Fashion- (m)ist – Platz schaffen

Seit einigen Jahren trage ich mehr Dinge in mein Heim beziehungsweise in meinen Kleiderschrank als hinaus. Stets finde ich für jede Kostbarkeit den geeigneten Stauraum.

Silvia Fritsche
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Bild: Silvia Fritsche

Bild: Silvia Fritsche

Seit einigen Jahren trage ich mehr Dinge in mein Heim beziehungsweise in meinen Kleiderschrank als hinaus. Stets finde ich für jede Kostbarkeit den geeigneten Stauraum.

Einmal im Jahr, niemals geplant oder vorhersehbar, meist aber einhergehend mit dem sonnigen Wetter und den milden Temperaturen, überkommt mich eine Geschäftigkeit, der ich nicht Einhalt zu gebieten vermag. Mit gleichsam Eifer wie Ernst wird systematisch entrümpelt. Es fällt mir unglaublich leicht, mich für immer von Dingen zu trennen. Gedankenansätze wie «vielleicht», «aber wenn…», «könnte es nicht sein, dass…» werden im Keim erstickt. Diverse Ober- und Unterteile wandern entweder in den «Ganz-weg-Sack», in den «Kleidersammlung-Sack» oder in den «Zum-Verschenken-Sack».

Derweil wundere ich mich so manches Mal über meine Fashion-Sünden und frage mich, ob ich denn so ein Teil wirklich getragen habe. Angesichts der verwaschenen Form und der verblichenen Farbe wohl sogar öfter. Bei einigen Teilen muss mich vor dem Kauf das Trendbewusstsein gänzlich verlassen haben. Gut, dass ich sie nur für den Kleiderschrank gekauft habe. Und die Schuhe! Nachdem ich etliche Jahre vergeblich auf diesen hohen Hacken zu laufen geübt habe, gebe ich mich geschlagen! Weg damit, andere verfügen wohl über mehr Talent für Ballerinaübungen.

Gerne halte ich mir während meiner Ausmistete vor Augen, dass ich es schliesslich mal fertiggebracht habe, ein ganzes Jahr mit nur den Kleidern am Leibe und dem Rest in einen Rucksack gestopft, wunderbar durchzukommen – und nichts habe ich vermisst! Ich nehme mir also fest vor, mehr auf die «Brauche-ich-Dinge» als auf die «Will-ich-Gegenstände» zu setzen…

Jetzt, da wieder grosszügigere Platzverhältnisse in meinen Schränken herrschen, bin ich ganz zufrieden mit meinem Werk. Jetzt fehlen nur noch die allerneusten Trends im Sortiment. Und endlich hat es im Schuhgestell auch wieder Platz für ein neues, richtig tolles Paar Schuhe. Schuhe sind ja schliesslich Rudeltiere…

Bild: Silvia Fritsche

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