amt aus. Etwa 20 Erwachsene trainieren, dazu 60 Nachwuchsfechter. Darunter sind einige aus dem Appenzellerland, wie Junior Nevio Fux aus Niederteufen. «Immer wieder betreuen wir auch Gäste, zum Beispiel Studenten von der Universität St. Gallen.» Die Thurgauer Fünfkämpferin Lea Egloff absolviert das Fechttraining im Fechtclub St. Gallen. Als Lachica an der Hauptversammlung davon gesprochen hat, die Kriterien von «Sport-verein-t» erfüllen zu wollen, sei er belächelt worden. 2014 hat der FCSG dieses Label erhalten. «Das war unser Baby.» An der Sonderausstellung im Rahmen der OFFA ist der Fechtclub kürzlich als «St. Galler Sportverein des Jahres» ausgezeichnet worden.

«Die breite Basis ist sehr wichtig»

Lachicas Verein ist grösser als die zwei anderen Fechtclubs in der Ostschweiz (Frauenfeld und Flawil). «Wir dürfen nicht nur die Spitze fördern; die breite Basis ist sehr wichtig. Wenn wir einmal eine starke Welle verzeichnen und dann nichts mehr folgt, haben wir langfristig keine Zukunft», meint Lachica. Seine Athletinnen und Athleten kämpfen unter anderem in der Bodenseeliga, und was den Vergleich in der Schweiz angeht, liege man immerhin in der oberen Mitte. Selbstredend steht der Fechtclub weit weniger im Fokus der Öffentlichkeit als der andere FCSG, jener mit Fussbällen und grossem Budget. Lachica und der Fechtclub wollen ihren Weg weitergehen. «Wir möchten bekannter werden und an der Qualität wie Quantität arbeiten, uns gut präsentieren und wenn es irgendwie geht, die Trainingsmöglichkeiten ausbauen.»

Vom Ballett hat er sich dann übrigens rasch verabschiedet. «Romeo und Julia» fand damals ohne Edwin Lachica statt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.