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FASNACHT: Herisauer begraben einen Dummkopf am Mittwoch zum 174. Mal

Herisau feiert am Mittwoch den Tod eines Unverwüstlichen. Die wichtigsten Infos über den Anlass und weshalb man Gidio Hosestoss kennen muss.
Simon Roth, Carmen Pagitz
Zum 174. Mal wird am Mittwoch in Herisau Gidio Hosenstoss zu Grabe getragen. (Bild: Karin Erni)

Zum 174. Mal wird am Mittwoch in Herisau Gidio Hosenstoss zu Grabe getragen. (Bild: Karin Erni)

redaktion@appenzellerzeitung.ch

Heute am Aschermittwoch findet in Waldstatt und Herisau der alljährliche Gidio-Umzug statt. Dieser beginnt in Herisau um 15 Uhr bei der «Chälblihalle» und in Waldstatt um 13.30 Uhr beim Schulhausplatz. Bei Temperaturen unter der Null-Grad-Grenze spendet die Sonne etwas Wärme.

Wer ist Gidio Hosestoss?
Sohn von Josua Silvester Hosestoss und Lisebös Eulalia Hosestoss, geborene Chuefödle ist eine fiktive Figur, die jedes Jahr aufs Neue an einem gestohlenen Leckerli erstickt. Heuer zum 174. Mal. Gidio verkörpert nach Tradition den Geist der Fasnacht. Am Funkensonntag wird sein Körper kremiert. So opfert die Gemeinde den Geist der Fasnacht für einen raschen Frühlingsbeginn. Das Wort «Gidio» heisst so viel wie «Dummkopf».



Wo liegt der Ursprung des Brauchs?
Was heute eine Tradition ist, war in den 1840er Jahren ein Projekt dreier Knaben aus Herisau. Damals gab es eine Postverbindung zwischen Herisau und Gossau. Eines Abends wurde ein Brief nicht aufgegeben. Noch am gleichen Abend soll einer der Knaben den Brief nach Gossau bringen, begleitet von zwei Freunden. Die drei Knaben beobachteten im nächtlichen Gossau Eigenartiges. Ein Umzug an Männern mit Laternen sei im Zickzack laut heulend durchs Dorf gezogen. Die Männer hätten einen Strohmann zu Grabe geführt. Im folgenden Jahr arrangierten die drei Knaben ebenfalls einen Umzug in Herisau, der mit den Jahren immer weiter wuchs.

Wer trägt den Gidio zu Grabe?
Auf seiner letzten Reise wird Gidio Hosenstoss von den Herisauer Schülerinnen und Schülern begleitet. Sie ziehen den Verstorbenen mit einem Handwagen durchs Dorf. Neben einem Pfarrer, dem Mesmer und dem Hauptmann der Alten Garde sind die Blaariwiiber nicht vom Umzug wegzudenken. Letztere beklagen weinend seinen Tod.

Wie werden die Ämter besetzt?
Eine fünfköpfige Gidiokommission bestehend aus ehemaligen Feuerwehroffizieren ist für die Organisation und Durchführung des Umzugs verantwortlich. Sie ist es auch, die Anfang Jahr in der ersten Schulwoche in Absprache mit der Lehrerschaft der Oberstufe Herisau die wichtigsten Ämter Pfarrer, Mesmer und Hauptmann der Alten Garde besetzt. Mithilfe einer Liste verteilen diese Schüler die weiteren Aufgaben. Dazu gehören unter anderem die Besetzung der Blaariwiiber und Kässeler. Alle Ämter können sowohl von Knaben als auch Mädchen ausgeübt werden.


Wer nimmt sonst noch am Umzug teil?
Neben den Oberstufenschülern laufen auch Guggen mit. Ausserdem sind die Schulhäuser der Gemeinde eingeladen, Sujetwagen mit eigenem Motto zu gestalten. Sie können ohne vorgängige Anmeldung am Umzug teilnehmen. Hanspeter Alder der Gidiokommission schätzt die Anzahl der der Umzugsteilnehmenden auf zwischen 800 bis 1000 Personen.

Wo führt die Route durch?
Start und Ende des Umzugs sind bei der Chälblihalle auf dem Ebnet. Die Route wird grundsätzlich jedes Jahr beibehalten. Zuletzt wurde sie vor zwei Jahren angepasst.

Bild: elf

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Was ist besonders?
Jedes Jahr bestellt die Gidiokommission Leckerli bei einheimische Bäckereien, um sie an die Kinder zu verteilen. Früher wurden so bis zu 6000 Stück des Fasnachtsgebäcks speziell für diesen Anlass hergestellt. Heute sind es noch 4000. So kommen vier Leckerli auf jeden Teilnehmer.

Handelt es sich jedes Jahr um denselben Gidio?
Die zwei Meter lange Puppe in Frack und Zylinder gekleidet mit bleichem Gesicht ist seit Jahren dieselbe. Zwar müsse sie hin und wieder aufgefrischt und die Maske neugemalt oder ausgewechselt werden, sagt Hanspeter Alder. Jener Gidio, der jedes Jahr zum Funkensonntag verbrannt wird, ist jeweils eigens dafür hergestellt worden.

Wo lagert der Gidio, wenn keine Fasnacht ist?
Bisher genoss er die Ruhe im Keller des ehemaligen Feuerwehrdepots beim Gutenbergzentrum. Jetzt lagert er ein paar Meter weiter im Keller des "Schwerts" an der Kasernenstrasse, zusammen mit den Wagen, Kleidern, Kanonen und weiteren Utensilien.

Wo liegt der Unterschied zur Feier in Waldstatt?
Im Gegensatz zu Herisau, stirbt der Gidio in Waldstatt jedes Jahr einen anderen Tod. Ein Gidio-Pfarrer aus der Schülerschaft schreibt die Grabrede. Dessen Inhalt bleibt bis zur öffentlichen Verlesung geheim.

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