Farben zum Vibrieren bringen

Im Schloss Dottenwil stellt der Wattwiler Maler Walter Grässli über 100 Bilder aus. Darunter auch 24 Bleistiftzeichnungen zu Franz Schuberts «Winterreise».

Daniela S. Herman
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Wittenbach. Eigentlich sind es zwei Ausstellungen, die man im Schloss und in der Galerie Dottenwil bis und mit 23. Oktober besichtigen kann. Gemalt hat die 101 Bilder aber der gleiche Maler: Walter Grässli.

Der eigenwillige Pointillist

«Hab Sonne im Herzen», heisst das Bild, das die Einladungskarte schmückt und in der Kellergalerie als erstes auffällt. Wie hinter einem Vorhang aus unzähligen Pünktchen in Gelb und Violett, die sich in abstrakten Formen verdichten, erscheint im Hintergrund eine Frau mit melancholischem Gesichtsausdruck. Ebenso wie in den anderen der 77 Öl- und Eitempera-Gemälden scheinen die Farben zu vibrieren. Abhängig von der Anordnung und Form, welche diese winzigen, oft in Kontrastfarbe gemalten Punkte bilden, scheint das Bild zu driften, wobei sich auch die Farben verändern.

Die Bilder von Walter Grässli verlangen nach genauem Hinschauen, um ihren versteckten Sinn zu entdecken. Die meisten sind von Musik inspiriert. Can-Can, Tango, Flamenco, aber auch die Opern finden den Ausdruck in Grässlis eigenwilligen, präzise komponierten Bildern. Manchmal wird das gleiche Sujet in verschiedenen Farbkombinationen dargestellt, wie das Bild «Norma», eine Hommage an den Dirigenten Marcello Viotti. Besonders beeindruckend ist das Bild «Almavivas Garten», voller Masken in zarten blauen Tönen. «Meine Bilder entstehen im Dialog. Es gibt eine Idee am Anfang. Aber es kommt immer anders», sagt Walter Grässli schmunzelnd.

Die Winterreise gemalt

Die «andere» Ausstellung findet im Konzertsaal des Schlosses statt. Als Liebhaber von Schuberts Musik hat Walter Grässli 24 Bleistiftzeichnungen zum Lieder-Zyklus «Winterreise», der ihn «das ganze Leben begleitet hat», gemalt. Eine Art «innere Nabelschau» mit vielen Elementen aus seinem Geburtsort Werdenberg.

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