Faszination Kartoffel

Museum

Anton Heer
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Christoph Gämperli, ganz links, zeigt Beispiele rarer Kartoffel­sorten. (Bild: PD)

Christoph Gämperli, ganz links, zeigt Beispiele rarer Kartoffel­sorten. (Bild: PD)

Christelle Wick (Kuratorin des Toggenburger Museums) und Christoph Gämperli (Geschäftsführer St. Gallische Saatzucht) boten kürzlich Einblick in die ­Geschichte und den Anbau des Nahrungsmittels Kartoffel.

Bald wurde bewusst, wie wenig wir über dieses Alltagsnahrungsmittel wissen. Dass diese Knolle aus den Anden stammt, ist zweifellos Allgemeinwissen. Aufhorchen liessen sodann Reminiszenzen aus der Geschichte, die zeigen, wie weit der Weg zum allgemein geschätzten und heute unentbehrlichen Grundnahrungsmittel war. Die anfänglich verpönte Knolle war einst gut genug für das Vieh, die ärmsten Bevölkerungsschichten oder in Notzeiten. So wurden Anbau und Zubereitung von Kartoffeln in der Not um 1817 zum Thema für die St. Galler Regierung, den Kleinen Rat, wie er sich damals nannte. In der Zeit des Zweiten Weltkriegs wurde der Wert der Kartoffel mehr bewusst, denn dieses Nahrungsmittel war in der Schweiz stets ausreichend verfügbar!

Zeitintensive Aufzucht neuer Sorten

Christoph Gämperli bot mit seinem eindrücklichen Referat und dem Gang durch die Aussenanlagen des Landwirtschaftlichen Zentrums Flawil einen Blick in die Welt der Kartoffel, die anspruchsvolle Erzeugung des Saatgutes, die Zucht, Pflege und Erhaltung der Sorten sowie die ­Auseinandersetzung mit den verschiedensten Nützlings- und Schädlingsformen. Der Bogen der Kartoffelproduktion wurde sodann von den industriellen Methoden bis hin zu den Spezialitäten aus der Nischenproduktion und den von «pro specie rara» ­gepflegten Sorten gespannt. Der «Blaue St. Galler», eine von Gämperli gezüchtete Sorte, gab sich selbstverständlich auch die Ehre – in der Form tiefblauer und vorzüglich schmeckender Chips. Faszinierend war für uns, die Laien und treuen Kartoffel­konsumenten, wie komplex und zeitintensiv die Aufzucht neuer Sorten ist. Ein immenses ­ Wissen, Beobachtungsgabe, viel Erfahrung und Fingerspitzen­gefühl sind und bleiben Voraussetzung für die Versorgung mit hochwertigen Kartoffelsorten. Ganz nebenbei war zu erfahren, welche Rolle die St. Gallische Saatzucht – das Labor im Freien, gleich vor der Tür – dank stetiger Weiterentwicklung für die Landwirtschaft weit über den Kanton hinaus spielt.

Anton Heer