Fröhliche Trauergemeinden für Gidio

Herisauer und Waldstätter erwiesen Gidio Hosenstoss die letzte Ehre. Ein erstaunlich fröhliches Fest mit Guggenklängen und viel Konfetti.

Stephanie Häberli, Nadine Küng
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Der Herisauer Gidio.

Der Herisauer Gidio.

Nadine Küng

Alljährlich am Aschermittwoch locken die Gidio-Umzüge in Herisau und Waldstatt grosse Massen auf die Strassen. Während Gidio Hosenstoss in Herisau jedes Jahr an einem Läckerli erstickt, denkt sich in Waldstatt jeweils ein Sekundarschüler eine neue Todesursache aus.

Am Läckerli erstickt

Der Herisauer Gidio wurde gestern bereits zum 176. Mal zu Grabe getragen. Gestartet hat der Umzug bei der Chälblihalle. Angeführt von der Guggenmusik Ziegelhöttler zog Gidios Trauergeleit durch die Gassen. Einheimische und Gäste erwiesen ihm die letzte Ehre. Es folgten lauter kleine Bauarbeiter, Hexen und Zauberer, Königinnen und Prinzen sowie weitere bunte Gestalten. Für die passende fasnächtliche Stimmung sorgten die Guggenmusiken Izi bizi tii wini und Sauknapp.

Anschliessend an den Umzug hielten zwei Schülerinnen der Sekundarschule in Herisau die Trauerrede. An deren Ende verwiesen die beiden Rednerinnen darauf, die Läckerli, die im Anschluss verteilt wurden, mit Verstand zu essen. Dem armen Gidio sei es zum Verhängnis geworden, dass ihm diese Einsicht fehlte.

Todesursache von Jahr zu Jahr verschieden

Auch in Waldstadt trat Gidio Hosenstoss ein weiteres Mal seine letzte Reise an. Den Anfang des Trauerzugs bildete die Guggenmusik Blaari, gefolgt von der ganz in schwarz gekleideten Trauergemeinde. Auf dem mit Blumen verzierten Leichenwagen ruht der verstorbene Gidio Hosenstoss.

Ein Highlight in Waldstatt waren die zahlreichen Sujetwagen. Diese werden traditionsgemäss von kleinen Gruppen aus Schülern aufwendig gebaut. Dies machen sie in ihrer Freizeit. Ein vorgegebenes Motto gibt es nicht. Folglich war die Vielfalt der Sujets gross. So gestaltete eine Gruppe ihren Wagen ganz unter dem Motto Buschbrände in Australien, während andere Gruppen Themen aus dem Dorf abbildeten. Dieses Jahr entschied, neben den Zuschauern, auch eine Jury, welche Wagen besonders herausstechen. Auf die Sujetwagen folgte das Fussvolk. Nebst zahlreichen Kindern und ihren Angehörigen, gehörte dieses Jahr auch die Waldstätter Kita dazu. Die Kinder und ihre Betreuenden waren allesamt als Marienkäfer verkleidet.

Für Schleckmäuler war der Umzugsort das reinste Paradies. Zahlreiche Geschäfte verteilten Süssigkeiten und andere Leckerbissen an die Teilnehmenden des Umzugs.

Am Ende des Umzugs versammelten sich alle auf dem Schulareal. Die Stimmung war gut. Die Guggenmusik gab einige fetzige Lieder zum Besten. Dann trug der diesjährige Gidio-Pfarrer Manuel Roth seine selbstgeschriebene Gidiopredigt vor. Darin wird traditionsgemäss die Todesursache von Gidio Hosenstoss verraten. Der diesjährige Gidio lebte vegan. Doch seine Ernährung wurde ihm zum Verhängnis. Auf einer Wanderung hatte der Verstorbene seine Nahrungsergänzungsmittel vergessen. Seine Frau Eulalia hatte nur einen Cervelat dabei. Doch Gidio war sehr hungrig. Aus lauter Verzweiflung pflückte er Beeren. Wie sich herausstellte, waren diese jedoch giftig.

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