Fasnacht trotz Corona
Nach Einsiedeln auch Appenzell: Über 150 Personen haben am Samstag Fasnacht gefeiert, wie ein Whatsapp-Video zeigt – Sicherheitsdirektor ist «erstaunt»

Am Samstagnachmittag zog ein Fasnachtstross mit sieben Wagen durch Appenzell – entgegen der geltenden Covid-Vorschriften. Die illegale Veranstaltung im Dorfzentrum wurde durch die Polizei aufgelöst, fünf Personen wurden gebüsst. Die Aktion löst nicht nur bei Landesfähnrich Jakob Signer Erstaunen aus. Die SP bezeichnet die Aktion als «unsensibel».

Claudio Weder
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So leer wie auf diesem Bild war die Hauptgasse in Appenzell am vergangenen Wochenende nicht: 150 Fasnächtlerinnen und Fasnächtler gingen am Samstag trotz Corona auf die Strasse.

So leer wie auf diesem Bild war die Hauptgasse in Appenzell am vergangenen Wochenende nicht: 150 Fasnächtlerinnen und Fasnächtler gingen am Samstag trotz Corona auf die Strasse.

Bild: Mareycke Frehner

Alle Augen sind zurzeit nach Einsiedeln gerichtet, wo ein unerlaubter Fasnachtsumzug für Wirbel sorgt. Doch auch in Innerrhoden kam es zu illegalen Fasnachtsaktivitäten: Am Samstagnachmittag wurde in Appenzell trotz geltender Covid-Vorschriften Fasnacht gefeiert. Dies zeigt ein Handyvideo, das derzeit auf Whatsapp kursiert.

Die Überreste des Umzugs lagen in Form von Konfetti auch Tage danach noch in den Gassen des Dorfes verstreut. Gemäss Berichterstattung des «Appenzeller Volksfreunds» zog der bunte Fasnachtstrupp auf seiner üblichen «Omzog»-Route vom Brauereiplatz in Richtung Landsgemeindeplatz.

Begleitet wurden die sieben Fasnachtswagen von trommelnden und posaunenden Guggerinnen und Guggern, bejubelt von Zuschauerinnen und Zuschauern, die sich am Strassenrand versammelt hatten. Atemschutzmasken? Hielten nur die wenigsten für nötig. Abstände? Kaum eingehalten.

Polizei handelte «mit Augenmass»

Laut Angaben der Innerrhoder Kantonspolizei haben rund 150 Personen – darunter mindestens zwei Guggenmusiken – dem fasnächtlichen Treiben beigewohnt. Erlaubt wären nach aktuell geltenden Covid-Vorschriften Versammlungen im öffentlichen Raum von maximal fünf Personen. «Nachdem die Meldung eintraf, dass sich im Dorfzentrum eine Menschenansammlung aufhält und Fasnacht feiert, sind wir mit mehreren Patrouillen ausgerückt», sagt Angelina Klee, Leiterin der Mobilen Polizei bei der Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden. Den illegalen Aktivitäten sei jedoch «mit Augenmass» begegnet worden.

Angelina Klee, Leiterin Mobile Polizei Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden.

Angelina Klee, Leiterin Mobile Polizei Kantonspolizei Appenzell Innerrhoden.

Bild: PD
«Um den Veranstaltern die Möglichkeit einer geordneten Beendigung zu geben, liessen die Polizisten die Aktivitäten noch rund 20 Minuten weiterlaufen. Erst dann wurde die Veranstaltung aufgelöst.»

Wie bei Coronaverstössen üblich, habe man zunächst den Dialog gesucht und dabei die Bevölkerung auf die geltenden Vorschriften aufmerksam gemacht, sagt Klee. «In den meisten Fällen hat das gut geklappt, die Leute waren kooperativ.» Nur bei fünf Personen, welche auch nach wiederholter Ermahnung keine Einsicht zeigten, sei es zu einer Busse gekommen.

Nicht zum ersten Mal musste die Innerrhoder Kantonspolizei in diesem Jahr wegen illegaler Fasnachtsaktivitäten ausrücken. Schon am Schmutzigen Donnerstag löste die Polizei eine illegale Versammlung von Fasnächtlerinnen und Fasnächtlern im Dorfzentrum auf. «Abgesehen davon verlief die Fasnacht aber ruhig», sagt Klee.

«Die Innerrhoder Bevölkerung hält sich im Grossen und Ganzen vorbildlich an die Coronamassnahmen.»

Sicherheitsdirektor ist «erstaunt»

Und was sagt die Standeskommission? Der Vorfall wurde an der dienstäglichen Sitzung nicht thematisiert. Auf Anfrage äussert sich jedoch Landesfähnrich Jakob Signer dazu: «Ich bin erstaunt über diese Aktion.» Er könne es zwar verstehen, dass die Bevölkerung das Bedürfnis hat, soziale Kontakte wie auch Traditionen zu pflegen.

Jakob Signer, Landesfähnrich AI.

Jakob Signer, Landesfähnrich AI.

Bild: PD
«Doch aktuell befinden wir uns in einer Phase, wo es besonders wichtig ist, dass wir aufeinander Rücksicht nehmen und so die Fallzahlen in den Griff bekommen.»

Die Polizei hat seiner Meinung nach richtig gehandelt: «Wir haben aus der Bevölkerung einige Rückmeldungen erhalten, in denen das kulante und deeskalierende Verhalten der Polizei gelobt wurde.»

Martin Pfister, Präsident SP AI.

Martin Pfister, Präsident SP AI.

Bild: PD

Auch die SP kommentiert den Vorfall: Parteipräsident Martin Pfister hat zwar Verständnis für jene, die am Wochenende gerne Fasnacht feiern wollten. Dennoch hält er die Aktion für «total unsensibel». «Läden und Restaurants hoffen zurzeit darauf, dass sie bald wieder öffnen dürfen. Der Zeitpunkt für eine solche Aktion, kurz bevor der Bundesrat allfällige Lockerungen des Lockdowns beschliesst, war also absolut unglücklich.»