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Im Reich der Sagen: Fast vergessene Zwerge und Hexen

In Innerrhoden gibt es Dutzende Sagen. Kaum jemand kennt aber so viele wie Rita Breu aus Appenzell. Sie erklärt die Ursprünge und Hintergründe der mythischen Geschichten.
Astrid Zysset
Rita Breu aus Appenzell nimmt regelmässig im Hof Weissbad ihr rotes Buch hervor und erzählt den Besucherinnen und Besuchern die berühmtesten Sagen.Bild: Astrid Zysset

Rita Breu aus Appenzell nimmt regelmässig im Hof Weissbad ihr rotes Buch hervor und erzählt den Besucherinnen und Besuchern die berühmtesten Sagen.Bild: Astrid Zysset

Warum es Sagen gibt, dazu hat Rita Breu aus Appenzell eine ganz simple These: «Wenn etwas Schreckliches passiert, ist das sehr schmerzhaft. Doch in einer Sage verpackt, lässt es sich leichter verarbeiten.» Und man findet eine Erklärung für Naturphänomene, deren Ursachen mit dem Verstand kaum zu erfassen sind. So dürfte auch die Sage um das Hexenwäldchen im Brühltobel ihren Ursprung gefunden haben. Diese besagt, dass dort Zwergen lebten. Eine Hebamme aus Brülisau wurde zur Hilfe bei einer Geburt bei jenem Zwergenvolk gerufen. Als Dankeschön erhielt sie einen Schatz, eingehüllt in einer Schürze. Reinschauen dürfe sie aber erst zu Hause, ermahnte sie der Zwergenvater. Aus lauter «Gwunder» guckte sie aber schon auf ihrem Nachhauseweg rein, und entdeckte lediglich Laub und Zweige. Enttäuscht schleuderte sie das Laub in weitem Bogen in den Hang. Zuhause angekommen kullerte ihr dann aber ein Goldstück aus der Schürze – offenbar war ein Laubblatt am Stoff hängen geblieben. Sofort eilte die Frau zurück zu derjenigen Stelle, wo sie das Laub in den Hang geworfen hatte, fand jedoch nichts mehr. Alles war verschwunden. Jedoch wachsen seitdem dort nur noch Zwergentännchen.

«Das klingt doch einfacher als die Entstehung des Permafrostes zu erläutern», sagt Breu lächelnd. Jener ist nämlich dafür verantwortlich, dass die Bäume im Hexenwäldchen nicht grösser wachsen. «Zugleich enthält die Sage auch die Mahnung, dass man Geduld haben muss. Dieser Tugend sollte man sich ja auch immer wieder besinnen.»

Nicht aufgeschrieben, geraten sie in Vergessenheit

Rita Breu ist eine der drei Erzähler, die Winter für Winter sonntagabends im Hof Weissbad die Besucherinnen und Besucher durch den «Steene- ond Lateene-Weeg» führen und ihnen die berühmtesten Innerrhoder Sagen näher bringen. Breu hat sie in ihrem mystisch anmutenden, roten Buch festgehalten. Es sind um die 30. «Vermutlich gibt es noch viel mehr. Aber wenn sie nicht aufgeschrieben werden, geraten sie in Vergessenheit.» Das hat sie selbst schon erfahren müssen. Ihr Vater hatte ihr einst von einer erzählt, die von einem jungen Mann handelte, der aus einem Baumstamm eine Wiege schnitzte. «Wie die Erzählung genau ging, daran konnte sich mein Vater jedoch nicht erinnern. Und auch schriftlich hatte ich nie etwas darüber gefunden.»

Rita Breu arbeitet als Touristenführerin im Dorf. Vor ihrem Engagement im Hof Weissbad kam sie mit Sagen nicht in Berührung. «Ich fühle mich auch heute noch manchmal als Märchenerzählerin», lacht Breu. Dabei seien Sagen viel mehr als Märchen, fügt sie an. Sie seien «Lehrblätz». Die ältesten Sagen dürften rund 500 Jahre alt sein. In einer Zeit, in der es keine Nachrichtenflut gab, wurden sie genutzt, um Botschaften und Wissen zu vermitteln. Breu umschreibt sie als «alte Schätze», die zum Geschichtsunterricht gehörten. «Ohne die Sage über die Entstehung der Ebenalphöhle wüssten wir weniger über Gletscher, oder ohne diejenige über den Riesen wäre uns die Appenzeller Streusiedlung vermutlich weniger präsent.»

Was sie bisweilen überrascht, ist die Tatsache, dass die Menschen die Sagen immer wieder gerne hören, auch wenn sie sie schon zigmal gehört hätten. «Es sind schön verpackte Erzählungen, in denen ein Körnchen Wahrheit steckt – das fasziniert.» Am häufigsten wird Breu gebeten, die Sage vom Hexenwäldchen zu erzählen. Die Appenzellerin selbst zählt eher diejenige von der Wasserjungfrau von Weissbad zu ihren Favoriten. Diese berichtet von einer schönen Jungfrau am Bach im Weissbachtobel (siehe Box). Breu: «Sie umschreibt wirklich schön, was man für die wahre Liebe alles tun würde.»

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